Fortschr Röntgenstr 2008; 180(4): 283
DOI: 10.1055/s-2008-1077144
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Mammakarzinom - Unterschiede in CAD und menschlicher Zweitbefundung?

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Publication Date:
24 April 2008 (online)

 

Die Prävalenz von Brustkrebs liegt bei bis zu 20 Fällen pro 1000 Frauen. Eine durchschnittliche Detektionsrate mit 3 bis 8 Fällen pro 1000 Frauen bietet noch Potenzial für Verbesserungen. Inwieweit sich CAD (Computer-aided Detection) und Zweitbefundung durch einen Radiologen bei der Reduktion falsch negativer Befunde des Erstbefunders unterscheiden, untersuchten nun Georgian-Smith et al. AJR Am J Roentgenol 2007; 189: 1135-1141

Im Rahmen eines Screening-Programms wurden 6381 konsekutive Mammografien von einem Erstbefunder interpretiert. Derselbe Radiologe begutachtete die Fälle ein weiteres Mal unter Anwendung eines CAD-Systems. Ein zweiter Radiologe wurde in Kenntnis des Erstbefundes, aber ohne Wissen um das Ergebnis der CAD, um eine zweite Befundung gebeten.

2 primär unentdeckte Karzinome wurden vom zweiten Begutachter als positiv bewertet. Trotz einer Markierung dieser beiden Befunde durch das CAD-System wurden sie vom Erstbefunder übersehen. Aufgrund der kleinen Fallzahl konnten zwischen CAD und zweitem menschlichen Befunder keine signifikanten Unterschiede aufgezeigt werden. Beide erhöhten die Wiedereinbestellungsrate um 6,4 bzw. 7,2%, die Biopsierate um 10 respektive 14,7%. Der positive Vorhersagewert lag bei 0% (0/3) für das CAD-System und 40% (2/5) für den zweiten Radiologen. Die relative Erhöhung der Krebserkennungsrate verglichen mit dem Erstbefunder betrug 0% bei der CAD und 15,4% (2/13) für den menschlichen Zweitbefunder.

Trotz Identifikation durch die computer-gestützte Detektion übersah der Erstbefunder in 2 Fällen ein Karzinom. Die Autoren weisen hier auf eine mögliche Beeinflussung durch die hohe Anzahl der falsch positiven Ergebnisse des Computerprogramms hin. CAD identifiziert lediglich, die Interpretation der Mammografien hängt weiterhin von der Erfahrung und des Wissenstandes des Radiologen ab. Die Variabilität der menschlichen Beurteilung zeigt sich durch die Tatsache, dass von den beiden Befundern unterschiedliche Patienten wieder einbestellt wurden.