Psychother Psych Med 2005; 55(11): 451
DOI: 10.1055/s-2005-915263
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Hirsch-Index

The H-IndexElmar  Brähler, Oliver  Decker
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Publication History

Publication Date:
09 November 2005 (online)

Der Impactfaktor hat sich speziell in Deutschland zu einem Fetisch in der Medizin und in benachbarten Fachgebieten entwickelt. Diese Entwicklung ist einzigartig in der Welt und gipfelt in der Empfehlung der DFG für die leistungsorientierte Mittelvergabe in der Medizin, der Einfachheit halber nur noch den Impactfaktor zu verwenden. Der Impactfaktor ist eigentlich nur dafür da, die Güte einer Zeitschrift zu bestimmen, aber nicht das Werk eines Einzelnen, doch die Verfechter dieser Maßzahl verweigern sich jeglicher evidencebasierter Erkenntnis. Interessiert kann man jetzt zur Kenntnis nehmen, dass jenseits des Impactfaktors sich auch noch neuere Entwicklungen der Bibliometrie bemerkbar machen. Zunächst begegnet uns auf der schönen Web-Seite www.die-besten-nennen.de eine Hitliste der deutschen Top-Mediziner [1]. Hier werden die 10 % besten Wissenschaftler eines Gebietes danach bestimmt, wie sie in den Zitierungen in einem bestimmten Jahr abschneiden. Hier werden nur Erstautoren gezählt, die zitiert wurden und Eigenzitierungen werden abgezogen. Für die Medizinische Psychologie ergeben sich 14 führende Köpfe, darunter immerhin auch 3 Frauen. Enthalten ist in der Liste auch der Autor der Internetseite. Auf der Liste der führenden Köpfe der deutschsprachigen Medizinischen Soziologie finden sich 9 führende Köpfe, darunter 6 Medizinpsychologen und nur 3 Medizinsoziologen. Die Liste der führenden Köpfe der deutschsprachigen Psychosomatik enthält nur 8 Personen, darunter auch 1 Medizinpsychologin und 1 Psychiater. Imposant ist die Liste der führenden Köpfe der deutschsprachigen Psychiatrie. Hier sind 67 Spitzenpsychiater vertreten. Immerhin kann diese Zeitschrift stolz darauf sein, dass 4 ihrer 8 Herausgeber in der Eliteklasse geführt werden. Schmerzlich ist natürlich, dass niemand aus dem Beirat und von den ehemaligen Herausgebern die höheren Weihen bekommen hat.

Besonders interessant ist eine andere neue bibliometrische Entwicklung: der Hirsch-Index [2] [3]. Dieser sehr einfache Index erlaubt es, die Leistung eines Wissenschaftlers zu quantifizieren. Der Name des Indexes könnte falsche Assoziationen wecken. Er geht auf den Autor Hirsch zurück, ein Physiker aus San Diego. Er hat den Index h vorgeschlagen, definiert als die Zahl der Arbeiten, die ein Autor geschrieben hat, die mindestens h-mal zitiert wurden. Diesen Hirsch-Index kann man auch noch teilen durch die Zahl der Jahre, die man wissenschaftlich tätig war.

In einem tapferen Eigenversuch habe ich mithilfe der ISI-Datenbanken meinen eigenen Hirsch-Index bestimmt und bin auf die Zahl 14 gekommen, d. h. ich habe 14 Arbeiten geschrieben, die mindestens 14-mal zitiert wurden. Für einen Nobelpreis braucht man schon nach den Angaben des Autors so zwischen 35 und 39. An unserer Fakultät gibt es einige Wissenschaftler, die den Hirsch-Faktor von 30 spielend erreichen. Leitfigur für den Bereich Medizinpsychologie bzw. Psychosomatik und Psychotherapie ist Helmut Thomä, der inzwischen einen Hirsch-Faktor von 21 erreicht. Der Wissenschaftler mit dem größten Impactfaktor aller Gebiete in Deutschland, Hans-Ulrich Wittchen, dürfte auch beim Hirsch-Faktor konkurrenzlos bleiben: mit 50.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Hirsch-Faktor sich durchsetzen wird, z. B. bei Berufungen, Habilitationen oder gar entscheidend wird für die Zulagen bei der W-Besoldung.

Literatur

Prof. Dr. Elmar Brähler

Prodekan der Medizinischen Fakultät · Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie · Universitätsklinikum Leipzig AöR

Philipp-Rosenthal-Straße 55

04103 Leipzig

Email: Elmar.Braehler@medizin.uni-leipzig.de