Rofo 2007; 179(4): 387-395
DOI: 10.1055/s-2007-962863
Interventionelle Radiologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

CT-gesteuerte perkutane Gastrostomie: Technischer Erfolg, Früh- und Spätkomplikationen

CT-Guided Percutaneous Gastrostomy: Success Rate, Early and Late ComplicationsA. Gottschalk1 , M. Strotzer2 , S. Feuerbach3 , G. Rogler3 , J. Seitz4 , M. Völk1
  • 1Radiologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
  • 2Radiologie, Klinikum Hohe Warte
  • 3Radiologie, Klinikum der Universität Regensburg
  • 4Radiologie, MVZ Dr. Neumaier & Kollegen
Further Information

Publication History

eingereicht: 24.8.2006

angenommen: 11.12.2006

Publication Date:
07 March 2008 (online)

Zusammenfassung

Ziel: Bei Patienten mit tumorbedingten oder neuromuskulären Schluckstörungen stellen endoskopisch (PEG) und radiologisch assistierte (PRG) perkutane Gastrostomieverfahren die Methode der Wahl zur Sicherstellung einer längerfristigen enteralen Sondenernährung dar. Hochgradige mit dem Endoskop nicht passierbare Stenosen der oberen Atem- und Speisewege sowie eine fehlende Diaphanoskopie können eine PEG-Anlage jedoch technisch verhindern. Die CT-gesteuerte perkutane Gastrostomie (PG) stellt hier ein Alternativverfahren dar, das durch seine exakte Darstellung der anatomischen Strukturen eine Gastrostoma-Anlage auch bei den Patienten ermöglicht, bei denen ein endoskopisches Verfahren nicht durchführbar ist. Ziel der Untersuchung war die retrospektive Analyse von Anlageergebnissen und Komplikationen der CT-gesteuerten perkutanen Gastrostomie. Material und Methoden: Insgesamt 83 überwiegend an malignen Erkrankungen der oberen Atem- und Speisewege erkrankte Patienten wurden zu einer CT-gesteuerten perkutanen Gastrostomie-(PG-)Erstanlage vorgestellt und die Patientendaten hinsichtlich Anlageergebnissen und Komplikationen retrospektiv analysiert. Die Komplikationen wurden zum einen nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens in Früh- und Spätkomplikationen und zum anderen nach ihrem Schweregrad in schwerwiegende und leichte Komplikationen unterteilt. Ergebnisse: Die CT-gesteuerte PG-Anlage gelang bei 95,2 % (79/83) der Patienten im Erstversuch. In den ersten drei Tagen fanden sich bei 4 von 79 Patienten (5,1 %), mit 4 Dislokationen der PG-Sonde und einer anlagebedingten Peritonitis, insgesamt 5 schwerwiegende Frühkomplikationen, wobei ein Patient davon 2 schwerwiegende Komplikationen entwickelte. Zu leichten Frühkomplikationen, vorwiegend Hautirritationen und vorübergehende Bauchschmerzen, kam es in 39,2 % der Fälle (31/79). Nach dem dritten Tag nach PG-Anlage wurden in 5,1 % der Fälle (4/79) schwerwiegende Komplikationen dokumentiert, sodass die Gesamtrate für schwerwiegende Komplikationen 8,7 % (7/79) betrug. Ein Patient verstarb infolge anlagebedingter Komplikationen. Transfusionsbedürftige Blutungen oder eine Perforation nach Gastrostoma-Erstanlage wurden nicht beobachtet. Leichte Komplikationen bestanden nach dem dritten Tag bei 29,1 % der Patienten (23/79). Schlussfolgerung: Mit der CT-gesteuerten perkutanen Gastrostomie steht ein Alternativverfahren zur Verfügung, das neben einer hohen technischen Erfolgsquote eine vertretbare Rate an schwerwiegenden Komplikationen zeigt und eine Sondenanlage auch bei nicht passierbaren Stenosen der oberen Atem- und Speisewege oder fehlender Diaphanoskopie ermöglicht. Eine einheitliche Einteilung der Komplikationen stellt eine wichtige Grundlage für die Qualitätskontrolle und die Patientenaufklärung dar. Hierzu wird eine Einteilung der Komplikationen nach PG-Anlage vorgestellt.

Abstract

Purpose: Percutaneous endoscopic gastrostomy (PEG) and percutaneous radiologic gastrostomy (PRG) are the standard methods of ensuring long-term enteral food intake in patients with dysphagia caused by neoplasia or neurological disorders. High-grade obstructions of the upper digestive tract or inadequate transillumination can prevent PEG. CT-guided percutaneous gastrostomy (PG) represents a special technique for enabling gastrostomy in patients for whom the endoscopic method is impossible. The aim of this study was to evaluate the results and complications of CT-guided percutaneous gastrostomy. Materials and Methods: CT-guided PG was performed in 83 patients, mostly with malignancy of the upper respiratory or digestive tract. Medical records for these patients were reviewed, and the results and complications of the CT-guided PG were analyzed retrospectively. Complications were grouped into four categories: Major and minor complications as well as early and late complications. Results: In 95.2 % of all cases (79/83), CT-guided PG was successful in the first attempt. Within the first 3 days, 5 major complications including 4 tube dislocations and one case of peritonitis were found in 4/79 patients (5.1 %). One of these patients experienced two early major complications. Early minor complications, mainly local skin irritations and temporary stomachache, were observed in 31 patients (39.2 %). Three days after CT-guided PG, 4 cases of major complications were documented, yielding a total rate of major complications was 8.7 % (7/79). Hemorrhage requiring blood transfusion or perforation after gastrostomy was not observed. 29.1 % of the patients (23/79) experienced late minor complications. Conclusion: CT-guided percutaneous gastrostomy represents a relatively safe method with a high success rate for enabling gastrostomy in patients with high-grade obstructions of the upper digestive tract or inadequate transillumination. Standard complication classification provides an important basis for quality assessment and disclosure of risks. A classification of complications after gastrostomy is presented for this purpose.

Literatur

Dr. Andreas Gottschalk

Radiologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm

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