Gastroenterologie up2date 2008; 4(4): 311-320
DOI: 10.1055/s-2008-1077731
Darm/Anorektum

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Aktuelle Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa

Klaus  Herrlinger, Eduard  F.  Stange
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. Dezember 2008 (online)

Kernaussagen

Diagnostik

  • Die Endoskopie stellt die zentrale Untersuchungsmethode in der Diagnostik chronisch entzündlicher Darmerkrankungen dar. Im Rahmen der Erstdiagnostik wird eine komplette Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien durchgeführt.

  • Die Häufigkeit weiterer Endoskopien richtet sich nach dem Krankheitsverlauf. Bei Vorliegen einer ausgedehnten Colitis wird nach 8 Jahren mit der Dysplasiediagnostik begonnen, d. h. jährlich eine komplette Koloskopie mit Stufenbiopsien zur Karzinomprophylaxe durchgeführt.

  • Bei der Erstdiagnostik und bei schweren und therapierefraktären Schüben sind zum Ausschluss einer infektiösen Genese auch immer Stuhlkulturen inklusive der Untersuchung auf Clostridium-difficile-Toxin indiziert.

Therapie

  • Die distale Kolitis ist primär gut lokal mit 5-ASA-Präparaten behandelbar. Die ausgedehnte Colitis ulcerosa mit leichter bis mittlerer Aktivität sowie die Linksseitenkolitis werden kombiniert topisch und systemisch mit 5-ASA-Präparaten behandelt, bei Therapieversagen mit Steroiden.

  • Die Standardtherapie der schweren Colitis ulcerosa ist die systemische Gabe von Steroiden. Für steroidrefraktäre Patienten gibt es die drei als gleichwertig geltenden Therapieoptionen Ciclosporin plus Azathioprin, Tacrolimus plus Azathioprin und jetzt auch Infliximab.

  • Therapie der Wahl bei Steroidabhängigkeit ist Azathioprin bzw. Methotrexat bei Versagen oder Unverträglichkeit von Azathioprin.

  • Zur erforderlichen remissionserhaltenden Therapie können Sulfasalazin, 5-ASA-Präparate und E. coli Nissle eingesetzt werden.

  • Bei Vorliegen einer Pouchitis nach restaurativer Proktokolektomie sind Metronidazol, Ciprofloxacin und Budenosid-Einläufe wirksam. Probiotika helfen, die Chronifizierung zu vermeiden.

Literatur

PD Dr. med. Klaus Herrlinger

Zentrum für Innere Medizin I
Robert-Bosch Krankenhaus

Auerbachstraße 110
70376 Stuttgart

eMail: klaus.herrlinger@rbk.de

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