Zeitschrift für Palliativmedizin 2006; 7(4): 121-122
DOI: 10.1055/s-2006-958830
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Veranstaltungsbericht - Seminar Train the Trainer in Frauenchiemsee 26.8.-2.9.2006: Ein Resümee

B. Alt-Epping, N. Eulitz, A. Geyer
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Publication Date:
06 March 2007 (online)

 

Die Klosterglocken läuteten und die Sonne strahlte von den Bergen, als wir den Landungssteg der Fraueninsel und das Kloster Frauenchiemsee betraten. Natürlich freuten wir uns auf den Kurs und die vielen Begegnungen nach der erwartungsvollen Planung in Göttingen. Dort würden wir als neues ärztliches Team unter der Leitung von Professor Friedemann Nauck in der neuen Abteilung Palliativmedizin beginnen. Wir waren dankbar für die Gelegenheit eines klösterlichen Innehaltens und einer Reflexion über das, was wir von unserem Arbeitsumfeld und der Zukunft erhofften.

Das Frauenkloster, das die Insel seit nunmehr 1200 Jahren prägt, und der Geist der Benediktinerinnen trug von Beginn an zu einer einzigartigen, heiteren, festlichen, arbeitskonzentrierten und dennoch gelassenen Stimmung bei. Wir wurden herzlich begrüßt, in das Labyrinth des klösterlichen Seminarzentrums eingewiesen und erhielten Zimmer mit grandiosem Blick auf Kloster, Insel, See und Berge.

Bereits die Begrüßungsreden am Seeufer (Bundesministerium, Krebshilfe, DGP, Leitungsteam) deuteten an, dass der Kurs wesentliche Impulse für die weitere Entwicklung des Faches Palliativmedizin geben würde: erfahrene Mediziner versammeln sich, um Lehrkompetenz im Fach Palliativmedizin zu erwerben und ihre bisherigen Methoden in Frage stellen zu lassen mit dem Ziel, palliativmedizinische Fertigkeiten und Grundhaltungen über die Curricula hinaus wirksam weiterzureichen.

Gleich am ersten Abend wurde es konkret und im weiteren Verlauf mitunter sehr anstrengend. Die Tage (bis in die späten Abende hinein) wurden durch Plenarsitzungen und Kleingruppenarbeit strukturiert. Nach der Devise, dass man Methodik und Didaktik am Besten lernt, indem man es einfach ausprobiert, haben wir in Groß- und Kleingruppenunterricht, Frontalvorlesungen, Seminaren, Videosessions, one minute preceptors, OSTE, Deepening the Interview Strategien, Feedbackübungen, Rollenspiele, Angehörigeninterviews, Lernstile und anderes ausprobiert und analysiert, einmündend in Planungen bunt gestalteter Unterrichtseinheiten. Das meiste wird zweifelsohne eine enorme Bereicherung des eigenen "methodischen Arsenals" darstellen. Der Wechsel zwischen der Position des Lernenden und dem sich anschließenden Schritt auf die Metaebene, das in-Beziehung-setzen des gerade Erlebten mit dem angestrebten Ziel der Lehrmethode, war besonders eindrücklich und fruchtbar. Eigene attitudes konnten praktischerweise gleich an Vorbild gebenden Arztpersönlichkeiten festgemacht werden. Neben dem Lernen methodischer Analytik zeigte sich immer wieder die (eigentlich selbstverständliche) Notwendigkeit, auch das tagtägliche Tun als solches lebenslang zu hinterfragen, zu verbessern und sich verbessern zu lassen.

Entscheidende Impulse für die inhaltliche Gestaltung und den persönlichen Austausch kamen von den Kollegen des Center for Palliative Care der Harvard Medical School und durch das über Professionen und Fachdisziplinen breit gefächerte Dozententeam.

Aus einer offenen Atmosphäre zwischen Teilnehmenden und Dozenten heraus ergab sich Wesentliches still und ungezwungen in den kurzen Pausenzeiten - beim Kaffee, in der Mittagspause am Steg, beim abendlichen Bier. Menschen begegneten sich jenseits akademischer Titel, tauschten sich aus, offenbarten Verwundungen und Kraftquellen, knüpften oder pflegten Kontakte. So wuchs das so oft proklamierte Netzwerk Palliativmedizin fast nebenbei.

Eine als offener Austausch gedachte abendliche Sterbehilfedebatte kam jedoch rasch ins Stocken; hier hat der verbindende Geist von Frauenchiemsee also noch zu wirken.

Was bleibt? "It`s rather about attitudes than about skills" - dies zu vermitteln ist dem Dozententeam in überragender Weise gelungen. Dass uns zudem auf hohem Niveau Fertigkeiten der Lehre vermittelt und ausgefeiltes Material großzügig an die Hand gegeben wurde, machte diesen Kurs zu einem vollen Erfolg. Unser Dank gilt dem gesamten Dozenten- und Organisationsteam, insbesondere Frau Fittkau-Tönnesmann für das große persönliche Engagement sowie der Deutschen Krebshilfe, ohne deren Unterstützung dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

Korrespondenzautor:

Dr. Bernd Alt-Epping

Abt. Palliativmedizin

Universitätsklinikum Göttingen

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