Inf Orthod Kieferorthop 2006; 38(2): 5
DOI: 10.1055/s-2006-933525
Editorial

© Georg Thieme Verlag

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EditorialN. Schepp
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Publication Date:
26 June 2006 (online)

Das Thema der vorliegenden Ausgabe der Informationen aus Orthodontie und Kieferorthopädie ist die kieferorthopädische Behandlung des Erwachsenen. Da Erwachsene außer einer Zahn- und Kieferfehlstellung weitere zahnmedizinische Probleme haben können (z. B. alte oder insuffiziente zahnärztliche Versorgungen, Zahnlücken, abradierte Zähne, parodontale Weichgewebs- oder Knochendefekte, nicht erhaltungswürdige Zähne), ist die Planung und Durchführung der Therapie häufig anspruchsvoll und erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, manchmal sogar schon bei kleineren kosmetischen Korrekturen. Die meisten Artikel dieses Heftes richten sich demzufolge sowohl an den Kieferorthopäden als auch an den Zahnarzt. Dies gilt besonders für die Artikel von Kokich, Smalley und Chandler.

Das Basiswissen für eine erfolgreiche Erwachsenenbehandlung liefert der Artikel von Vincent Kokich. Darin erläutert er ausführlich die Grundlagen einer modernen, qualitativ hochwertigen interdisziplinären Behandlung und formuliert 10 Richtlinien für die Koordination von Kieferorthopädie, Parodontologie und Zahnerhaltung bzw. Prothetik. Nicht nur für die Kieferorthopäden, die aus der Kinder- und Jugendbehandlung gewohnt sind alle Entscheidungen bezüglich des Behandlungsplans selbst zu treffen, sondern auch für interdisziplinär interessierte Zahnärzte ist dieser Artikel ein Muss.

Sofern im Rahmen einer kombiniert kieferorthopädisch-prothetischen Behandlung auch Zahnimplantate geplant sind, bietet es sich an, diese zur skelettalen Verankerung der Zahnbewegungen schon vor Kieferorthopädie einzusetzen. Smalley beschreibt ausführlich das aufwändige planerische Vorgehen zur Bestimmung der richtigen Insertionsstelle und der optimalen Insertionsrichtung für die Implantate. Es liegt am Kieferorthopäden, eine entsprechende Planung anzuregen und sich an der Umsetzung zu beteiligen.

Im Zusammenhang mit einer Erwachsenen-Kieferorthopädie stellt sich häufig auch die Frage, inwieweit möglicherweise vorhandene Myoarthropathien des Kausystems (MAP, temporomandibuläre Dysfunktion, TMD) bei der Diagnostik und Behandlungsplanung zu berücksichtigen sind. Henning Madsen beantwortet diese Frage auf der Basis epidemiologischer Studien ausführlich und diskutiert die Konsequenzen für die tägliche Praxis.

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit einer unter Kieferorthopäden und Zahnärzten vergleichsweise wenig bekannten Möglichkeit der interdisziplinären (präprothetischen) Behandlung. Chandler und Rongey geben einen Literaturüberblick über die forcierte Zahnextrusion und beschreiben deren Möglichkeiten an zwei Fallbeispielen. Sie sollten die Zahnärzte, mit denen Sie interdisziplinär zusammenarbeiten, über diese Möglichkeiten informieren.

Der Artikel von Conley beschreibt ausführlich Wissenswertes zur Diagnostik und Behandlungsplanung der mandibulären Symphysendistraktion. Es handelt sich um ein noch sehr junges Therapieverfahren, das in der Erwachsenbehandlung aber zunehmend an Bedeutung gewinnt und vermutlich bald eine normale Behandlungsoption in der kieferorthopädischen Therapieplanung darstellen wird.

Senior beschreibt zwei Erwachsenen-Behandlungsfälle, in denen er mit einer einfachen Apparatur die notwendige Intrusion der Unterkieferfront erreichen konnte. Einen weiteren Fallbericht liefert der Heftherausgeber. Darin wird eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgisch-prothetische Behandlung beschrieben.

Der letzte Artikel dieses Heftes gehört nicht zum Thema Erwachsenenbehandlung, beschreibt aber ebenfalls ein interdisziplinäres Behandlungsvorgehen: Northway erläutert einen neuen Therapieansatz in der Behandlung der Nichtanlage von zweiten unteren Prämolaren.

Die Redaktion wünscht Ihnen viele neue Erkenntnisse und Denkanstöße bei der Lektüre des vorliegenden Heftes.