Radiologie up2date 2008; 8(1): 55-67
DOI: 10.1055/s-2007-995498
Pulmonale und kardiovaskuläre Radiologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

CT-Diagnostik der koronaren Herzkrankheit

Teil I: Indikation, Durchführung und Normalbefundung der CT-KoronarographieCT diagnostic of coronary heart diseasePart I: indication, execution and normal findings of CT coronarygraphyC.  Becker
Further Information

Publication History

Publication Date:
07 March 2008 (online)

Zusammenfassung

Wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle Anwendung der CT-Angiographie (CTA) der Koronargefäße ist die adäquate Selektion von Patienten. Die Stärke der CTA liegt in der Ausschlussdiagnostik einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Daher ist der Einsatz bei Patienten mit atypischen Beschwerden oder unklarem Ischämietest, bei bisher noch nicht bekannter KHK, sinnvoll. Auch Patienten mit akutem Thoraxschmerz ohne EKG-Veränderungen oder erhöhten Enzymmarkern profitieren von einer schnellen und meist klaren Entscheidungshilfe durch die CTA. Durch die Einführung besonders schneller CT-Geräte ist die Untersuchung von Patienten mit Arrhythmien möglich geworden. Sie dient neben dem Ausschluss einer KHK vor medikamentöser Therapie auch der Interventionsplanung vor Radiofrequenzablation. Eine Koronaranomalie kann mit der CTA gut dargestellt oder ausgeschlossen werden. Wenig sinnvoll erscheint dagegen die Untersuchung von Patienten mit koronaren Stents oder Bypassgefäßen. Bei diesen Patienten ist die Situation der Koronargefäße meist so komplex, dass die Fragestellung nur selten vollständig mit der CTA beantwortet werden kann. In Hinblick auf die Strahlenexposition sollte die Indikation bei jüngeren Frauen und Kindern besonders streng gestellt werden.

Abstract

Selecting the appropriate patients is an essential prerequisite for a reasonable investigation of the heart by CT angiography. The strength of CT angiography is its reliability to rule out coronary artery disease. CTA may be indicated in patients with atypical chest pain or equivocal stress test, in whom coronary artery disease has not yet been established. In addition patients with acute chest pain, negative ECG and cardiac encymes benefit for the commonly rapid and unambiguous triaging by CTA. Since the introduction of ultra-fast CT scanners investigation of patients with arrhythmia has become an important indication. The suspicion of a coronary anomaly can easily be rule in or out by CT. However, CTA might not deliver relevant information in patients with stents or bypass grafts. In these patients the extent of their disease often is so complex, that CTA frequently is unable to answer the clinical question. In the face of radiation exposure, the CTA of young female and children is only justified in rare cases.

Kernaussagen

Indikationsstellung zur CT-Angiographie der Koronargefäße

Die CTA des Herzens ist besonders geeignet für Patienten mit unklaren Thoraxschmerzen und unklarem Belastungstest. Für eine Vorsorgeuntersuchung ist die CT-Angiographie des Herzens wegen der vergleichsweise hohen Strahlenexposition und dem damit verbundenen ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis ungeeignet. Die Untersuchung junger Frauen und Kinder ist nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses zulässig. Auch bei Patienten mit Stents und Bypassgefäßen wird in der Regel keine zielführende Diagnostik mit der CTA möglich sein.

Strahlenexposition der koronaren CT-Angiographie

Beim retrospektiven EKG-Gating wird ein kleiner Pitch verwendet, was beim Mehrzeilen-CT zu einer vergleichsweisen hohen Strahlenexposition führt. Daher ist eine sorgfältige Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses vor der Durchführung einer CT-Angiographie der Koronargefäße notwendig. Grob geschätzt kann für jeden Scanzentimeter eine Dosis von 1 mSv angesetzt werden. Zum Teil kann die Dosis auch noch erheblich höher sein.

Patientenvorbereitung und Untersuchungsdurchführung

Für beste Scanergebnisse ist je nach CT-Gerät die Reduktion der Herzfrequenz mit Betablockern und die Gabe von Nitroglycerin erforderlich. Für die Kontrastmittelapplikation haben sich Zwei-Kolben-Pumpen und hochkonzentriertes Kontrastmittel, das vor der Applikation auf Körpertemperatur angewärmt wird, als vorteilhaft herausgestellt. Eine gezielte Kontrastmittelgabe für ein selektives Enhancement des Blutes im linken Ventrikel reduziert die notwendige Menge an Kontrastmittel und entlastet damit die Nieren.

Primäre Befundung einer koronaren CT-Angiographie

Die Befundung beginnt mit der Identifizierung der Koronarsegmente, der Analyse des Versorgungstyps und dem Ausschluss von Koronaranomalien. Nicht vergessen werden sollte auch die Beurteilung von Myokard, Klappen und des umliegenden Lungenparenchyms.

Literatur

Dr. med. Christoph Becker

Institut für Klinische Radiologie

Klinikum der Universität München - Standort Großhadern

Marchioninistr. 15

81377 München

Phone: 089/7095-3620

Fax: 089/7095-8832

Email: [email protected]