Dtsch Med Wochenschr 2007; 132(49): 2637-2642
DOI: 10.1055/s-2007-993112
Übersicht | Review article
Qualitätskontrolle
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Offenlegen oder nicht? Chancen und Risiken der Veröffentlichung von medizinischen Qualitätsvergleichen

To disclose or not to disclose? Chances and risks of public reporting of medical quality informationD. L. B. Schwappach1 , 2 , H-J. Schubert 2
  • 1Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF
  • 2Universität Witten-Herdecke
Further Information

Publication History

eingereicht: 6.3.2007

akzeptiert: 9.8.2007

Publication Date:
29 November 2007 (online)

Zusammenfassung

Wie in anderen Ländern wird auch in Deutschland zunehmend diskutiert, ob die Ergebnisse systematischer Qualitätsmessungen in Qualitätsvergleichen veröffentlicht und damit der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Mit einem solchen offenen Vergleich von Qualitätsdaten sind hohe positive Erwartungen verbunden. Patienten und Zuweiser könnten sich über die Versorgungsqualität der Leistungsanbieter informieren und Anbieter mit hoher Qualität auswählen. Dies würde zu Verschiebungen in Leistungsmengen zwischen Krankenhäusern und langfristig zu einem Qualitätswettbewerb führen.

Eine Analyse der vorliegenden empirischen Untersuchungen ergibt jedoch ein sehr gemischtes, und zum Teil paradoxes Bild der Wirkungen von öffentlichen Qualitätsvergleichen: Während die „allgemeine Öffentlichkeit” ebenso wie Patienten zunehmend Einsicht in Qualitätsdaten fordern, werden publizierte Informationen bisher jedoch kaum verstanden und noch seltener genutzt. Leistungsanbieter hingegen reagieren vielschichtig auf dokumentierte Qualitätsdaten. Hier scheinen veröffentlichte Qualitätsvergleiche einerseits neue Bemühungen um Qualitätsverbesserungen zu initiieren. Gleichzeitig müssen zum Teil massive Selektionseffekte und wachsende Unterschiede in der Qualität der Versorgung zwischen sozialen Gruppen befürchtet und als Risiko für das Gesamtsystem erkannt werden. Dennoch mag die Offenlegung in der derzeitigen Situation wichtig sein, um Vertrauen zwischen Krankenhäusern und der Bevölkerung und eine Atmosphäre der Offenheit und Verantwortlichkeit herzustellen.

Literatur

Prof. Dr. David Schwappach

Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF

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Fax: 0041/44448-1170

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