Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(9): R199-R226
DOI: 10.1055/s-2006-924491
GebFra-Refresher

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien

H. Binder1 , R. Dittrich1 , A. Müller1 , S. Cupisti1 , M. W. Beckmann1
  • 1Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen
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Publication Date:
12 September 2006 (online)

Einleitung

Die Überlebensraten nach Krebserkrankungen werden immer länger. Ursächlich dafür sind neue Behandlungsstrategien. Veränderte Chemotherapie-Schemata und Radiotherapien und/oder Knochenmarktransplantationen führten insbesondere bei jungen Patientinnen und Patienten zu einer Steigerung der Heilungsrate. Die Inzidenz der Krebserkrankungen stieg seit 1987 aus bisher noch unklaren Gründen um 0,3 % pro Jahr, andererseits sank aber auch die Mortalität um 0,6 % pro Jahr [[1]]. Die 10-Jahres-Überlebensrate für Kinder und Adoleszenten unter 15 Jahren beträgt derzeit in Deutschland 66 % [[3]]. Hochgerechnet wird im Jahr 2010 auf 250 Menschen in der Erwachsenenpopulation (USA) ein Überlebender einer vorangegangenen Krebserkrankung kommen [[2]]. In Europa (GB) wird 2010 eine von 715 Frauen eine Krebserkrankung überlebt haben [[53]]. Allein in den USA gab es 2003 650 000 neue Krebserkrankungen bei Frauen. 2005 betrug die Zahl der neu diagnostizierten Krebserkrankungen bei Männern und Frauen in den USA fast 1,4 Millionen, davon sind ca. 4 % jünger als 35 Jahre. Das bedeutet, dass allein in den USA mehr als 25 000 Frauen jährlich eine Krebstherapie in ihrer fertilen Phase erhalten [[64]].

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung

Die häufigste Krebserkrankung prämenopausaler Frauen ist der Brustkrebs.

bei prämenopausalen Frauen. In Deutschland erkrankten im Jahr 2002 51 150 und 2003, nach einer Schätzung des Robert-Koch-Institutes, 47 500 Frauen an Brustkrebs [[46]]. Eine Vielzahl der Frauen wird neoadjuvant oder adjuvant mit aggressiven Chemotherapie-Schemata behandelt. Die Bedeutung von Nebenwirkungen insbesondere auf die Ovarialfunktion wird im Aufklärungsgespräch zu einer erforderlichen Chemotherapie immer häufiger hinterfragt.

Die Auswirkungen der Chemo- und Strahlentherapie auf die Fertilität hängt von vielen Bedingungen ab: Bestrahlungsfeld, der Einzel- und der Gesamtdosis, Form der Applikation (intravenös oder oral), Krankheit, Alter, Geschlecht und Vorbehandlungen [[64]]. Die häufigsten Krebsarten, die im Alter unter 40 Jahren diagnostiziert werden, sind - neben Brustkrebs - Melanome, Zervixkarzinome, Non-Hodgkin-Lymphome und Leukämien [[64]]. Eine häufige Problematik

Die Problematik besteht in der möglichen vorzeitigen Menopause und Infertilität.

bei prämenopausalen Frauen, die sich einer Chemo- oder Radiotherapie unterziehen mussten, ist die vorzeitige Menopause und die damit verbundene Infertilität [[4], [64]].

Literatur

Dr. H. Binder

Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen

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