Geburtshilfe Frauenheilkd 1989; 49(11): 963-968
DOI: 10.1055/s-2008-1036847
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die diagnostische In-vitro-Fertilisation (IVF)

Diagnostic In-Vitro Fertilisation (IVF)B. Hinney, W. Kuhn, H. W. Michelmann
  • Frauenklinik der Universität Göttingen, Arbeitsgruppe Reproduktionsmedizin, Göttingen
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Publication Date:
18 March 2008 (online)

Zusammenfassung

Trotz sorgfältiger Diagnostik gibt es in jeder Sterilitätssprechstunde Paare, bei denen sich keine eindeutigen Sterilitätsursachen nachweisen lassen, bzw. Paare, bei denen die eingeschränkten andrologischen Voraussetzungen die Frage offenlassen, ob eine Behandlung zum Erfolg führen kann. Zur Vermeidung langjähriger frustraner Therapien sollten möglichst schnell diejenigen Paare erkannt werden, bei denen jegliche Sterilitätsbehandlung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zum Erfolg führen wird. Eine Möglichkeit dazu bietet die diagnostische In-vitro-Fertilisation (IVF), da sie Aufschluß darüber gibt, ob es überhaupt zu einer Befruchtung beim Zusammentreffen von Ei-und Samenzelle kommt. In einer einjährigen Studie wurde an 57 Paaren (Gruppe I) wegen tubarer Sterilität die IVF durchgeführt. Parallel dazu erfolgte bei 28 Paaren, deren Sterilitätsursache unbekannt war, bzw. bei denen grenzwertige andrologische Befunde vorlagen (Gruppe II), eine diagnostische IVF. Die Eizellgewinnungsrate war mit 4,3 bzw. 4,2 Eizellen pro Punktion in beiden Gruppen gleich. DieFertilisations- und Teilungsraten waren dagegen in der Gruppe mit tubarer Sterilität signifikant höher als in der Gruppe mit diagnostischer IVF (Fertilisationsrate: 63,1% vs 46,1%; Teilungsrate: 57,5% vs 40,6%). Somit lag auch die Transferrate in Gruppe I mit 85,6% deutlich über derjenigen in Gruppe II (68,9%). Andererseits war jedoch die Schwangerschaftsrate nach Embryotransfer bei Patientinnen mit diagnostischer IVF doppelt so hoch wie bei Patientinnen mit tubarer Sterilität (38,7% vs 15,7%). Wenn bei mindestens zwei Versuchen mit diagnostischer IVF keine Fertilisation der Eizellen beobachtet wird, dürften auch psychosomatische Behandlungsversuche erfolglos sein. Eine erfolgreiche Fertilisation eröffnet dagegen die Möglichkeit zu weiteren Inseminationsbehandlungen, u.U. auch zu einer begleitenden Psychotherapie. Das vorgestellte Schema dient zur Klassifizierung ungeklärt steriler Paare und hilft somit, langjährige vergebliche Behandlungen zu vermeiden.

Abstract

Unexplained sterility is one of the major Problems in the treatment of childless couples. The reason for sterility can be the result of different factors such as andrological or anatomic-physiological dysfunctions. The therapeutic approach to treat patients with unexplained sterility at the Department of Obstetrics and Gynecology, University of Goettingen, is, to exelude those patients from further therapies who obviously have no chance to become pregnant by any technique of reproduktive medicine. A so called „diagnostical IVF“ gives Information about the fertilization capacity of male and female gametes in vitro. The results of a one year study with 85 couples (tubal sterility = 57; idiopathic sterility = 28) indicated, that even with no differences in the number of oocytes retrieved, the fertilization and cleavage rates were significantly higher in the group of patients with tubal sterility (fertilization rate: 63.1% vs 46.1%; cleavage rate: 57.5%vs 40.6%).Thus the transfer rate in patients with unexplained sterility was about 15% lower (68.9%) than in patients with tubal sterility (85.6%). On the other hand, after embryo transfer the pregnancy rate was double in those patients with unexplained sterility (38.7 vs 15.7%). If there is no fertilization of the oocytes in at least two IVF cycles all attempts to fulfill the patients desire for a child seem useless. In contrast successiül in vitro fertilization provide the bases for further intrauterine Insemination cycles which can be assisted by psychotherapy. This regimen seems helpful to classify patients with unexlained sterility and avoids long lasting frustrating therapies.