Gastroenterologie up2date 2007; 3(2): 88-90
DOI: 10.1055/s-2007-966496
Klinisch-pathologische Konferenz

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Juvenile Polyposis des Magens

Hendrik  Bläker
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. Juli 2007 (online)

Einleitung

Das Juvenile-Polyposis-Syndrom (JPS) ist eine seltene, autosomal dominante Erkrankung. Ihre Inzidenz wird mit 1 : 100 000 angegeben [1]. Das Syndrom der juvenilen Polyposis zählt wie auch das Peutz-Jeghers-Syndrom zu den sog. hamartomatösen Polypensyndromen (Hamartom = griechisch: Fehler). Hamartomatöse Polypen sind durch ein „Zuviel vom Richtigen” gekennzeichnet.

Histologie und Karzinomrisiko

Dysplastische Veränderungen, wie sie diagnostisch für adenomatöse Polypen sind, finden sich bei hamartomatösen Polypen in ihrer reinen Form nicht. Dennoch sind hamartomatöse Polyposis-Syndrome als Präkanzerosen anzusehen, so ist je nach Studie für das Juvenile-Polyposis-Syndrom ein Kolonkarzinomrisiko von 10 % bis über 50 % angegeben [2] [3]. Im Gegensatz zu den Polypen vom Peutz-Jeghers-Typ zeigen juvenile Polypen ein breites, odematös aufgelockertes und lymphoplasmazellulär infiltriertes Stützgewebe, in das zystisch erweiterte, schleimgefüllte Krypten eingebettet sind. Dies hat auch zu der Bezeichnung „Retentionspolyp” geführt [4]. Juvenile Polypen können bei JPS grundsätzlich in allen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts auftreten, häufigste Lokalisation ist jedoch das Kolon.

Genetik

Mutationen. Erstmalig ist es 1998 gelungen, eine der genetischen Ursachen des JPS zu identifizieren [5]. Keimbahnmutationen im SMAD4-Gen, das aufgrund seiner Bedeutung für die Entstehung sporadischer Pankreaskarzinome auch als „deleted in pancreatic carcinoma gene” (DPC4) bezeichnet wird, fanden sich bei etwa 20 % der untersuchten JPS-Patienten. In weiteren 20 % der Fälle lassen sich Mutationen im „bone morphogenic receptor 1A gene” (BMPR1A) nachweisen [6]. Sowohl SMAD4 als auch BMPR1A sind Mediatoren des Transforming-Growth-Factor-β-Signalwegs. Die Suche nach weiteren Genmutationen in Mediatorgenen dieses Signalwegs beim JPS verlief bisher ergebnislos, so dass weiterhin etwa die Hälfte der JPS-Fälle in ihrer genetischen Ursache ungeklärt bleibt.

Phänotypvarianten. In Abhängigkeit vom Genotyp finden sich beim JPS unterschiedliche Phänotypvarianten. Friedl et al. [7] beschrieben einen Magenbefall bei Patienten mit SMAD4, nicht jedoch bei Patienten mit BMPR1 oder unbekannter Genmutation. Ähnlich gelagert zeigt eine Studie von Handra-Luca et al. [8] das Auftreten von High-Grade-Dysplasien in SMAD4-assoziierten juvenilen Polypen, während sich bei BMPR1-assoziierten juvenilen Polypen selten Dysplasien niedrigen Grades nachweisen ließen. Nach heutigem Kenntnisstand ist somit das SMAD4-assoziierte JPS als expressivere Variante anzusehen, die wahrscheinlich auch mit einem höheren Krebsrisiko verbunden ist.

Literatur

  • 1 Burt R W, Bishop D T, Lynch H AT. et al . Risk and surveillance of individuals with heritable factors for colorectal cancer.  Bull WHO. 1993;  68 655-664
  • 2 Oberhuber G, Stolte M. Gastric polyps: an update of their pathology and biological significance.  Virchows Arch. 2000;  437 581-590
  • 3 Brosens L A, van Hattem A, Hylind L M. et al . Risk of colorectal cancer in juvenile polyposis.  Gut. 2007;  in press 1-2
  • 4 Gorlin R, Cohen H, Condon L. et al . Bannayan-Riley-Ruvalcaba-Syndrome.  Am J Med Genet. 1992;  44 307-314
  • 5 Howe J R, Roth S, Ringold J C. et al . Mutations in the SMAD4/DPC4 gene in juvenile polyposis.  Science. 1998;  280 1086-1088
  • 6 Howe J R, Bair J L, Sayed M G. et al . Germline mutations of the gene encoding bone morphogenetic protein receptor 1A in juvenile polyposis.  Nature Genet. 2001;  28 184-187
  • 7 Friedl W, Uhlhaas S, Schulmann K. et al . Juvenile polyposis: massive gastric polyposis is more common in MADH4 mutation carriers than in BMPR1A mutation carriers.  Hum Genet. 2002;  111 108-111
  • 8 Handra-Luca A, Condroyer C, de Moncuit C. et al . Vessels’ morphology in SMAD4 and BMPR1A-related juvenile polyposis.  Am J Med Genet. 2005;  138A 113-117

Hendrik Bläker

Pathologisches Institut der Universität Heidelberg

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