Fortschr Röntgenstr 2019; 191(02): 156-158
DOI: 10.1055/a-0804-7054
Beitrag des BDR
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interessante Buchempfehlungen für RadiologInnen

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Publication Date:
16 January 2019 (online)

 

Im RADIOLOGEN werden monatlich interessante Bücher von RadiologInnen für RadiologInnen besprochen. Einige dieser Rezensionen stellen wir Ihnen diesmal vor.

Fallbuch Neurologie

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R. Gerlach, A. Bickel, 2018, Georg Thieme Verlag KG, ISBN 978-3-13-241736-6, 49,99 €

Die vierte, aktualisierte und erweiterte Auflage dieses Fachbuches belegt, dass es erfolgreich seinen Platz im Markt gefunden hat. Im „Fallbuch Neurologie“ werden 100 neurologische Fälle, ein Teil wird von den Autoren selbst als anspruchsvoll und schwierig eingeschätzt, mit prägnanten anamnestischen und klinischen Angaben vorgestellt. Die Auswahl deckt das praxisrelevante Fallspektrum weitgehend ab. Der Fallvorstellung folgen auf gleicher Seite jeweils drei bis fünf konkrete fallbezogene Fragen zur neurologischen Bewertung/Diagnosefindung, zu differenzialdiagnostischen Erwägungen, zu weiterführenden diagnostischen Maßnahmen und zum therapeutischen Vorgehen. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Autoren das Primat auf die klinisch-neurologische Bewertung legen und erst daraus die gezielten Indikationen mit konkret formulierten Fragestellungen an die weiterführende Diagnostik ableiten. Dem Kapitel der Fallvorstellungen mit den Fragen, jeder Fall findet auf einer Seite Platz, folgt das Kapitel Antworten und Kommentare. Hier sind die Lösungen zu den verschiedenen fallbezogenen Fragen, fundiert begründet, dargelegt. Zusätzlich wird in den meisten Fällen durch einen Kommentar eine gelungene Übersicht über die mit dem Fall verbundene neurologische Thematik gegeben. Besonders eindrucksvoll ist die ausgiebige Heranziehung und ausgezeichnete Präsentation von paraklinischen und Bildbefunden, wie zum Beispiel aus der Radiologischen Bildgebung, sowie von anatomischen, neurophysiologischen und sogar histologischen Abbildungen. Im Kapitel Anhang werden relevante Normwerte, Referenzbereiche und Skalierungen aufgeführt. Das ausführliche Sachverzeichnis bietet zusammen mit zwei Inhaltsverzeichnissen, einmal geordnet nach Themen und einmal geordnet nach Diagnosen, eine sehr gute Möglichkeit neurologischen Fragen bzw. Stichpunkten, auch außerhalb der Fallbeschreibungen, ähnlich wie in einem Lehrbuch, nachzukommen. Eine didaktische Bereicherung erfährt das Fallbuch durch die Aufnahme in die E-Book Reihe des Thieme Verlages. Neben der analogen Buchdarstellung wird zusätzlich auf der Online-Plattform die Fallbeschreibung einschließlich der Lösungen auf einer Seite präsentiert. Durch die lebendigen und interessanten Falldarstellungen spricht dieses Buch alle Ärzte an, in deren Tätigkeit die Behandlung und/oder Diagnostik neurologischer Probleme eine Rolle spielt. Für ca. 50 Euro, incl. E-Book, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zu unterbieten. Da sich ein Großteil der neurologischen weiterführenden Diagnostik im Bereich der Radiologischen Bildgebung abspielt, wird dieses Buch allen damit befassten Radiologen und nicht nur Neuroradiologen, eine große Hilfe sein.

