Dtsch med Wochenschr 2006; 131(44): 2475-2479
DOI: 10.1055/s-2006-955033
Aktuelle Diagnostik & Therapie | Review article
Intensivmedizin, Nephrologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Organversagen Niere: Diagnostik und Therapie

Acute renal failure: Diagnosis and treatmentH. P. Kierdorf1
  • 1Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Klinikum Braunschweig
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Publication History

eingereicht: 21.6.2006

akzeptiert: 28.9.2006

Publication Date:
25 October 2006 (online)

Zusammenfassung

Das akute Nierenversagen (ANV) in der Intensivmedizin ist heute immer Teil eines Multiorganversagens. Seine Prognose ist mit einer Letalität von 50 - 70 % weiterhin schlecht. Diagnose und Schweregrad des ANV sind durch Veränderung der glomerulären Filtration und der Diurese in der so genannten RIFLE-Klassifikation definiert, dabei gelingt mittels Anamnese, wenigen Laboruntersuchungen, einer exakten Bilanzierung und der Sonographie die Diagnose auf der Intensivstation in der Regel leicht. Wesentliche präventive Maßnahme bei drohendem ANV ist eine Verbesserung der Hämodynamik durch ein ausreichendes Volumenangebot und ggfs. Steigerung der Herzleistung unter entsprechendem Monitoring. Die Ende der 70iger Jahre in die Behandlung eingeführten kontinuierlichen Therapieoptionen gehören heute neben der intermittierenden Dialyse auf den Intensivstationen zur Standardtherapie. Wesentliche Vorteile dieser Verfahren sind eine höhere hämodynamische Stabilität, die Vermeidung schneller Flüssigkeits- und Elektrolytverschiebungen und eine an den Bedürfnissen der Patienten angepasste Ernährung. Ihr wesentlicher Nachteil ist die kontinuierliche Antikoagulation. Insgesamt besteht die klinische Einschätzung, dass es eine Gruppe von Schwerstkranken mit schlechter Prognose (5 - 10 % der Patienten) gibt, die aufgrund ihrer Instabilität ausschließlich mit einer kontinuierlichen Therapie behandelt werden können. Es gibt verschiedene Hinweise, dass ein frühzeitiger Therapiebeginn die hohe Letalität reduzieren kann. Bei allen Therapieverfahren muss eine der hyperkatabolen Situation der Schwerkranken angepasste Dosis gewählt werden. Die Filtratmenge bei der kontinuierlichen Hämofiltration sollte 35 ml/KG/Stunde erreichen, eine Dosis, die wahrscheinlich auch auf die kontinuierlichen Dialyseverfahren übertragen werden kann. Die intermittierende Dialyse beim kritisch Kranken muss täglich erfolgen.

Summary

Prognosis of acute renal failure (ARF) in the intensive care unit today is always poor. Due to the fact, that in nearly all cases it is part of a multiple organ failure (MOF) his mortality is stabilized at 50 - 70 %. Diagnosis and severity of the disease is based on changes in urine output and of the glomerular filtration rate and is measured by the RIFLE classification. Diagnosis can be easily made by anamnestic data, a few laboratory investigations and ultrasound. Since the end of the 70 ties ARF patient can be treated either by continuous forms of extracorporeal treatment (CRRT) or by intermittent dialysis (IHD). The main advantages of CRRT as opposed to IHD are greater hemodynamic stability, avoidance of rapid fluid and electrolyte shift with an easy fluid management and nutrition without restriction. The necessity for continuous anticoagulation is the most important disadvantage.There are a few critically ill MOF patients, that can be treated only by CRRT. Treatment should be started early, as it is necessary to avoid further damages of other vital function disturbances due to the loss of exocrine renal function. In each form of treatment, an adequate dosage for each critically ill patient is needed. In CRRT the exchange volume should reach 35 ml/kg/hour and IHD is necessary daily.

Literatur

Prof. Dr. H. P. Kierdorf

Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Klinikum Braunschweig

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