Ernährung & Medizin 2007; 22(3): 142-145
DOI: 10.1055/s-2007-981605
VFED Wissen
© Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Interpretation von Laborwerten in der Ernährungsberatung (Teil 2)

E. Linker
Further Information

Publication History

Publication Date:
30 August 2007 (online)

Blutplasma

Das Blutplasma ist eine gelbliche Flüssigkeit, die etwa 56 % der Gesamtblutmenge ausmacht.

Bestandteile des Plasmas

  • Wasser (90 %)

  • Eiweiße (7-8 %)

  • Salze

  • Substanzen, die lediglich zum Transport im Plasma enthalten sind:

    • Abbauprodukte des KH-Stoffwechsels (Glukose, Milchsäure)

    •    Fette und fettähnliche Substanzen (gelangen über die Lymphe ins Blut; Triglyceride, Cholesterine, Lecithin usw.)

    • Wirkstoffe (Hormone, Enzyme, Vitamine usw.)

    • Farbstoffe (Bilirubin, Lipochrom)

    • Reststickstoff (Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, Ammoniak, Aminosäuren).

Plasmaproteine (Tab. 1) …machen den mengenmäßig größten Teil der im Blutplasma gelösten Teilchen aus. Sie werden in der Leber synthetisiert. Die Gesamtproteinkonzentration beträgt etwa 6,5-8,0 g/dl. Die Plasmaproteine erfüllen in ihrer Gesamtheit vielfältige Aufgaben: Nährfunktion: Etwa 200 g Proteine sind im Plasma kolloidal gelöst. Sie stellen eine Proteinreserve dar, die bei Bedarf schnell verfügbar ist. Spezifische Transportfunktion: Viele kleinmolekulare Stoffe (z. B. Hormone, Arzneimittel, Farbstoffe) werden beim Transport im Blut an Plasmaproteine gebunden. Unspezifische Transportfunktion: Plasmaproteine binden einen bestimmten Anteil der Kationen, die dadurch nicht am freien Austausch zwischen Plasma und interstitiellen Flüssigkeiten teilnehmen können. Zum Beispiel Calcium: es ist zu etwa 46 % unspezifisch an das Plasmaprotein gebunden, während 54 % in diffusibler Form vorliegen. Zwischen unspezifischen und diffusibel gebundenem Calcium besteht ein Gleichgewicht, das pH-abhängig ist. Bei Alkalose ist die Calciumbindung an Eiweiß verstärkt, was zu einer Tetanie führen kann. Pufferfunktion: Alle Plasmaproteine sind an der Aufrechterhaltung eines konstanten pH-Wertes im Blut beteiligt. Kolloidosmotischer Druck: Da die Eiweißmolekühle nur in geringer Menge durch die Kapillarwände hindurchtreten können, sind sie maßgeblich für den kolloidosmotischen (onkotischen) Druck verantwortlich. Auch wenn dieser, aufgrund der geringen Menge kolloidal gelöster Proteine, nur einen geringen Wert von ca. 25 mmHg hat, ist er ausschlaggebend für die optimale Wasserverteilung zwischen dem intra- und extravasalen Raum. Blutgerinnung: Zu den Plasmaproteinen gehören wichtige Gerinnungsfaktoren (Fibrinogen). Abwehrfunktion: Antikörper. Tab. 1 Die Plasmaproteine werden nach ihrer Trennbarkeit mittels Elektrophorese in Gruppen unterteilt Referenzbereich Protein ges. 6,5-8,5 g/dl Albumine 3,0-5,3 g/dl 59-75 % Alpha-1-Globuline 0,1-0,4 g/dl 1,3-4,5 % Alpha-2-Globuline 0,5-0,9 g/dl 4,5-10 % Beta-Globuline 0,6-1,1 g/dl 6,5-13 % Gamma-Globuline 0,6-1,5 g/dl 10,5-18 % Albumine dienen in erster Linie zur Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks. Darüber hinaus dienen sie als Transportproteine für schlecht wasserlösliche Substanzen (z. B. freie Fettsäuren, Bilirubin, Arzneistoffe u. a.). Alpha-1- und Alpha-2-Globuline dienen dem Transport von z. B. Lipiden, Kupfer, Hämoglobin, Thyroxin, Vitamin B12. Beta-Globuline dienen dem Transport von Lipiden (Lipoproteinen), Eisen (Transferrin) und einiger IgM-, IgA-Globuline. Gamma-Globuline - Immunglobuline zur Abwehr. Bei den Gamma-Globulinen handelt es sich um Glykoproteine. Sie dienen der Schutz- und Abwehrfunktion und werden daher auch als Immunglobuline (Ig) bezeichnet. Sie werden nicht in der Leber synthetisiert, sondern bei Kontakt mit einem Antigen (Viren, Bakterien, Pilzen, Pollen u. a.) von den B-Lymphozyten bzw. den Plasmazellen gebildet. Die Immunglobuline lassen sich je nach ihrer Immunantwort in weitere Klassen differenzieren (IgA, IgD, IgE, IgG, IgM). Die Bestimmung der Plasmaproteine ist v. a. bei Leber- und Nierenerkrankungen von Interesse (Tab. 2). Bei Erkrankungen mit starker Leberzellschädigung (sowie bei Eiweißmangelernährung und Malabsorptionssyndrom) kommt es zu einer verminderten Proteinsynthese. Eine Nephropathie führt dagegen zu einer verstärkten Proteinausscheidung mit dem Urin, bei exsudativer Enteropathie auch über den Darm. Tab. 2 Veränderungen der Plasmaproteine geben Hinweise auf Krankheitsbilder Albumin Alpha- Beta- Gamma-Globuline Nephropathie - - + ++ - Leberzirrhose - - ++ Entzündungen - + + - = vermindert; + = vermehrt

Literatur

  • 1 Bässler K H. (Hrsg.) .Vitamin-Lexikon. 3. Aufl München; Urban & Fischer 2002.
  • 2 Bierbach E. Naturheilpraxis heute. München; Urban & Fischer 2006.
  • 3 Biesalski H K, Fürst P, Kasper H. et al. (Hrsg.) .Ernährungsmedizin. 3. Aufl Stuttgart:; Thieme 2004.
  • 4 Herold G. et al .Innere Medizin. Online-Ausgabe 2007. www.herold-innere-medizin.de. 
  • 5 Thews G, Mutschler E, Vaupel P. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. 6. Aufl Stuttgart; Wissenschaftl. Verlagsges. 2007.

Esther Linker

Diätassistentin, Diabetesassistentin DDG

Am Talacker 32a

61137 Schöneck

Email: e.linker@gmx.de

    >