Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2006; 16(6): 337-341
DOI: 10.1055/s-2006-940102
Aus der Praxis
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erfahrungen mit der Behandlung von Kindern mit Kälteasthma im Nordseeklima

Experiences in the Treatment of Children with Cold Induced Asthma in the Climate of the North SeaW.  Menger†1
  • 1Ehem. Ärztlicher Direktor des Kinderkrankenhauses Seehospiz „Kaiserin Friedrich” und des Asthma- und Allergiezentrums für Jungen und Mädchen, Rehabilitationseinrichtung Insel-Internat „Kinderheil” Nordseeheilbad Norderney
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Publication History

Eingegangen: 5. September 2005

Angenommen: 7. September 2006

Publication Date:
01 December 2006 (online)

Zusammenfassung

Kinder mit Asthma bronchiale und Neurodermitis constitutionalis vertragen Saunabäder gut. Das ergaben umfangreiche Untersuchungen mit Messung der Atemfunktion bei 293 Jungen und Mädchen im Laufe von 3 Jahren. Im Heißluftraum fiel das FEV1 im Durchschnitt um - 4 % ab, meist gefolgt von einem Anstieg um + 2 % durch die Abkühlung. Untersuchungen im Winter an 13 Kindern im Alter zwischen 11 und 16 Jahren waren besonders aufschlussreich: Bei Kontrollpersonen ohne Kälteasthma sank das FEV1 durch Abkühlungen mit kaltem Wasser und kalter Luft nur um 0 % bis - 2 %, während Kinder mit Kälteasthma durch kaltes Wasser keine Reaktion, durch kalte Luft jedoch einen Abfall um - 17 % zeigten. Spaziergänge hinter der Düne im Winter und Frühjahr mit der Kälte angemessener Kleidung führten bei Kontrollkindern zu einem Abfall des FEV1 zwischen 0 % und - 6,2 %. 16 von 28 Asthmatikern hatten ebenfalls Werte in diesem Bereich. 12 Asthmatiker hatten bei - 10 °C Lufttemperatur einen Abfall des FEV1 bis - 16 % in fast linearer Abhängigkeit von der Temperatur. Bei einer Patientin mit ausgeprägtem Kälteasthma wurde nach langsamer Eingewöhnung durch Luftbad bei - 8 °C, Luftbädern am Strand und ganz kalten Seebädern in einer Eiswassermulde mit Pfannkucheneis innerhalb von nur 25 Tagen eine vollständige Beseitigung eines durch Kälteprovokation bewiesenen, sehr hochgradigen Bronchospasmus erreicht. Bei Patienten mit Kälteasthma betrifft die Kälteempfindlichkeit nur die Bronchien, während kalte Luft- und Seebäder sehr gut vertragen werden.

Abstract

Children with bronchial asthma and atopic eczema tolerate sauna bathes. This was shown by extensive investigations including measurements of the breath funktion in 293 boys and girls during 3 years. In the chamber with hot air the FEV1 decreased of - 4 % in mean, mostly followed by an increase of + 2 % caused by the cooling. Investigations during winter in 13 children 11 to 16 years of age were especially informative: In controls without cold induced asthma the FEV1 decreased by cooling with cold water and cold air only of 0 % to - 2 %, while children with cold induced asthma showed no reaction on cold water, but a decrease of - 17 % by cold air. In control children walks behind the dune in winter and spring with adequate clothes led to a decrease of the FEV1 between 0 % and - 6.2 %. 16 of 28 asthmatic patients had also values in this range. In - 10 °C cold air 12 asthmatic patients had a decrease of the FEV1 of - 16 %, nearly linearly dependant on the temperature. In a female patient with severe cold induced bronchial asthma, after slowly getting used to cold air of - 8 °C, air bathes at the beach and very cold sea bathes in a hole with ice water, within only 25 days a complete elimination of the cold induced bronchial spasm (proven by cold provocation) was achieved. In patients with cold induced bronchial asthma the sensitivity to cold concerns only the bronchi, while cold air and sea bathes are well tolerated.

Literatur

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Prof. Dr. med. Wolfgang Menger†

Emsstraße 2

26548 Norderney

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