Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(3): 270-276
DOI: 10.1055/s-2006-923988
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

10. Mitteilung: Zum Anstieg der SGA-Neugeborenenrate durch das Rauchen der Mütter in der Schwangerschaft und Risikostruktur von „starken Raucherinnen“

(Analyse des Geburtenkollektivs der Jahre 1995 - 1997 der Bundesrepublik Deutschland)10th Report: Increase of SGA Rates in Neonates Due to Smoking During Pregnancy and Risk Patterns of Heavy Smokers(Analysis of Perinatal Data in Germany 1995 - 1997)M. Voigt1 , C. Fusch1 , D. Olbertz2 , M. Carstensen3 , A. Brüning4 , K. Hartmann5 , V. Hesse4
  • 1Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der EMAU Greifswald
  • 2Abteilung Neonatologie am Klinikum Südstadt, Rostock
  • 3Frauenklinik des Albertinenkrankenhauses, Hamburg
  • 4Deutsches Zentrum für Wachstum, Entwicklung und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter (DeuZ‐WEG), Berlin
  • 5Biomedpark, Heidelberg
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 15.2.2006

Akzeptiert: 19.2.2006

Publication Date:
20 April 2006 (online)

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Perinatalerhebung in Deutschland zeigten, dass etwa 20 % der Schwangeren auch nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft weiter rauchten. Bei 719 250 Lebendgeborenen des Jahrgangs 1992 wurden damit 143 850 Neugeborene schon in ihrer Fetalperiode durch Rauchschadstoffe geschädigt. In Abhängigkeit vom täglichen Zigarettenkonsum erhöhte sich die Hypotrophierate (< 10. Gewichtsperzentile) von 9,8 % (Neugeborenpopulation von Nichtraucherinnen) auf 15,9 % bei Raucherinnen mit 1 - 5 Zigaretten täglich bzw. auf 26,5 % bei Raucherinnen mit 21 und mehr Zigaretten täglich. Die berechnete Anzahl von durch das Rauchen in der Schwangerschaft zusätzlich zu versorgenden hypotrophen Neugeborenen für Deutschland betrug rund 14 000, wenn man die Anzahl der Lebendgeborenen von 1992 zu Grunde legt. „Nur“ 7,3 % davon waren hypotrophe Frühgeborene, ein Großteil waren hypotrophe Termingeborene mit 91,7 %. Die Ergebnisse zeigten, dass das Rauchen in der Schwangerschaft einen bedeutend höheren Stellenwert in der Diskussion um Ursachen und Prävention von Wachstumsretardierungen erhalten muss. „Starke“ Raucherinnen mit 11 und mehr Zigaretten täglich fanden wir in der Regel bei allein stehenden Müttern mit 2, 3 und mehr Kindern mit niedriger Qualifikation und relativ hohem Alter.

Abstract

Results of perinatal data in Germany show that nearly 20 % of pregnant women continue smoking during pregnancy. That means that 143 850 neonates out of 719 250 new born babies are exposed to smoke pollution during their fetal development. The rate of Small For Gestational Age (SGA) fetuses (< 10th birth weight percentile) increases with daily nicotine intake of the mother from 9.8 % (non smokers) to 15.9 % (smokers, 1 to 5 cigarettes/day) to 26.5 % (smokers, more than 21 cigarettes/day). The calculated number of additional SGA fetuses caused by smoking in pregnancy for the year 2002 results in a population of 14 000 new born babies in Germany alone. Only 7.3 % of all were SGA and preterm, whereas the majority of SGA newborns is mature for gestational age. Our results show that smoking in pregnancy continues to be an important area of clinical research to prevent intrauterine growth retardation (IUGR). Heavy smoking during pregnancy (≥ 11 cigarettes/day) is found in this study in single women with 2, 3 or more children and low educational status.

Literatur

PD Dr. Dr. rer. med. M. Voigt

Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der EMAU Greifswald

Soldtmannstraße 15

17487 Greifswald

Email: [email protected]