Fazit

Unbedingte Kaufempfehlung. Selten wird Weiterbildung in so mundgerechten und gut verdaubaren Häppchen präsentiert. Für noch Unentschlossene: nutzen Sie das „Schnupperlesen“ auf der Thieme-Online-Plattform: eRef.thieme.de

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Dr. med. Bernd Reichmuth, Berlin

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Bildgebende Verfahren in der Dermatologie

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Dermatoskopie, Konfokale Laserscanmikroskopie, Optische Kohärenztomografie, Sonografie, Stolz, Hänßle, 304 Seiten, Thieme, 1. Auflage, 2018, ISBN 978-3-13-240236-2, 149,99 €

Der Titel dieses Buches aus dem Thieme Verlag weckt das Interesse auch des radiologischen Rezensenten. Ist doch die Dermatologie, wie auch die Radiologie, ein sehr visuelles Fach. Auf knapp 300 Seiten werden die aktuell in der Dermatologie eingesetzten bildgebenden Verfahren vorgestellt. Wobei hier (bis auf die Ausnahme der Lymphknotendiagnostik im Ultraschall) nur die Bildgebung der verschiedenen Hautschichten behandelt wird. Sicher den Schwerpunkten in der dermatologischen Praxis entsprechend widmet sich ein Großteil des Buches der Dermatoskopie (oder Auflichtmikroskopie). Mit Hilfe dieses Verfahrens können auch tiefere Hautschichten beurteilt werden. Dies ist besonders wichtig zur Naevusbeurteilung bzw. der Früherkennung von malignen Hauttumoren. Hier werden, nach einer kurzen technischen Einführung und Darstellung der Bildmuster, ausführlich die Differentialdiagnose der Hauttumoren beschrieben. Hier werden für die einzelnen Entitäten der visuelle Aspekt und die Dermatoskopie gegenübergestellt. Auch für den Nicht-Dermatologen lässt sich so das zusätzliche Informationspotential der Dermatoskopie erkennen. Die Abbildungsqualität ist sehr gut und die Aufnahmen sind gut beschriftet. Den kleineren Teil des Buches nehmen dann die restlichen bildgebenden Verfahren ein. Hier werden Ultraschall, optische Kohärenztomografie, konfokale Lasermikroskopie, Multiphotonentomografie, Dermatofluoroskopie und optoakustische Bildgebung behandelt. Meines Erachtens deutlich zu knapp wird die Sonografie auf 12 Seiten abgehandelt. Die Wichtigkeit des Ultraschalls in der Lymphknotendiagnostik wird zwar hervorgehoben und mit guten Abbildungen demonstriert, jedoch fehlt bspw. eine systematische Darstellung der wichtigen Methode der Gefäßbeurteilung von Lymphknoten mit Power-Doppler. Es wird in diesem Kapitel auch auf das Staging bzw. die Verlaufskontrolle der Lymphknotenstationen mit Ultraschall bei malignem Melanom eingegangen. Da sich im Bereich der Ausbreitungsdiagnostik auch mit der neuen S3-Leitlinie Neuigkeiten ergeben (z. B. Einbeziehung des PET-CT), wäre eine Übersicht zur Einordnung des Stellenwertes der Sonografie wünschenswert. Die Möglichkeiten der optischen Kohärenztomografie werden demgegenüber ausführlich dargestellt. Wie auch bei den weiteren Verfahren zeigt sich hier die faszinierende Detailgenauigkeit der neuen bildgebenden Verfahren in der Dermatologie, von denen der Radiologe mit CT und MRT nur träumen kann. Auch hier sind die Abbildungen von hoher Qualität. Abgeschlossen wird das Buch durch ein Kapitel zum Methodenvergleich, welches auch anhand von Beispielen die Stärken und Schwächen der einzelnen Methoden noch einmal zusammenfassend aufzeigt. Besonders hervorzuheben sind die Literaturangaben am Ende der Kapitel, die zur weiterführenden Lektüre einladen. Der Preis ist mit 149,99 € bei der reichen Bildausstattung und der guten Qualität gerechtfertigt. Die Zielgruppe dieses Buches sind eindeutig Dermatologen. Wer als Radiologe eng mit der Dermatologie zusammenarbeitet, dem bietet dieses Buch einen interessanten Blick über den Tellerrand und einen Ausblick auf die technischen Möglichkeiten der Bildgebung jenseits von Röntgenstrahlen und Kernspintomografie.

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Dr. Johannes Gossner, Göttingen

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Atlas der arteriellen Variationen

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Klassifikation und Häufigkeit. Frank Wacker, Herbert Lippert, Reinhard Pabst, 214 Seiten, Thieme Verlag, 2018, ISBN 978-3-13-172961-3, 199,99 €

Eine Normvariante im Bilddatensatz, dann die Frage nach einem Eigennamen und vielleicht auch noch nach der entsprechenden Häufigkeit.

