Hebamme 2019; 32(01): 4-5
DOI: 10.1055/a-0830-6732
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10 Jahre EFCNI und Welt-Frühgeborenen-Tag

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Publication Date:
25 February 2019 (online)

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Der Münchner Olympiaturm erstrahlte zum 10. Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November 2018 in der Aktionsfarbe Lila. (Foto: European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) / Hofmann-Larina Photography)

Zwei Anlässe – ein Grund zum Feiern: 2018 beging die Stiftung European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) mit einem ereignisreichen Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Ebenfalls 2018 hatte der Welt-Frühgeborenen-Tag sein rundes Jubiläum – seit 10 Jahren begehen viele internationale Organisationen, z. B. WHO und Unicef, den von der EFCNI gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen gegründeten Tag am 17. November. Weltweit erstrahlen aus diesem Anlass bekannte Gebäude wie die Budapester Kettenbrücke, das New Yorker Empire State Building oder die Niagara Fälle in lilafarbenem Licht, um ein Zeichen der Empathie und Solidarität zu setzen.

Anlässlich des 10. Welt-Frühgeborenen-Tages illuminierte die Olympiapark München GmbH am 17. November 2018 den Münchner Olympiaturm in lila Farbe. Oberbürgermeister Dieter Reiter würdigte die Aktion: „Als Familienvater kann ich die Sorgen junger Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder sehr gut nachvollziehen. Ich freue mich sehr, dass eine Münchner Stiftung auf internationaler Ebene ein solch wichtiges Thema vorantreibt und dass das höchste Münchner Wahrzeichen im wortwörtlichen Sinne ein Signal für die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft setzt.“

Ein weiterer Meilenstein anlässlich des Gründungsjubiläums war die Veröffentlichung der Europäischen Qualitätsstandards für die Versorgung von Früh- und Neugeborenen (European Standards of Care for Newborn Health) Ende November 2018 im Europäischen Parlament in Brüssel. Die Standards, die 2017 von der Initiative Deutschland – Land der Ideen als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ prämiert wurden, waren in einer einzigartigen Zusammenarbeit von rund 220 Eltern und Experten aus über 30 Ländern entwickelt worden. Ob Geburtshilfe, medizinische Behandlung oder Ernährung: Die Ergebnisse sollen als Blaupause für gesetzliche Regelungen bzw. Leitlinien dienen und mithelfen, die Chancen der Kleinsten auf ein gesundes Leben grenzübergreifend zu erhöhen. Ebenso erfolgreich war die erste eigene Fachkonferenz „Neonatologie der Zukunft – gemeinsam neue Wege gehen“, auf der die Stiftung zum Jahresende nationale und internationale Experten verschiedener Gesundheits- und Pflegeberufe an einen Tisch bringen konnte, um Herausforderungen der Neugeborenenmedizin zu beleuchten.

Der Aktionstag: 2008 rief die EFCNI den 17. November als Welt-Frühgeborenen-Tag (engl. World Prematurity Day) ins Leben, um dem Thema Frühgeburt weltweit zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Frühgeburt ist die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren [1]. Mit rund 67 000 Frühgeburten und einer Rate von fast 9 % hat Deutschland eine der höchsten Frühgeburtenraten in Europa [2]. Die EFCNI will ein Bewusstsein dafür schaffen und dadurch die Früherkennung während der Schwangerschaft verbessern, innovative medizinische Behandlungsmöglichkeiten vorantreiben und Langzeitfolgen für Kinder und deren Angehörige signifikant reduzieren. Mit der Aktion Starker Start für kleine Helden hatte die EFCNI 2016 außerdem gemeinsam mit Nestlé eine deutschsprachige Kampagne zum Welt-Frühgeborenen-Tag ins Leben gerufen, um Kliniken in Deutschland, der Schweiz und Österreich mit neonatologischer Intensivstation bei der Organisation eigener Veranstaltungen zum Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November zu unterstützen. Mehr als 170 Klinikstationen beteiligten sich im vergangenen Jahr an dieser Aktion, die 2018 zum dritten Mal stattfand.

Das Anliegen: Obwohl Frühgeborene die größte Patientengruppe in Europa darstellen, gebe es bislang keine einheitlichen Behandlungsstandards und die Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen variiere regional stark, berichtet die EFCNI anlässlich des Jubiläums. Rund 15 Millionen Säuglinge werden jedes Jahr vor der vollendeten 37. SSW geboren. Dies kann lebensbedrohlich sein und bei ca. 80 % der Kinder kommt es zu gesundheitlichen Folgeschäden.

Die Stiftung: Vor 10 Jahren gründete Silke Mader, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende und selbst betroffene Mutter, die Stiftung European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI). Sie ist die erste europaweite Organisation und das Netzwerk zur Vertretung der Interessen von Früh- und Neugeborenen sowie deren Familien. Ziel war es, das Thema Frühgeburt ins Bewusstsein von Fachpersonen und Gesellschaft zu rücken. „Als Mutter von Zwillingen, die 15 Wochen zu früh per Notkaiserschnitt zur Welt kamen, habe ich am eigenen Leib erfahren, wie unzureichend ich über Schwangerschaftskomplikationen und Frühgeburt informiert war. Auch nach der Geburt wurden mein Mann und ich überhaupt nicht in Pflegeabläufe und Behandlungsprozesse miteinbezogen“, erinnert sich Silke Mader. Durch den internationalen Austausch mit anderen Eltern- und Patientenorganisationen sei ihr Bewusstsein um die globale Brisanz dieses Themas gewachsen. Die Stiftung bringt Eltern, medizinische Fachleute verschiedener Disziplinen und Wissenschaftler mit dem gemeinsamen Ziel zusammen, langfristig die Gesundheit von Früh- und Neugeborenen zu verbessern.

Die Entwicklung und Perspektiven: Bereits zwei Jahre nach der Gründung feierten auch die weltweiten Partner der EFCNI den Aktionstag mit. Inzwischen erreichen Kampagnen und Aktionen zum Welt-Frühgeborenen-Tag in über 100 Ländern mehr als eine Milliarde Menschen und lenken die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Frühgeburt. Als weltweites Symbol für das Thema und den Welt-Frühgeborenen-Tag steht – neben der Farbe Lila – die Söckchenleine. Das kleine lila Sockenpaar (eingerahmt von neun normalgroßen Babysöckchen) symbolisiert: 1 von 10 Babys ist eine Frühgeburt. Weltweit.

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(Illustration: EFCNI)

In den vergangenen Jahren habe sich im Bereich der Neugeborenenmedizin zwar sehr viel getan, berichtet die EFCNI. Auch die Kommunikation zwischen Eltern und medizinischen Fachkräften habe sich verbessert. In der Qualität der stationären Behandlung und Nachsorgebehandlung von Frühgeborenen bestünden jedoch, selbst in Europa, immer noch eklatante Unterschiede. „Da gibt es noch viel Luft nach oben“, so Gründerin Silke Mader. Dass Frühgeborene im Gesundheitswesen keine Lobby haben, möchte die EFCNI auch weiterhin durch internationales Netzwerken mit Patientenorganisationen und medizinischen Experten sowie durch die Implementierung der neuen Qualitätsstandards für die Versorgung von Früh- und Neugeborenen ändern. Der von der Stiftung ins Leben gerufene Welt-Frühgeborenen-Tag setzt nun bereits seit 10 Jahren international ein Zeichen dafür.

Quellen:

[1] www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/children-reducing-mortality

[2] www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/947694/weltfruehgeborenentag-anzahl-fruehchen-sieht-deutschland-alt.html