Psychother Psych Med 2006; 56(9/10): 397-402
DOI: 10.1055/s-2006-940180
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wirkt sich der Übersetzungsvorgang auf die psychometrische Struktur eines Fragebogens aus?

Ein Vergleich zweier deutschsprachiger Versionen des Eating Disorder InventoryHas the Translation Process Impact on the Psychometric Structure of a Questionnaire?A Comparison of two German Versions of the Eating Disorder InventoryMartin  Pook1 , Brunna  Tuschen-Caffier1 , Ulrike  Kaufmann1
  • 1Fachbereich 2 - Psychologie, Universität Siegen
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Publication History

Eingegangen: 16. Februar 2006

Angenommen: 31. August 2006

Publication Date:
10 October 2006 (online)

Zusammenfassung

Es ist wenig bekannt über die Bedeutung der Übersetzung von Items für die psychometrische Struktur von Fragebögen. Die Analyse von alternativen Übersetzungen in dieselbe Sprache bietet eine Möglichkeit, dieser Frage nachzugehen. In der vorliegenden Studie werden daher zwei der sechs verfügbaren deutschen Übersetzungen des Eating Disorder Inventory (EDI) in Bezug auf ihre psychometrische Struktur verglichen. Insgesamt bearbeiteten 449 Studentinnen die Kurzversionen des EDI (bestehend aus den Subskalen Schlankheitsdrang, Bulimie und Körperunzufriedenheit). Anhand von Strukturgleichungsmodellen konnte gezeigt werden, dass die Teilnehmerinnen die Iteminhalte beider Übersetzungen äquivalent auslegten. Die strukturellen Beziehungen zwischen den Faktoren entsprechen sich in den beiden Versionen ebenfalls. Während sich die Annahme invarianter Itempaarreliabilitäten nicht bestätigte, erwiesen sich die Verteilungen der Skalenrohwerte beider Versionen als übereinstimmend. Alles in allem deuten die Ergebnisse auf eine sehr hohe Ähnlichkeit in der psychometrischen Struktur der alternativen EDI-Versionen hin. Die Resultate werden in Hinblick auf die gegenwärtig fehlenden Standards beim Übersetzen von Fragebogen diskutiert.

Abstract

Little is known about the impact of item translation on the psychometric structure of questionnaires. The analysis of different translation versions within the same language provides an opportunity to address this question. Therefore, in the present study, two of the six available German translations of Eating Disorder Inventory (EDI) were compared with respect to their psychometric structure. A total of 449 female students completed the short forms of the EDI (consisting of the subscales drive for thinness, bulimia and body dissatisfaction). Structural equation modeling revealed that the item contents in both translations had been interpreted equivalently by the participants. In addition, the structural relations among the factors were equivalent across both versions. Whereas invariance of item-pair reliability was not tenable, the distribution of raw scores of the scales was similar. All in all, the findings suggest a very large degree of similarity in the psychometric structure of the alternative translations of the EDI versions. The results are discussed with respect to the lack of standards for the translation of questionnaires.

Literatur

1 Die ausführliche Darstellung dieser umfangreichen Auswertung kann vom Erstautor angefordert werden.

Dr. Martin Pook

Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung

Schellingstraße 155

80797 München

Email: martin.pook@isb.bayern.de