Gastroenterologie up2date 2008; 4(2): 139-152
DOI: 10.1055/s-2007-995757
Darm/Anorektum

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Differenzialdiagnose und Therapie von Divertikulose und Divertikulitis

Wolfgang  Kruis, Gerhard  F.  Müller, Stephan  Böhm, Ludger  Leifeld
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
16. Juni 2008 (online)

Kernaussagen

Definitionen

  • Kolondivertikel sind in der Regel Pseudodivertikel, d. h. Ausstülpungen der Schleimhaut durch Muskellücken.

  • Bei der „Divertikulose” handelt es sich um das asymptomatische Vorhandensein von Kolondivertikel, bei der „Divertikelkrankheit” um eine Divertikulose mit Beschwerden und bei einer „Divertikulitis” um eine Divertikelkrankheit, die mit einer Entzündung einhergeht.

Diagnostik und Schwereeinteilung

  • Da Divertikel sehr häufig sind, sollten im Rahmen der Diagnosestellung mittels Schnittbildverfahren und/oder einer kompletten Ileokoloskopie auch stets andere Erkrankungen im Sinne von Komorbiditäten oder Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden.

  • Besonders wünschenswert wäre eine allgemein akzeptierte Standardisierung der Divertikulitisbeschreibung bei der initialen Diagnose, z. B. in Form eines Scores.

Prävention und Therapie

  • Die primäre und sekundäre Prävention der Divertikelerkrankung beinhaltet hohe Ballaststoffaufnahme und körperliche Aktivität sowie das Meiden von fettreicher, viel rotes Muskelfleisch enthaltender Nahrung, eines hohen BMI, von Nikotin, NSAR und Paracetamol.

  • Es muss unterschieden werden zwischen der Therapie der unkomplizierten akuten Divertikelerkrankung, der Behandlung der komplizierten akuten Divertikelkrankheit (Perforationen, Fisteln, Blutungen, Abszesse) und dem Vorgehen bei der rekurrierenden (chronischen) Divertikulitis.

  • Patienten mit leichten Formen einer unkomplizierten Divertikulitis erhalten ambulant leichte Kost, Analgetika/Spasmolytika und 5-Aminosalizylate, während schwere Formen der Nulldiät, parenteraler Ernährung und parenteraler Breitbandantibiose bedürfen.

  • Perforationen und Fisteln sind Operationsindikationen. Vor Operation einer Divertikelblutung sollten Diagnose und Lokalisation mittels Koloskopie und/oder Angiografie gesichert werden. Kleinere Abszesse können konservativ, größere sollten nach einer Drainage operativ behandelt werden.

  • Bei rekurrierender Divertikulitis sind der Nachweis von Strukturveränderungen sowie spezifische Risikofaktoren ausschlaggebender für die Operationsindikation als die Anzahl der Rezidive. Die konservative Therapie leichter Formen umfasst die zyklische Gabe von Antibiotika, Diät, 5-Aminosalizylate und evtl. E. coli Nissle.

Literatur

Prof. Dr. Wolfgang Kruis

Evangelisches Krankenhaus Kalk

Buchforststraße 2

51103 Köln

eMail: Kruis@evkk.de

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