Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2007; 2(2): 125-140
DOI: 10.1055/s-2007-966423
Pädiatrische Orthopädie und Unfallchirurgie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Morbus Scheuermann

R.  Kayser1 , U.  Weber1
  • 1Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin - Zentrum für spezielle Chirurgie des Bewegungsapparates, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
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Publication Date:
24 April 2007 (online)

Der Morbus Scheuermann (Synonyme: Scheuermann's disease, Adoleszentenkyphose, Osteochondrosis vertebralis, juvenile osteochondrotische Kyphose, idiopathische Kyphose) ist eine häufige Erkrankung des Jugendlichen mit der Ausbildung einer strukturellen Kyphose. Diese Kyphose führt in einer Vielzahl der Fälle, jedoch keineswegs immer, zu klinischen Symptomen, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Die Ätiopathogenese der Erkrankung ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die Veränderungen treten typischerweise im Bereich der Brustwirbelsäule (Morbus Scheuermann Typ I), seltener im Bereich der Lendenwirbelsäule und des thorakolumbalen Überganges (Morbus Scheuermann Typ II) auf und führen zur charakteristischen rigiden Kyphose des späten Kindesalters. Klinisch werden die Jugendlichen vor allem durch den progredienten Rundrücken auffällig. Mit zunehmendem Krankheitsverlauf können Rückenschmerzen hinzutreten, die sowohl den betroffenen Bereich der Wirbelsäule als auch kompensatorisch veränderte Areale betreffen. Die Diagnosestellung erfolgt klinisch, in späteren Stadien radiologisch.
Die Prognose der Erkrankung ist gut. Die klinische Symptomatik hängt aber wesentlich vom Ausmaß der Deformität ab. Bewegungseinschränkungen der betroffenen Wirbelsäule mit der Möglichkeit der anterioren Verknöcherung und kompensatorische Hyperlordosen der benachbarten Wirbelsäulenabschnitte mit entsprechenden Funktionsstörungen sind möglich. Die Entwicklung von neurologischen Defiziten ist extrem selten. Bei einem Ausmaß der Kyphose von mehr als 100° können kardiopulmonale Störungen (thorakaler Typ) auftreten. Kombinationen mit Skoliosen oder Spondylolysen sind häufig. Behandlungskonsequenzen ergeben sich aus diesen Entitäten zumeist nicht. Absolute Behandlungsindikationen sind neurologische Defizite. Als relative Indikation zur Therapie gelten die Progredienz der Deformität und Schmerzen. Es stehen konservative und operative Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die konservativen Verfahren gliedern sich in antiinflammatorische Medikation, krankengymnastische Maßnahmen und aufrichtende Korsettversorgungen. Operative Maßnahmen sind selten notwendig und können - je nach Alter und Ausmaß der Deformität - als dorsale Fusionen in situ oder als kombinierte ventrodorsale Korrekturspondylodesen durchgeführt werden. Je nach Verfahren werden Korrekturen von 20 - 40° erreicht. Die operative Aufrichtung von fixierten Scheuermann-Kyphosen ist mit erheblichen Risiken verbunden und sollte speziellen Zentren vorbehalten bleiben. Komplikationen wie neurologische Defizite bis hin zur Querschnittlähmung, gastrointestinale Obstruktionen, materialassoziierte Komplikationen, Progredienz der Deformität oder persistierende Rückenschmerzen sind möglich.

Literatur

Priv. Doz. Dr. med. R. Kayser

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Zentrum für Spezielle Chirurgie des Bewegungsapparates
Klinik für Orthopädie und Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

Phone: 030/8445-4073

Fax: 030/8445-4464

Email: ralph.kayser@charite.de

Prof. Dr. med. U. Weber

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Zentrum für Spezielle Chirurgie des Bewegungsapparates
Klinik für Orthopädie

Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

Phone: 030/8445-3076

Fax: 030/8445-4545

Email: ulrich.weber@charite.de