Der sogenannte Normallfall ist insbesondere im arteriellen und sicher ebenso häufig im venösen Gefäßsystem geprägt von Anlagevarianten und variablen Ausbildungen. Diese können primär oder erst in bestimmten Situationen eine klinische Bedeutung gewinnen oder das ganze Leben unentdeckt bleiben. Eine gelungene Übersicht gibt dieses Buch.

Die Kollegen haben eine systematische, übersichtliche Aufarbeitung des arteriellen Gefäßsystems vom Kopf bis zum Fuß unternommen. Sehr gelungene schematische Abbildungen sind den entsprechenden radiologischen Bildern gegenüber gestellt. Der Leser gewinnt so einen direkten Einblick in den radiologisch-anatomischen Bezug.

Jedem Kapitel ist eine Beschreibung der häufigsten bzw. normalen Gefäßversorgung vorangestellt. Es folgen die entsprechenden Varianten mit jeweiligen Angaben zur Häufigkeit und zur embryonalen Ursache. Selbstverständlich enthält jedes Kapitel ein Quellenregister.

Zielgruppe

Interventionelle Radiologen, Gefäßchirurgen und Chirurgen profitieren von einer korrekten Interpretation der dargestellten Anatomie und ihrer Varianten zur effektiven Planung und Durchführung interventioneller Therapien und Operationen. Das Buch vermittelt aber allen Radiologen und radiologisch Interessierten wichtiges Wissen über die Variabilität und Ausprägung der arteriellen Anatomie und somit einen unter Umständen wichtigen Baustein in der korrekten Zuordnung einer Pathologie oder Ätiologie.


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Fazit

Ein didaktisch und visuell gelungenes Werk zu einem nicht günstigem, aber in dieser Form nicht unüblichen Preis. Selbstverständlich ist das Buch auch digital verfügbar.

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Dr. Robert M. Ritzel, Hamburg

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Radiologische Differenzialdiagnostik Herz und große Gefäße

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Nikolaou, Kramer, Alkadhi, Kreitner, 704 Seiten, Thieme, 1. Auflage, 2018, ISBN 978-3-13-205151-5, 199,99 €

Prof. Dr. Konstantin Nikolaou, Tübingen, Prof. Dr. Ulrich Kramer, Winnenden, Prof. Dr. Hatem Alkadhi, Zürich und Prof. Dr. Karl-Heinz Kreitner, Mainz, haben zusammen mit zahlreichen weiteren namhaften, zumeist auch in der AG Herz- und Gefäßdiagnostik sehr aktiven Experten, im Dezember ein sehr umfangreiches Fachbuch der Herzbildgebung herausgegeben, welches ich in dieser Form in der deutschsprachigen Literatur bisher vermisst habe.

Das im Thieme-Verlag erschienene Buch umfasst knapp 700 Seiten und gliedert sich zunächst – größtenteils entsprechend der Anatomie – in 8 Kapitel. Es startet mit dem Kapitel „Myokard“, Kapitel 2 behandelt die Koronararterien, Kapitel 3 entsprechend die Koronarvenen. Es folgen Kapitel 4 über Herzklappen und Kapitel 5 über Endokard. Kapitel 6 weicht von der anatomischen Gliederung etwas ab und widmet sich dem komplexen Feld der kongenitalen Vitien. Kapitel 7 geht auf die herznahen Gefäße ein. Das Buch endet mit Kapitel 8 über Perikard. Die einzelnen Kapitel gliedern sich nochmals hinsichtlich der unterschiedlichen Krankheitsentitäten in zahlreiche Unterkapitel. Sehr übersichtlich ist der einheitliche Aufbau dieser Unterkapitel, welcher sich jeweils aus „Definition“, „Pathophysiologie und Ätiologie“, „Demografie“, „Klinik, Therapie und Prognose“, „Bildgebung“, „Differenzialdiagnose“ und „Literatur“ zusammensetzt. Besonders gut finde ich hierbei auch, dass am Ende eines jeden Unterkapitels zum einen die wesentlichen Differenzialdiagnosen und zum anderen die unterschiedlichen Bildgebungsmodalitäten mit ihren für das jeweilige Krankheitsbild charakteristischen Merkmalen nochmals stichwortartig, in blau hinterlegten Boxen, aufgelistet werden.

