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DOI: 10.1055/s-2007-988144
Prospektive kontrollierte Studie über Blutungsursachen bei Angiodysplasien
Hintergrund: Im höheren Lebensalter entstehen Angiodysplasien (AD) in der Mukosa des Gastrointestinaltraktes, die zur Ursache von Blutungen werden können. In dieser Studie vergleichen wir systematisch hämostaseologische und klinische Parameter von Patienten mit und ohne Blutungen aus AD.
Patienten und Methoden: 80 Patienten (42 Frauen, med. Alter 70) mit nachgewiesenen AD, davon 60 Pat. mit und 20 ohne Blutungsanamnese wurden in die Studie eingeschlossen. Andere Blutungsursachen wurden bei allen blutenden Pat. durch ÖGD, Ileokoloskopie und Kapsel-Endoskopie ausgeschlossen. Die Thrombozytenfunktion wurde in vitro mithilfe der Verschlusszeit in einem Vollblut-Test – aktiviert durch Kollagen/Epinephrin bzw. Kollagen/ADP – gemessen (Platelet Function Analyser, PFA). Ferner wurden Quick, aPTT, Thrombinzeit, Faktor XIII, Faktor VIII:C sowie von Willebrand Faktor (Ristocetin-Cofaktor-Aktivität und vWF-Ag) bestimmt.
Ergebnis: Im Median wurden 3 AD mit einem Durchmesser von 2–4mm diagnostiziert. Die AD waren zu 47% im oberen Dünndarm, zu 27% im Kolon, zu 13% im Magen, zu 7% im mittleren und zu 4% im unteren Dünndarm lokalisiert. Die blutenden Pat. hatten eine med. Blutungsanamnese von 1,6 a und einen med. Bedarf an 3 Erythrozytenkonzentraten. Pat. mit blutenden AD unterschieden sich von Pat. mit asymptomatischen AD signifikant in folgenden Faktoren: med. Alter (72 vs. 62, p=0,002), mittlerer min. Hb (7,8 vs. 12,3mg/dl, p<0,001) und Thrombozytenfunktion gemessen im PFA, aktiviert durch Koll./Epi. (207 vs. 151, p=0,008, nor.<165s). Andere Gerinnungsparameter unterschieden sich nicht signifikant. 50% der blutenden und 20% der nicht blutenden Pat. gaben eine regelmäßige Einnahme von ASS an. Kein signifikanter Unterschied ergab sich in Bezug auf die Einnahme von Phenprocumon oder Clopidogrel.
Zusammenfassung: Die durch die Studie erlangte Erkenntnis, dass nahezu die Hälfte aller AD im oberen Dünndarm lokalisiert sind, rechtfertigt eine frühe Push-Enteroskopie oder perorale Doppelballon-Endoskopie bei der Blutungssuche. Einen signifikanten Risikofaktor für Blutungen aus AD stellt die Einnahme von ASS dar. Ein Defekt des von Willebrand Faktors konnte als weiterer Risikofaktor nicht belegt werden, ist aber Gegenstand weiterer Untersuchungen (Multimerenanalyse).