Rofo 2006; 178 - RK_202_3
DOI: 10.1055/s-2006-940382

Milchglasinfiltrate

S Diederich 1
  • 1Marien Hospital Düsseldorf, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin, Düsseldorf

Unter Milchglasinfiltraten (englisch: ground glass opacity) versteht man Areale gering angehobener Lungendichte, in denen Gefäße und Bronchien – im Gegensatz zur Konsolidierung – noch abgrenzbar sind.

Pathophysiologische Grundlage ist die nur partielle Verdrängung von Luft aus dem Lungenparenchym durch intraalveoläre oder interstitielle Prozesse.

Dabei kann es sich um Ödem, Exsudat, Hämorrhagie oder auch Tumorzellen (Lymphangiosis carcinomatosa, bronchoalveoläres Karzinom) handeln, so dass ein Milchglasinfiltrat keine Diagnose sondern lediglich einen morphologischen Befund darstellt.

Milchglasinfiltrate müssen differenziert werden von physiologischen Dichteanhebungen einerseits (lageabhängige Dichtezunahme, Exspirationseffekte)und Folgen reaktiver Dichtezunahme bei pathologischer Dichteabnahme angrenzender Lungenareale anderseits. Diese sind möglich bei obstruktiven Veränderungen der kleinen Atemwege (Air-trapping) sowie unterschiedlicher Perfusion (Mosaikperfusion). Nützlich ist hierzu einerseits die Anfertigung von Exspirationsaufnahmen zur Erkennung von Air-trapping und andererseits die Beachtung einer Engstellung pulmonaler Gefäße in den transparenteren Arealen bei Mosaikperfusion.

Milchglasinfiltrate treten bei einer Vielzahl entzündlicher und nicht-entzündlicher Lungenerkrankungen auf. Häufig stellen sie reversible und damit therapierbare Veränderungen dar.

Der Nachweis von Milchglasinfiltraten ist in vielen Fällen hilfreich in der Differentialdiagnose infiltrativer Lungenerkrankungen.

Lernziele:

  • Erkennung von Milchglasinfiltraten und Unterscheidung von physiologischen Veränderungen

  • Verständnis der zugrunde liegenden Pathophysiologie

  • Differenzierung zwischen Milchglasinfiltrat, Air-Trapping und Mosaikperfusion

  • Kenntnisse der HRCT Manifestationen verschiedener pathologischer Veränderungen

  • Kenntnisse in der Relevanz von Milchglasinfiltraten bei der Aktivitätsbeurteilung infiltrativer Lungenerkrankungen

Korrespondierender Autor: Diederich S

Marien Hospital Düsseldorf, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin, Rochusstr. 2, 40479 Düsseldorf

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