Kardiologie up2date 2007; 3(2): 100-106
DOI: 10.1055/s-2007-966646
Hotline - Herzrhythmusstörungen

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Was sagt das Standard-EKG zur Diagnostik supraventrikulärer Tachykardien?

Ralph  Schneider, Helmut  U.  Klein
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Publication Date:
06 July 2007 (online)

Einleitung

Bedeutung. Supraventrikuläre Tachyarrhythmien (SVT) sind häufige Herzrhythmusstörungen. An ihrer Initiierung und Aufrechterhaltung sind entweder atriales Gewebe, der AV-Knoten oder beide beteiligt. AV-Knoten-abhängige Tachykardien haben eine Prävalenz von ca. 2,25 pro 1000 [1]. Von allen SVT ist Vorhofflimmern die häufigste Herzrhythmusstörung und tritt vor allem mit zunehmendem Alter auf. Die Prävalenz liegt zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr bei 4 - 14 % [2]. Die meisten SVT treten als paroxysmale Tachykardien auf. Beim Vorhofflimmern unterscheidet man paroxysmales von persistierendem und permanentem Vorhofflimmern. Persistierendes Vorhofflimmern kann durch Medikamente oder elektrische Kardioversion terminiert werden. Das gelingt beim permanenten oder chronischen Vorhofflimmern nicht. SVT verursachen häufig Vorstellungen in der Notaufnahme oder beim Hausarzt und können erheblich zur Einschränkung der Lebensqualität sowie zur Morbidität und Mortalität beitragen.

Mechanismen. Die meisten regelmäßigen SVTs beruhen entweder auf einem Reentry-Mechanismus oder einer abnormal gesteigerten Automatizität eines Fokus. Etwa 60 % der regelmäßigen SVTs beruhen auf einem Reentry-Kreis im und um den AV-Knoten und etwa 30 % basieren auf einer zusätzlichen atrioventrikulären Leitungsbahn [3]. Atriale Tachykardien (AT) sind für etwa 10 % der Fälle verantwortlich und meist fokalen Ursprungs [4]. Diese AT zeigen meist ein „warm-up”-Phänomen mit einer Frequenzbeschleunigung nach ihrer Initiierung [5]. Nach kardiochirurgischen Eingriffen mit atrialer Inzision können um diese Narben Reentry-Tachykardien entstehen [6]. Vorhofflimmern beruht auf einer komplexen Interaktion von Mikro-Reentry-Kreisen, auslösenden Triggern und strukturellen atrialen Veränderungen [7].

Standard-EKG. Der erste und wichtigste Schritt, um Mechanismus und Entstehungsort der Tachykardie nachzuweisen, ist die genaue Analyse des Oberflächen-EKG während der Tachykardie und im Sinusrhythmus. Die Beurteilung des Oberflächen-EKG entscheidet über die Vorgehensweise bei der invasiven elektrophysiologischen Untersuchung (die mit meist mehreren Elektrodenkathetern die weitere Diagnostik ermöglicht) und ist wichtig für das therapeutische Vorgehen.

Sowohl Ruhe-EKG als auch das Tachykardie-EKG zeigen charakteristische Merkmale und Veränderungen, die jeder kennen sollte, der Patienten mit SVTs untersucht und behandelt. Nicht selten ist allein durch das Oberflächen-EKG die endgültige Diagnose zu stellen.

Die vorliegende Arbeit zeigt Algorithmen zur Beurteilung von SVT aus dem Standard-EKG und geht auf die häufigsten Formen der Tachykardien genauer ein.

Literatur

Korrespondenzadresse

Dr. Ralph Schneider

Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Im Zentrum Innere Medizin
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg

Email: Ralph.Schneider@medizin.uni-magdeburg.de