Sportverletz Sportschaden 2008; 22(1): 45-51
DOI: 10.1055/s-2007-963601
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Einfluss der Kryotherapie am Sprunggelenk auf das statische Gleichgewicht

The Influence of Cryotherapy of the Ankle on Static BalanceF. Saam1 , B. Leidinger2 , C. O. Tibesku3
  • 1A. R. Z. Ambulantes Rehazentrum Nürnberg GmbH
  • 2Orthopädische Klinik Volmarstein, Wetter
  • 3Orthopädisch-chirurgische Gemeinschaftspraxis Straubing, sporthopaedicum
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Publication History

Publication Date:
19 March 2008 (online)

Zusammenfassung

Studienziel: Das Sprunggelenk gehört zu den am häufigsten verletzten Gelenken. Eine mangelnde Gleichgewichtsfähigkeit, wie sie z. B. anhand von vergrößerten Schwankungswerten des Zentrums der Druckbelastung (centre of pressure = CoP) bei Balancemessungen mittels Kraftmessplatten festgestellt wurde, wird dabei als ein wesentlicher Risikofaktor angesehen. In der Akutbehandlung von Sprunggelenksdistorsionen werden Eisbehandlungen im Anschluss an das Trauma empfohlen und in der Rehabilitationsphase sollen sie die Aufnahme aktiver Übungen und die Toleranz für eine Progression des Trainings fördern. In der Praxis kann es sogar vorkommen, dass ein Sportler direkt nach einer Kryotherapie wieder in den Trainingsbetrieb oder den Wettkampf zurückgeschickt wird. Allerdings wird die Frage, ob unmittelbar nach einer Eisbehandlung körperliche Aktivitäten gefahrlos wieder aufgenommen werden können oder ob eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit besteht, kontrovers diskutiert. Die vorliegende Untersuchung greift die Problematik auf, ob eine Eisbehandlung des Sprunggelenkes die Gleichgewichtsfähigkeit beeinträchtigt, sodass daraus ein erhöhtes Verletzungsrisiko resultieren könnte. Methode: In einer prospektiven, kontrollierten Studie mit Crossover-Design wurden die Schwankungswerte des CoP von 31 gesunden Probanden (19 Frauen und 12 Männer im Alter von 31 ± 5 Jahren mit einer durchschnittlichen Körpergröße von 1,72 ± 0,1m und einem durchschnittlichen Körpergewicht von 68,13 ± 11,96 kg) vor und nach einer zehnminütigen Eisbehandlung des Sprunggelenkes (eis) bzw. vor und nach einer zehnminütigen Ruhepause ohne Behandlung (kon) ausgewertet. Die Messungen fanden während eines 30 Sekunden dauernden, standardisierten Einbeinstandes auf einer PDM-Multifunktions-Kraftmessplatte statt. Die Reihenfolge, ob die Untersuchung zuerst mit oder ohne die Eisbehandlung durchgeführt werden sollte, wurde randomisiert zugeteilt. Ergebnisse und Schlussfolgerung: Eine zehnminütige Eisbehandlung des Sprunggelenkes beeinträchtigte im Rahmen dieser Studie und ihren Einschränkungen das statische Gleichgewicht im Einbeinstand nicht und birgt somit bezüglich dieses Risikofaktors keine erhöhte Verletzungsgefahr für das Sprunggelenk. Rückschlüsse auf die Beeinflussung anderer Risikofaktoren für Sprunggelenksverletzungen können aus dieser Studie nicht gezogen werden und bedürfen eigenständiger Untersuchungen.

Abstract

Aim: The ankle is one of the most often injured joints. About it, poor balance which for example was identified on the basis of an increased sway of the centre of pressure (CoP) while it was measured with force plates is said to be an important risk factor. In the treatment of acute distorsion, ice is recommended after the trauma and in rehabilitation ice is supposed to further the beginning of active exercise and its progression. In practice it can happen that sportsmen are sent back to training or competition directly after cryotherapy. Although the question is controversially discussed, if physical activities can be re-established without danger or if an increased susceptibility to injury exists after ice application. This investigation takes up the problems if ice application at the ankle disturbs static balance so that an enlarged risk of injury could result. Method: In a prospective, controlled crossover study the body sway of 31 healthy subjects (19 women and 12 men, 31 ± 5 years old with a body height of 1.72 ± 0.1m and a body weight of 68.13 ± 11.96 kg) before and after a ten minutes ice application at the ankle (ice) or rather before and after a ten minutes rest without any treatment (con) were analysed. The measurements took place during a 30 seconds single leg stance on a PDM multifunction force plate. The sequence, whether the investigation should first been performed with or without ice application, was allocated randomly. Results and Conclusion: Within the bounds of this study and its restrictions a ten minutes ice application of the ankle did not disturb the static balance in single leg stance and does not hold any enlarged susceptibility to injury with regard to this risk factor. Conclusions about the effect on other risk factors for ankle injury can not be drawn from this study and require independent investigations.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. Carsten O. Tibesku

Orthopädisch-chirurgische Gemeinschaftspraxis Straubing

Bahnhofplatz 8

94315 Straubing

Email: carsten@tibesku.de