Gastroenterologie up2date 2007; 3(2): 97-112
DOI: 10.1055/s-2007-966476
Darm/Anorektum

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ileus

Katharina  Holzer, Wolf  Otto  Bechstein
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. Juli 2007 (online)

Kernaussagen

Pathophysiologie

  • Während beim hohen Dünndarmileus massive Flüssigkeitsverluste und Elektrolytentgleisung im Vordergrund stehen, kommt es beim tiefen Dünndarmileus zu einer qualitativen und quantitativen Veränderung der bakteriellen Besiedlung. Bakterielle Spaltprodukte und proinflammatorische Mediatoren verändern die Mukosabarriere und führen zur Translokation von Bakterien, woraus sich letztendlich ein Multiorganversagen entwickeln kann.

  • Beim Dickdarmileus haben die hohen intraluminalen Drücke eine Darmdistension zur Folge, die Mikrozirkulationsstörungen der Dickdarmwand und Gewebehypoxie des Dickdarms mit konsekutiver Zerstörung der Mukosaintegrität bedingt.

Klinik und Diagnostik

  • Die Ileussymptomatik umfasst krampfartige abdominelle Schmerzen, rezidivierendes Erbrechen, Meteorismus, Stuhl- und Windverhalt, Tachykardie, Hypotension und Oligurie, wobei die einzelnen Symptome je nach Lokalisation des Hindernisses beim mechanischen Ileus mehr oder weniger stark ausgeprägt sind.

  • Es ist entscheidend, Patienten mit einem Strangulationsileus bereits bei der klinischen Untersuchung herauszufiltern, da es bei ihnen schon im frühen Verlauf zu Durchblutungsstörungen des Darmes kommt und daher die sofortige Notfalloperation erforderlich ist.

  • Das CT-Abdomen mit intravenösem und oralem wasserlöslichem Kontrastmittel gewinnt in der Diagnostik des Ileus an Stellenwert, da es die Festlegung der Ätiologie und die Lokalisation der Obstruktion verbessert. Darüber hinaus führt die Gabe von oralem unverdünntem wasserlöslichem Kontrastmittel bei einem kompensierten Dünndarmileus häufig zu einer Lösung des Ileus.

Therapie

  • Bei einem kompensierten Ileus (kein Strangulationsileus, kein akutes Abdomen) ist ein konservativer Therapieversuch mit engmaschiger klinischer Reevaluation durch einen erfahrenen Chirurgen indiziert.

  • Häufigste operative Maßnahme beim mechanischen Dünndarmileus ist die Bridenlösung bzw. komplette Adhäsiolyse eines Darmpaketes. Bei richtiger Indikationsstellung kann auch die Laparoskopie beim mechanischen Ileus erfolgreich zum Einsatz kommen.

Literatur

PD Dr. med. Katharina Holzer

Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Frankfurt/Main

Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt/Main

eMail: Katharina.Holzer@kgu.de

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