Aktuelle Urol 2019; 50(05): 477
DOI: 10.1055/a-0962-6195
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Antibiotikaprophylaxe bei vesikorenalem Reflux und neue Nierenvernarbungen

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Publication Date:
29 August 2019 (online)

 

    In der RIVUR-Studie führte die Antibiotikaprophylaxe bei Kindern mit vesikorenalem Reflux zur deutlichen Senkung der Rezidivrate von Harnwegsinfekten, schützte aber nicht vor Vernarbungen der Nieren. Da in der Originalpublikation der Zusammenhang zwischen einer wiederkehrenden Harnwegsinfektion, neuer Nierenvernarbung und Antibiotikaprophylaxe im Detail nicht untersucht wurde, wollten Urologen aus Boston diesen Zusammenhang ermitteln.


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    Für ihre Untersuchung wählten sie aus den Patienten der RIVUR-Studie (Randomized intervention for children with vesicoureteral reflux ) diejenigen mit einer statischen Nierenszintigrafie mit 2,3-Dimercapto-succinsäure (DMSA) innerhalb von 6 Monaten nach Studienaufnahme und mindestens einem weiteren DMSA-Scan in der Nachbeobachtungsperiode. Das primäre Ergebnis war eine rezidivierende Harnwegsinfektion assoziiert mit neuer Narbenbildung, definiert als rezidivierende Harnwegsinfektion und neue Veränderungen im DMSA-Scan. Aufgrund der geringen Anzahl von Ereignissen wurde zur Bereinigung von Confounders auf die Propensity-Score-Methode zurückgegriffen. Untersucht wurden die Assoziationen zwischen den Kovariaten und dem Ergebnis.

    Insgesamt erfüllten 489 Patientinnen und Patienten die Einschlusskriterien, davon 244 mit Antibiotikaprophylaxe (AP) und 245 mit Plazebo. Das mittlere Alter der Studienpopulation lag bei 20,3 Monate und 91 % der Studienteilnehmer waren weiblich. Knapp die Hälfte (48 %) hatte einen vesikorenalen Reflux Grad 3 – 4. Eine renale Vernarbung zu Studienbeginn war relativ selten (3,6 %) und rezidivierende Harnwegsinfekte (rHWI) wurden in 18 % der Fälle festgestellt. Neue renale Narben (NRS) wurden in 7,5 % der Fälle gefunden (n = 37) und rHWI assoziierte NRS in 3,7 % der Fälle (n = 18). Solche rHWI assoziierten NRS traten bei 5 von 244 (2 %) Patienten mit Antibiotikaprophylaxe und 13 von 245 (5 %) mit Plazebo auf.

    Nach Anpassung an Alter, Geschlecht, Index-Harnwegsinfektion, Duplikation, Darmfunktionsstörung und Antibiotika-Prophylaxe ergab sich für Patienten mit rezidivierender Harnwegsinfektion eine höhere Wahrscheinlichkeit einer neuen Nierenvernarbung(OR 4,1, 95 % KI 2.0 – 8.5, p < 0.01). Nach Adjustierung an die Confounder, inklusive vesikorenalem Refluxgrad und Narbenbildung zu Studienbeginn, war Plazebo im Vergleich zur Antibiotikaprophylaxe mit einem höheren Risiko einer rezidivierenden Harnwegsinfektion mit neuer renalen Vernarbung assoziiert (OR 3.1, 95 % CI 1.0 – 8.8, p = 0.04). Beim finalen DMSA-Scan waren die moderaten und schweren NRS zwischen den Gruppen Antibiotikaprophylaxe und Placebo gleich verteilt. Andererseits hatte die Plazebogruppe mehr milde NRS, insbesondere mit rHWIs assoziierte, als die AP-Gruppe.

    Fazit

    Rezidivierende HWIs waren in der RIVUR-Studie mit neuen Vernarbungen der Nieren assoziiert. Wurden nur die rHWI assoziierte NRS ausgewertet, so ergab sich unter Antibiotikaprophylaxe ein geringeres Risiko. Allerdings bleibt unklar, warum sich bei einem Teil der Studienteilnehmer ohne rezidivierende Harnwegsinfektion neue Nierenvernarbungen entwickelt haben. Die Ergebnisse sollten daher aufgrund der inhärenten Limitationen der Studie sorgfältig interpretiert werden, so das Autorenteam.

    Richard Kessing, Zeiskam


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