Intensivmedizin up2date 2007; 3(2): 145-160
DOI: 10.1055/s-2007-966331
Notfallmedizin

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Erstversorgung Schwerbrandverletzter

Oliver  Kloeters, Günter  Germann
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
05. Juni 2007 (online)

Kernaussagen

Verbrennungen entstehen durch die Einwirkung von Hitze auf die Haut (z. B. offenes Feuer, heiße Flüssigkeit, Strom, chemische oder physikalische Einflüssen). Zur Einschätzung der Überlebenswahrscheinlichkeit eines Schwerverbrannten wird der ABSI-Score verwendet, der zahlreiche Parameter berücksichtigt: VKOF, Grad der Verbrennung, Geschlecht, Alter, Inhalationstrauma und schwere Vorerkrankungen.

Verbrennungen können hinsichtlich der verbrannten Körperoberfläche in Prozent als auch nach der Verbrennungstiefe eingeteilt werden. Eine sichere Einschätzung der Verbrennungstiefe ist erst um den 4. Tag möglich. Präklinisch kann eine zügig eingeleite Kühlung verbrannter Areale unter fließendem kühlem (15 - 20 °C) Wasser analgetisch wirken und ein „Abtiefen” der Verbrennung reduzieren oder verhindern. Bei Verbrennungen von über 30 % KOF steht allerdings der Wärmeerhalt im Vordergrund.

Der Volumenbedarf eines Verbrennungspatienten wird an unserer Klinik nach einer Modifikation der Parkland-Formel berechnet, der „ Ludwigshafener Formel”. Bei großflächigen Verbrennungen, Elektrounfällen und vorbestehendem Inhalationstrauma kann der Volumenbedarf allerdings deutlich über dem errechneten Wert liegen.

Bei Brandunfällen in geschlossenen Räumen muss immer an ein Inhalationstrauma gedacht werden. Diagnostisch beweisend ist die Bronchoskopie bei Klinikaufnahme und im Intervall. Hierbei findet man typische Schädigungen der Schleimhaut.

Zirkulär einschnürende Verbrennungen höheren Grades an Extremitäten oder Thorax bedürfen notfallmäßiger Entlastungsschnitte im Dermisniveau (Escharotomie). Angestrebt wird eine frühzeitige Nekrektomie, wodurch eine wesentliche Quelle intensivmedizinischer Komplikationen beseitigt wird. Gedeckt werden die Defekte meist mit „mesh graft” aus autologer Spalthaut oder bei großflächig verbrannten Patienten mit alternativen Verfahren (MEEK, kultivierte Keratinozyten, temporäre allogene Transplantate).

Trotz großer Fortschritte auf immunologischer und molekularbiologischer Ebene ist der große therapeutische Durchbruch bislang ausgeblieben, weshalb die Prognose Schwerbrandverletzter nach wie vor als unbefriedigend zu bewerten ist.

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Oliver Kloeters

Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie
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