Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(2): 156-162
DOI: 10.1055/s-2006-923841
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Unzureichende Umsetzung der perikonzeptionellen Folsäureeinnahme zur Prävention von Neuralrohrdefekten

Insufficient Periconceptional Intake of Folic Acid to Prevent Neural Tube DefectsJ. Heinz1 , S. Kästner1 , M. Seewald2 , S. Pötzsch3
  • 1Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • 2Hochschule Anhalt, Abteilung Bernburg
  • 3Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 30.8.2005 Eingang revidiertes Manuskript: 28.12.2005

Akzeptiert: 4.1.2006

Publication Date:
07 March 2006 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Die Neuralrohrdefektprophylaxe durch eine Folsäuresupplementation ist als wissenschaftlich fundierte Möglichkeit zu sehen, einer der schwersten und häufigsten angeborenen Fehlbildungen vorzubeugen. Untersuchungen des Fehlbildungsmonitorings Sachsen-Anhalt haben bereits 1998 gezeigt, dass die Empfehlungen deutscher Fachgesellschaften zu einer perikonzeptionellen Folsäureeinnahme nur unzureichend von Frauen im gebärfähigen Alter umgesetzt wurden. Methoden: Um der Fragestellung nachzugehen, ob sich die Kenntnisse über Folsäure und die Einnahmepraxis im Jahr 2000 verbessert haben, wurde eine retrospektive Wöchnerinnenbefragung (n = 1224) durchgeführt. Ergebnisse: Die Empfehlungen zur Folsäureprophylaxe kannten zum Zeitpunkt der Befragung 67 % der Frauen und 64 % der Wöchnerinnen, die Folsäure während der Schwangerschaft eingenommen haben. Bereits präkonzeptionell haben 4 % der Befragten die Folsäureeinnahme begonnen und mindestens bis zur achten Schwangerschaftswoche fortgeführt. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten auch im Jahr 2000, dass sich die Empfehlungen zur perikonzeptionellen Folsäureprophylaxe bei Frauen im gebärfähigen Alter noch nicht ausreichend durchgesetzt haben.

Abstract

Introduction: It has been proven that the periconceptional intake of folic acid can reduce the risk of the occurrence of neural tube defects and therefore the supplementation is recommended by several public health organisations. However, in 1998 it was already shown by the monitoring center for congenital malformations in Saxony Anhalt, that this prevention is implemented only by a minority of women of childbearing age. Methods: To evaluate whether knowledge and folic acid intake have increased, 1224 women in childbed were asked by questionnaire in the year 2000. Results: Although 67 % of the women were informed about the preventional effect and 64 % had taken folic acid during pregnancy, only 4 % started the intake of folic acid before pregnancy and continued the supplementation during pregnancy (at least eight weeks). Conclusion: These findings suggest that there is still a lack of information about folic acid prophylaxis and that periconceptional folic acid supplementation of women of childbearing age is insufficient.

Literatur

Judith Heinz

Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie
Otto-von-Guericke-Universität

Leipziger Straße 44

39120 Magdeburg

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