Fortschr Röntgenstr 2008; 180(4): 288
DOI: 10.1055/s-2008-1077148
Brennpunkt

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kosten-Nutzen-Analyse in der Neurochirurgie - Überzeugt intraoperatives MRT?

Further Information

Publication History

Publication Date:
24 April 2008 (online)

 

Lewin et al. evaluierten den Einsatz intraoperativer Low-field-MRT in Bezug auf Häufigkeit und Dauer der Anwendung sowie dessen Zeitaufwand. Des Weiteren fragten sich die Autoren, in wie vielen Fällen der intraoperative Einsatz zu einer Modifikation der Operation führte und für die Chirurgen von Nutzen war. AJR Am J Roentgenol 2007; 189: 1096-1103

Navigation in der Chirurgie ist eine immer wichtiger werdende Einsatzmöglichkeit für Magnetresonanztomografen (MRT). Bei 130 konsekutiven Patienten aus der Neurochirurgie und der HNO-Heilkunde analysierte die Autorengruppe Messdaten eines 0,2-Tesla-MRTs in Kombination mit einem rotierenden, kippbaren Operationstisch. Die 65 männlichen und 57 weiblichen, durchschnittlich 43,8 Jahre alten Studienteilnehmer unterzogen sich folgenden Eingriffen: 17 transsphenoidalen Hypophysenresektionen, 3 Biopsien, 3 intrakraniellen Zystenaspirationen, einer Schädelbasisresektion und insgesamt 107 Kraniotomien zum Beispiel bei Gliomen, Meningeomen oder Kraniopharyngeomen. Die intraoperativen Untersuchungen beinhalteten unter anderem Sequenzen wie "free induction with steady-state precession", T2-gewichtete "steady-state free precesion", "reverse fast imaging with steady-state free precession", FLASH, T1-gewichtetes Spin-Echo, T2-gewichtetes Turbo Spin-Echo (TSE) und TSE FLAIR. In jedem einzelnen Fall wurden folgende Punkte dokumentiert: Die Anzahl der Scan-Sessions, die Dauer der einzelnen Untersuchungen, der summierte Zeitaufwand der einzelnen Bildgebungseinheiten und der Einfluss auf den Operationsverlauf. Biopsien und Zysten-Aspirationen ausgenommen kam bei jedem Patienten die intra- oder postoperative MRT zwischen ein- und 5-mal zum Einsatz. Die einzelnen Sequenzen dauerten zwischen 1,7 s und bis zu 8 min und 31 s. Insgesamt lag die durchschnittliche Messzeit bei 35 min und 17 s pro Operation. Die Zeit der Patientenlagerung und Einstellung des Tomografen variierte zwischen 30 bis 90 s. Durch die Rotationsmöglichkeit des Operationstisches mussten Operationsmikroskop und andere größere Ausrüstungsteile nicht bewegt werden, sodass nach der Tischpositionierung sofort weiter operiert werden konnte. Die Biopsien bzw. die Zysten-Aspirationen machten durchschnittliche Scan-Zeiten von 200,67 respektive 54,66 min nötig. In 72,8% der Fälle wurden basierend auf den MR-Bildern zusätzliche Resektionen vorgenommen.

Liefert die intraoperative MRT wichtige Informationen während Operationen? Im Bild: Koronare post-Gadolinium-MRT des gesamten Körpers (Bild: Uniklinik Tübingen).