Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(06): 375
DOI: 10.1055/a-1022-1941
Für Sie notiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Patienteneinschätzung zur physischen Funktion sagt Mortalität bei SLE voraus

Contributor(s):
Maddalena Angela
Azizoddin DR. et al.
Patient-Reported Outcomes Predict Mortality in Lupus.

Arthritis Care Res 2019;
71: 1028-1035
Further Information

Publication History

Publication Date:
05 December 2019 (online)

 

    Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) beeinflusst die Lebensqualität der betroffenen Patienten. Die Mortalität bei SLE-Patienten ist durchschnittlich 3-mal höher als bei gesunden Patienten und wird vermutlich auch von sozioökonomischen und kulturellen Faktoren beeinflusst. Azizoddin et al. untersuchten, inwieweit Patienteneinschätzungen genutzt werden können, um die Mortalität bei SLE-Patienten abzuschätzen.


    #

    Die Forscher kamen zu dem Resultat, dass die Patienteneinschätzung zur physischen Funktion als Maß für die Mortalität bei SLE-Patienten geeignet ist. Azizoddin et al. werteten für diese Studie Daten aus, die bereits im Rahmen einer vorhergegangenen Studie in Telefoninterviews erhoben wurden. Die Experten evaluierten anhand von Fragebögen den gesundheitlichen Zustand der Patienten. Hierfür nutzten sie den SF-36 (Medical Outcomes Short Form)-Fragebogen, um u. a. die physische Funktion, Körperschmerzen, die körperliche und seelische Gesundheit, Vitalität und die soziale Funktion zu erfassen. Außerdem nutzten die Experten den CES-D (Center for Epidemiologic Studies Depression Scale)-Fragebogen, um zu evaluieren, ob eine Depression bei den SLE-Patienten vorlag. Zusätzlich schätzten die Patienten ihren gesundheitlichen Zustand ein, hierfür standen 3 optionale Antworten „gut“, „mittelmäßig“, und „schlecht“ zur Wahl. Die Dauer der Erkrankung ermittelten die Wissenschaftler anhand des SLAQ (Systemic Lupus Activity Questionnaire)-Fragebogen. Außerdem erhoben die Experten Angaben zum soziodemografischen Hintergrund und zum Armutsstatus der Patienten. Todesfälle stellten die Forscher entweder zum Zeitpunkt der nächsten Kontaktaufnahme per Telefon, über nächste Angehörige oder über den nationalen Sterbeindex fest.

    Die Forscher werteten die Angaben von insgesamt 728 SLE-Patienten aus. Das durchschnittliche Alter der SLE-Patienten lag bei 50,6 Jahren, 92% der Patienten waren weiblich. Insgesamt 71 Patienten (9,8%) verstarben im Verlauf der Studie. Die Forscher fanden statistisch signifikante Unterschiede bei der SLE-Krankheitsaktivität und bei der Ausprägung von Organschäden zwischen den Patienten, die verstarben und jenen, die nicht verstarben. Eine univariate Analyse zeigte, dass schlechte SF-36 Werte und eine mittelmäßige bis schlechte Selbsteinschätzung des gesundheitlichen Zustandes mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert waren. Ebenfalls das Mortalitätsrisiko erhöhten eine lange Krankheitsdauer und durch SLE entstandene Organschäden. Frauen wiesen im Vergleich zu Männern ein geringeres Sterberisiko auf. Unter den erhobenen Kovariaten erwies sich außerdem zusätzlich ein fortgeschrittenes Alter als relevant für ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.

    Fazit

    Eine schlechte physische Funktion stellt ein Risikofaktor für ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bei SLE-Patienten dar. Diese Studie zeigt, dass Patienteneinschätzungen ein gutes Werkzeug sind, um das Sterberisiko von SLE-Patienten besser erkennen zu können. Die Ergebnisse dieser Studie können dazu beitragen, Personen mit erhöhtem Sterberisiko schneller zu identifizieren und besser behandeln zu können, damit das Mortalitätsrisiko gesenkt werden kann, so die Experten.

    Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen


    #