Die mehr als 1.200 qualitativ sehr hochwertigen Abbildungen sowie die zusätzlichen Videos (in der online-Plattform eRef) veranschaulichen die verschiedenen Pathologien und liefern damit wertvolle Diagnosehilfen. Über die Tatsache, dass einzelne Bilder bzw. deren Legende vertauscht sind oder in einzelnen Abbildungen die in der Beschreibung angegebenen Pfeile fehlen, kann sicherlich hinweggesehen werden (und wird vermutlich auch in weiteren Auflagen korrigiert sein).

Trotz der Beteiligung sehr vieler Autoren halten sich die inhaltlichen Überschneidungen in Grenzen, naturgemäß finden sich solche zum Beispiel in den Kapiteln „Koronararterien“ und „Myokard“, hier im Unterkapitel „Ischämische Genese“. Auch in den Unterkapiteln „Akute Myokarditis“ und „Chronische Myokarditis“ finden sich einige Redundanzen.

Allerdings kommt es bei einzelnen Autoren auch zu vermeidbaren Wiederholungen innerhalb eines Kapitels, so wird bei der Klinik zur Aortendissektion in 2 aufeinanderfolgenden Abschnitten auf die De Bakey- und Stanford-Klassifikation eingegangen.

Wahrscheinlich bedingt dadurch, dass vornehmlich Radiologen an diesem Buch gearbeitet haben, kommt es an einzelnen wenigen Stellen bezüglich der herzchirurgischen Therapie zu kleinen Ungenauigkeiten. So stellt die Ross-Operation nicht den Eigennamen für den Aortenklappenersatz generell dar, wie in dem Beitrag der Eindruck entstehen könnte, sondern ein spezielles Verfahren vorwiegend bei jüngeren Patienten, bei dem die Pulmonalklappe des Patienten in Aortenklappenposition gebracht und die Pulmonalklappe selbst durch eine Prothese ersetzt wird. Auch dass die A. radialis eher selten als Bypass-Graft verwendet wird, entspricht nicht mehr dem aktuellen „state of the art“.

Auch wenn ich insgesamt von der umfangreichen Darstellung des Buches begeistert bin, werden einzelne Punkte in meinen Augen etwas zu kurz abgehandelt. So werden zum Beispiel die Lake Louise- oder die COVADIS-Kriterien zwar erwähnt, es wird jedoch nicht näher darauf eingegangen. Außerdem hätte ich mir ein zusätzliches Kapitel über die unterschiedlichen Techniken der Bildgebung gewünscht, insbesondere ein näheres Eingehen auf die doch zum Teil sehr speziellen MR-Sequenzen mit ihren Fallstricken (etwa in der Ödembildgebung).

Fazit

Trotz der oben erwähnten kleinen Kritikpunkte halte ich dieses Buch für sehr gelungen und nicht nur für Radiologen, sondern auch für kardiologische Kollegen empfehlenswert.


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Dr. Kathrin Schmidt, Kaufbeuren



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R. Gerlach, A. Bickel, 2018, Georg Thieme Verlag KG, ISBN 978-3-13-241736-6, 49,99 €
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Dr. med. Bernd Reichmuth, Berlin
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Dermatoskopie, Konfokale Laserscanmikroskopie, Optische Kohärenztomografie, Sonografie, Stolz, Hänßle, 304 Seiten, Thieme, 1. Auflage, 2018, ISBN 978-3-13-240236-2, 149,99 €
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Dr. Johannes Gossner, Göttingen
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Klassifikation und Häufigkeit. Frank Wacker, Herbert Lippert, Reinhard Pabst, 214 Seiten, Thieme Verlag, 2018, ISBN 978-3-13-172961-3, 199,99 €
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Dr. Robert M. Ritzel, Hamburg
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Nikolaou, Kramer, Alkadhi, Kreitner, 704 Seiten, Thieme, 1. Auflage, 2018, ISBN 978-3-13-205151-5, 199,99 €