Dtsch med Wochenschr 2006; 131(21): 1236
DOI: 10.1055/s-2006-941760
Korrespondenz | Correspondence
Erwiderung
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Medikamenten-freisetzende Stents/Drug-Eluting Stents (DES) - Erwiderung

E. Erdmann
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Publication Date:
23 May 2006 (online)

Den obigen Ausführungen der Kollegen Schneider, Weber und Nienaber anlässlich meines Kommentars [1] kann ich mich nur ausdrücklich anschließen. Im Augenblick sind wir tatsächlich ziemlich unsicher bei der Frage, wie lange bei Drug Eluting Stents die duale Plättchenhemmung durchgeführt werden sollte: 6, 12 oder 24 Monate.

Neueste Untersuchungen, die von Prof. Pfister/Basel beim American College of Cardiology in Atlanta im März 2006 dargestellt wurden (BASKET-LATE-Studie), haben ergeben, dass bei 746 Patienten die Zahl der Herztodesfälle und der nicht tödlichen Myokardinfarkte in der DES-Gruppe signifikant höher war als in der Gruppe mit reinem Metallstent (4,9 % vs 1,9 %). Diese besorgniserregenden Komplikationen traten erst nach 8 Monaten bei einer insgesamt 18monatigen Beobachtungsdauer (!) auf und sind möglicherweise bedingt durch ein zu frühes Absetzen von Clopidogrel. Leider sind wir im Augenblick nicht in der Lage, die notwendige Dauer der dualen Plättchenhemmung bei Drug Eluting Stents mit Sicherheit anzugeben. Deshalb schließe auch ich mich den kritischen Bemerkungen aus Rostock an und empfehle die Implantation eines DES nicht in allen Fällen. Eine dreifach höhere Anzahl von Herztodesfällen und nicht-tödlichen Myokardinfarkten gibt zu denken. Wir klären inzwischen alle Patienten speziell über die Notwendigkeit auf, bei eventueller DES-Implantation 12 Monate lang ASS und Clopidogrel in Kombination einzunehmen und lassen uns das schriftlich bestätigen. Patienten mit vorhersehbarer Operationsnotwendigkeit bekommen natürlich keinen DES. Problematisch waren mehrfach Patienten mit implantiertem DES, danach entdecktem Kolonkarzinom und - nach präoperativem Absetzen der Thrombozytenaggregationshemmer - postoperativ akutem VW-Infarkt.

Literatur

Prof. Dr. med. Erland Erdmann

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