Agudelo S.
et al.
Effect of skin-to-skin contact at birth on early neonatal hospitalization.
Early Hum Dev 2020;
144: 105020
DOI:
10.1016/j.earlhumdev.2020.105020
Diese Fragestellung untersuchte ein Forscherteam aus Kolumbien mithilfe einer retrospektiven
Kohortenstudie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten die Daten von
816 Neugeborenen aus, welche per Vaginalgeburt mit einem Geburtsgewicht von mindestens
2000 g zur Welt gekommen waren und eine problemlose kardiorespiratorische Anpassung
gezeigt hatten. Reanimationsbedürftige Neugeborene, Neugeborene mit einer Fehlbildung
sowie Neugeborene von Risikoschwangeren (z. B. Präeklampsie, prolongierter Blasensprung,
Gestationsdiabetes, Raucherinnen, Substanzabusus) schlossen die Forscherinnen und
Forscher von der Analyse aus. 672 Neugeborene (82,3 %) wurden innerhalb der ersten
10 Lebensminuten unbekleidet in Bauchlage auf die nackte Brust der Mutter gelegt und
verbrachten in dieser Position 40 Minuten ohne Unterbrechung. Die übrigen 144 Neugeborenen
(17,6 %) wurden nach der Entbindung zunächst von der Mutter getrennt, unter einer
Wärmelampe versorgt und anschließend zur Mutter zurückgebracht. Als primären Studienendpunkt
definierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Hospitalisierung der
Neugeborenen vor der Entlassung von der Wöchnerinnenstation.
Das Ergebnis: Die häufigsten Gründe für eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit der
Neugeborenen stellten im Studienkollektiv der Ikterus (45 %), die Hypoglykämie/andere
metabolische Störungen (31,4 %), Saug- oder Fütterungsschwierigkeiten (18,3 %) sowie
der Infektionsverdacht (3,8 %) dar. Diejenigen Neugeborenen, die postnatal auf der
Brust ihrer Mutter liegen durften, mussten signifikant seltener stationär aufgenommen
werden als die Neugeborenen ohne Hautkontakt (13,8 vs. 26,4 %; Relatives Risiko 0,44;
95 % KI 0,29–0,68). Das Geschlecht der Neugeborenen hatte dagegen keinen wesentlichen
Einfluss auf die Hospitalisierungsrate. Die logistische Regressionsanalyse ergab:
Der Hautkontakt, das Gestationsalter sowie das Geburtsgewicht stellten signifikante
Einflussfaktoren bezüglich der stationären Behandlungsbedürftigkeit dar.
Postnatal stabile Neugeborene mit intermediärem und geringem Risiko müssen innerhalb
der ersten Lebenstage signifikant seltener stationär aufgenommen werden, wenn sie
unmittelbar nach der Geburt über längere Zeit Hautkontakt mit der Mutter haben dürfen,
schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Warum dies so ist, müssen
nun ihrer Ansicht nach weitere Untersuchungen klären. Angesichts der Studienergebnisse
halten sie das Bonding für eine effektive Präventionsstrategie.
Dr. Judith Lorenz, Künzell