Zusammenfassung
Anhand der Ergebnisse unserer 1000 retrospektiv untersuchten Wassergeburten, verglichen
mit 1000 Spontangeburten außerhalb des Wassers, stellten wir fest, daß keine erhöhte
kindliche und mütterliche Morbidität und Mortalität nachgewiesen werden konnte. Im
Wasser war der Medikamentenverbrauch deutlich niedriger (1,1% zu 20,1%) und die Rate
an Episiotomien um die Hälfte geringer. Bezüglich der übrigen untersuchten Parameter
ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Die bisweilen geäußerte Kritik an der
Durchführung von Wassergeburten beruht offensichtlich auf Annahmen, die dem heutigen
Erkenntnisstand der fetalen Physiologie und der respiratorischen Adaptation des Neugeborenen
nicht mehr entsprechen. Hierzu gehört insbesondere die Annahme, daß es bei der Thoraxkompression
bzw. -dekompression zu einer Aspiration des Kindes bei einer Wassergeburt komme. Dieses
ist eine falsche Annahme, was uns von den vaginalen Bekkenendlagengeburten her bekannt
ist, wo der Kopf des Kindes bei der Thoraxdekompression noch nicht geboren ist und
es sonst auch hier zu Aspirationen entsprechend dieser fälschlichen Theorie kommen
müßte. Bei einer Asphyxie sind allerdings alle Schutzfunktionen verändert bzw. außer
Funktion, und es kann dann zu einer kindlichen Asphyxie kommen. Jedes geburtshilfliche
Management muß aber zum Ziel haben, eine Asphyxie zu vermeiden, so auch bei einer
Wassergeburt. Bezieht man die Ergebnisse der Grundlagenforschung mit in die Beurteilung
der klinischen Situation ein, so erklären sich manche bisher unverstandene Phänomene.
Andere, insbesondere die verschiedenen biochemischen und pharmakologischen Einflüsse
auf die neonatale Atemregulation und -adaptation bleiben weiterer Forschung vorbehalten.
Sehr seltene fetale und maternale Risiken (Promillebereich) bleiben einer Analyse
noch größeren Zahlenkollektivs vorbehalten. Hier erwarten wir, daß durch Zahlen anderer
Zentren, die Wassergeburten durchführen, eine Metaanalyse entsteht, um eine exakte
Quantifizierung der seltensten Ereignisse zu bekommen. Die Perinatalerhebung in Deutschland
kann dazu gute Dienste leisten, in der die Wassergeburt zukünftig miterfaßt wird.
Abstract
A retrospective study of 1,000 subaqueous (underwater) deliveries versus 1,000 spontaneous
normal childbirths (i.e., not under water) did not reveal any increase in infant or
maternal morbidity or mortality. Drug consumption was significantly lower under water
(1.1% vs. 20.1%), and the need to perform an episiotomy was 50% lower than with spontaneous
normal parturition. No significant differences were seen in respect of the other parameters.
Criticism that is sometimes levelled against subaqueous delivery is obviously based
on assumptions no longer in agreement with the present State of knowledge of fetal
physiology and respiratory adaptation of the newborn. One of these wrong assumptions
is especially that thoracic compression or decompression results in aspiration of
the child during subaqueous birth. This is erroneous, as we know from vaginal breech
presentation where the head of the child has not yet emerged; this would lead to aspirations
if the theory were correct. In asphyxia, however, all protective functions are changed
or do not take place, so that aspiration by the infant may occur. In any case, every
obstetric manoeuvre must aim at avoiding asphyxia, and this is equally true of water
delivery. If the results of fundamental research are included in the assessment of
the clinical Situation, we can now understand quite a few phenomena that had been
inexplicable to date. Further research will be needed to clarify other parameters,
in particular the various biochemical and pharmacological influences on neonatal respiratory
regulation and adaptation. Very rare fetal and maternal hazards (in the ränge of 1:1000)
will have to be analysed in a still larger group of persons. We expect that data obtained
by other centres conducting subaqueous deliveries will lead to a meta-analysis enabling
accurate quantification of the rarest events. Perinatal statistics compiled in Germany
can be very useful in the future if subaqueous deliveries are included in the surveys.