Psychother Psych Med 2006; 56(2): 41
DOI: 10.1055/s-2005-915437
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

OPD und DKPM

OPD and DKPMManfred  Cierpka
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Publication Date:
02 February 2006 (online)

Vom 15. - 18. März trifft sich das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin zu seiner Jahrestagung in Magdeburg. Dieses Jahr gibt es eine Besonderheit zu berichten. Bereits am Mittwoch veranstaltet der Arbeitskreis Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik eine Vorkonferenz. Am Eröffnungstag wird die neue Version - OPD-2 - den Psychotherapeuten vorgestellt. Der Arbeitskreis OPD erhofft sich mit dieser Terminsetzung ein größeres Echo, dokumentiert damit aber auch die Verbundenheit mit dem Fach Psychosomatik. Für die DKPM ist es eine gute Gelegenheit, das Gebiet der Psychotherapieforschung im wissenschaftlichen Programm zu stärken.

Der Arbeitskreis OPD legt (hoffentlich) pünktlich zur Kongresseröffnung das publizierte Manual der zweiten Version der OPD vor. Nach zehn Jahren Erfahrung mit der ersten Version und ihrer Anwendung in unterschiedlichen klinischen Feldern wird eine neue Version veröffentlicht.

Die 2. Version der OPD ist mehr als eine überarbeitete Auflage des Originalmanuals. Nach vielen Jahren der klinischen Handhabung des Instruments und einem kontinuierlichen Feedback in den Trainingsseminaren zeichnete sich die Notwendigkeit immer deutlicher ab, die OPD von einem rein diagnostischen Instrument zu einem Instrument für Therapieplanung und Veränderungsmessung weiter zu entwickeln. Die vorgenommenen Veränderungen lassen sich mit den folgenden vier Akzenten beschreiben:

Die OPD-2 ist nicht mehr nur überwiegend ein Instrument zur Erhebung von Querschnittsdiagnosen, sondern in stärkerem Maß auch auf therapeutische Prozesse ausgerichtet: Im jetzt vorliegenden Manual kann der Veränderungsprozess beim Patienten beschrieben werden. Die OPD-Diagnostik führt zur Identifizierung von dysfunktionalen Beziehungsmustern, inneren spannungsreichen Konfliktkonstellationen und strukturellen Bedingungen beim Patienten, die sich zur Ableitung von therapeutischen Foki anbieten, wenn sie im Zusammenhang mit der Symptomatik und dem Leiden des Patienten stehen. Durch die Bestimmung von Therapieschwerpunkten (Foki) wird eine Therapieplanung ermöglicht. Alle Achsen erlauben in den neuen Manualisierungen die Bestimmung eines Fokus. Der Fokus kann sich im Verlauf der Therapie ändern. Als Foki gelten diejenigen Merkmale des OPD-Befundes, die die Störung mit verursachen und aufrechterhalten und deshalb für die Psychodynamik des Krankheitsbildes eine bestimmende Rolle spielen. Eine weitere Veränderung in der OPD-2 betrifft eine stärkere Berücksichtigung der Ressourcen von Patienten. In der Achse 1 werden über der Belastung die Ressourcen des Patienten gegenüber gestellt. Auf Achse 2 werden nicht nur dysfunktionale Beziehungsmuster formuliert - es können jetzt auch Beziehungsthemen identifiziert werden, die für den Patienten eine Ressource darstellen. In Achse „Struktur” besteht ebenfalls die Möglichkeit, Fähigkeiten des Patienten zu beschreiben, die ihm eine adäquate Beziehung zu seinem Umfeld und zu sich selbst erlauben. Die OPD-2 konzeptualisiert inzwischen stärker auch Schnittstellen zwischen den einzelnen Achsen. Die sich daraus ergebenden praktischen Folgen für Diagnostik und Fokusauswahl werden dargestellt.

Der Arbeitskreis OPD-2 möchte durch diese veränderte Ausrichtung die Praxis klinisch tätiger Psychotherapeuten unmittelbarer abbilden. Die aktuelle OPD-Diagnostik versteht sich als Handlungsanweisung für die Therapie. Die Vorkonferenz erlaubt einen Einblick in Konzept und Anwendung der neuen OPD.

Prof. Dr. med. Manfred Cierpka

Ärztlicher Direktor des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie · Psychosoziales Zentrum · Universitätsklinikum Heidelberg

Bergheimer Straße 54

69115 Heidelberg

Email: manfred_cierpka@med.uni-heidelberg.de