Psychother Psych Med 2006; 56(3/04): 138-146
DOI: 10.1055/s-2005-915340
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

E-Mail in der Psychotherapie - ein Nachbehandlungsmodell via Electronic Mail für die stationäre Psychotherapie

E-Mail in Psychotherapy - An Aftercare Model via Electronic Mail for Psychotherapy InpatientsMarkus  Wolf1 , Wolf-Jürgen  Maurer2 , Peter  Dogs2 , Hans  Kordy1
  • 1Forschungsstelle für Psychotherapie
  • 2Panorama-Fachklinik Scheidegg
Further Information

Publication History

Eingegangen: 9. August 2005

Angenommen: 4. November 2005

Publication Date:
27 December 2005 (online)

Zusammenfassung

Es wird ein Modell für die Nachbetreuung stationärer Psychotherapiepatienten vorgestellt, das auf regelmäßigen E-Mail-Kontakten basiert. Der Aufbau des Settings und der praktische Ablauf werden vorgestellt und in Abwägung von Risiken und Chancen der computervermittelten Kommunikation begründet. Abschließend werden die Ergebnisse einer ersten Evaluation der Inanspruchnahme und Akzeptanz berichtet. Die Teilnehmer erwiesen sich im Vergleich zu Patienten derselben Klinik, die nicht an der Nachbetreuung teilgenommen haben, als im Mittel jünger und sie verfügten über eine höhere Schulbildung. Ihre stationäre Behandlung war im Durchschnitt drei Tage kürzer. Zur Klinikentlassung waren sie ähnlich stark gesundheitlich beeinträchtigt wie die Nicht-Teilnehmer. Für die positive Resonanz des Angebots sprechen die niedrige Abbrecherquote von 8 % und die hohe Aktivität und Zufriedenheit mit den E-Mail-Kontakten. Die Beteiligung eines Therapeuten war für die Patienten offenkundig wichtig. Dagegen zeigte sich weder für das Alter, die Internet-Vorerfahrung oder krankheitsbezogene Variablen noch für die Aktivität der Teilnehmer ein Zusammenhang mit der Beurteilung dieses neuen Versorgungsangebotes. Vor dem Hintergrund dieser ersten positiven Erfahrungen werden abschließend Perspektiven für den weitergehenden Einsatz von E-Mail in der Psychotherapie diskutiert.

Abstract

We introduce an aftercare program for psychotherapy inpatients, which is based on regular communication via E-mail. The organizational and operational structure of the program are described within the context of computer mediated communication. First results on utilization and acceptance are reported. In comparison to patients who did not participate in either aftercare program of the clinic, the E-mail participants are younger and higher educated. Inpatient treatment of the participants was three days shorter in duration than that of non participants. Both groups were similar with regard to symptom distress at discharge from hospital. A low dropout rate of 8 %, the high activity and satisfaction emphasize the positive acceptance of the program. Therapists' E-mail activity turned out to be important for the participants. Neither age, internet experience or symptom related variables nor the own E-mail activity were associated with participants' evaluation of the new service. Based on these first positive experiences the perspectives of using E-mail in psychotherapy will be discussed.

Literatur

1 Phishing ist ein Kunstwort/Kompositum aus „password” und „fishing” und steht für den Versuch Dritter persönliche Daten, wie Passwörter oder PINs in Erfahrung zu bringen, um sie unter Vorspiegelung einer falschen Identität für entsprechende Transaktionen zu verwenden.

2 Kriterien für den Abbruch: Nach der Anmeldung hat mindestens ein E-Mail-Kontakt i. S. des Strukturierten Schreibens stattgefunden und die Teilnahme wurde ohne Übereinkommen zwischen Therapeut und Teilnehmer über den Abschluss beendet.

3 Die Abbrecher haben folgende Diagnosen: mittelgradige depressive Episode (F32.1), schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F32.3), depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode, F33.1), Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (verlängerte depressive Reaktion, F43.21) und kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0). Dreimal trat als Erstdiagnose eine histrionische Persönlichkeitsstörung (F60.4) auf. Die Abbrecher sind im Schnitt etwas älter (M = 42,1; SD = 13,3) als die Programmteilnehmer (M = 38,4; SD = 11,9).

4 Wenn eine der beiden Variablen der bivariaten Korrelation nicht normalverteilt war, wurde statt einer Produkt-Moment-Korrelation die Rangkorrelation berechnet.

Markus Wolf

Forschungsstelle für Psychotherapie · Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie · Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg

Bergheimer Straße 54

69115 Heidelberg

Email: markus_wolf@med.uni-heidelberg.de