Aktuelle Urol 2020; 51(03): 239-240
DOI: 10.1055/a-1125-9043
Tipps und Tricks

Praktische intraoperative Hämostase bei offener Adenomenukleation der Prostata

M. Fallahi
1  Urologisches Zentrum Euregio, Aachen I, Praxisklinik am Franziskushospital, Sanatoriumstraße 10, D-52064 Aachen, Deutschland
3  Lehrstuhl für Urologie der Universität Witten/Herdecke, Witten/Herdecke, Deutschland
4  Zentrum für Forschung in der klinischen Medizin (ZFKM) Wuppertal, Wuppertal, Deutschland
,
J. Horstmann
1  Urologisches Zentrum Euregio, Aachen I, Praxisklinik am Franziskushospital, Sanatoriumstraße 10, D-52064 Aachen, Deutschland
,
O. Ting
1  Urologisches Zentrum Euregio, Aachen I, Praxisklinik am Franziskushospital, Sanatoriumstraße 10, D-52064 Aachen, Deutschland
,
S. Roth
2  Klinik für Urologie und Kinderurologie, Helios Universitätsklinikum Wuppertal, Heusnerstraße 40, 42285, Wuppertal, Deutschland
4  Zentrum für Forschung in der klinischen Medizin (ZFKM) Wuppertal, Wuppertal, Deutschland
,
A. S. Brandt
1  Urologisches Zentrum Euregio, Aachen I, Praxisklinik am Franziskushospital, Sanatoriumstraße 10, D-52064 Aachen, Deutschland
4  Zentrum für Forschung in der klinischen Medizin (ZFKM) Wuppertal, Wuppertal, Deutschland
› Author Affiliations
 

    Die operative Therapie der BPH wird heute in den meisten Fällen endoskopisch durchgeführt. Dabei ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) weiterhin der Goldstandard der Therapie.

    Andere Verfahren wie die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP), die Holmium-Laserenukleation der Prostata (HoLEP), die Laservaporisation der Prostata (KTP-Laser, „Greenlight-Verfahren‘‘) und die interstitielle Laserkoagulation (ILC) haben je nach Ausstattung der Klinik in den letzten Jahren Einzug in die klinische Routine genommen.

    Im ambulanten Setting werden hauptsächlich Verfahren wie die transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT), die transurethrale Nadel-Ablation der Prostata (TUNA) oder prostatische Stents verwendet.

    Darüber hinaus werden ständig neue Therapieoptionen wie beispielsweise AguaBeam®, Urolift®, Embolisation der Prostata, Einspritzen von Alkohol oder Botulinustoxin, wasserinduzierte Thermotherapie (WIP) oder die Therapie der BPH mittels hoch intensiv fokussierten Ultraschalls (HIFU) entwickelt.

    Die endoskopische Behandlung der benignen Prostatahyperplasie ist jedoch nicht in allen Fällen einsetzbar. Vor allem bei besonders großen Drüsen oder bei anatomischen Besonderheiten kann es vorkommen, dass der minimal-invasive Zugang nicht gewählt werden kann.

    Aus diesem Grund hat die offen operative Versorgung der BPH auch heute noch ihre Berechtigung und einen hohen Stellenwert in der Therapie. Die Adenomenukleation nach Freyer oder Millin ist in diesen Fällen die Methode der Wahl.

    Besonders bei großen Drüsen besteht nach der Enukleation eine erhöhte Gefahr einer postoperativen Makrohämaturie mit Ausbildung einer Harnblasentamponade. Dies ist zudem mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines erneuten operativen Eingriffes verbunden.

    Zur intraoperativen Blutstillung wird in der Regel eine großflächige Elektrokoagulation in Verbindung mit durchgreifenden Nähten der Prostatakapsel (Durchstechungs- bzw. Raffnähte) durchgeführt. Dies ist jedoch mit einer erhöhten Gefahr einer postoperativen erektilen Dysfunktion verbunden.

    In unserer Abteilung haben wir eine Methode zur lokalen Hämostase mit Crushed Ice im Sinne einer Kryokoagulation entwickelt, die bei jeder offenen Adenomenukleation angewendet werden kann.

    Präoperative Vorbereitung:

    1. Ein Tag präoperativ wird eine Packung mit fünf Bauchtüchern im Gefrierschrank unter – 24,8 Grad Celsius eingelagert.

    2. Zirka 60 – 90 Minuten präoperativ werden zudem zwei Infusionslösungen NaCL (1000 ml) in den Gefrierschrank gelegt.

    Intraoperativ Step by Step:

    1. Bei steriler Abdeckung legen wir Eisgefrierbeutel („Cool-Packs“) unter die Operationsschüssel, so dass die niedrige Temperatur erhalten bleibt ([Abb. 1]).

    2. Die Operationsschüssel wird dann mit Beginn der Hautinzision mit dem gefrorenen NaCl (Crushed Ice) gefüllt und die ebenfalls „gefrorenen“ Operationstücher werden in die Operationsschüssel eingelegt ([Abb. 2]).

    3. Nach manueller Enukleation der Prostata wird dann die Prostataloge mit Crushed Ice und Operationstüchern gefüllt und ca. 1 – 2 Minuten gewartet ([Abb. 3]).

    4. Im Anschluss erfolgt die Inspektion der Prostataloge. Kleine Nachblutungen werden mit der bipolaren Pinzette koaguliert.

    5. Dann werden erneut „gefrorene Bauchtücher“ in die Loge eingelegt und 1 – 2 Minuten abgewartet.

    6. Die Schritte 4 – 5 werden so lange wiederholt, bis eine ausreichende Hämostase in der Loge festgestellt wird ([Abb. 4]).

    7. Nach Feststellen einer „trockenen Loge“ wird ein Spülkatheter eingelegt, der in der Loge geblockt wird und so zur Hämostase durch Kompression beitragen kann.

    8. Nach abschließender Kontrolle auf Bluttrockenheit wird die Operation schrittweise zu Ende geführt.

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    Abb. 1 Vorbereitung der Operationsschüssel mit Cool-Packs
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    Abb. 2 Gefrorene Bauchtücher werden in der OP-Schüssel aufgeweicht, so dass sie sich der Kontur der Prostataloge anpassen können.
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    Abb. 3 a, b Die gefrorenen Bauchtücher werden in der Prostataloge platziert.
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    Abb. 4 Abschließende Inspektion der „trockenen“ Prostataloge.

    #

    Interessenkonflikt

    Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


    Korrespondenzadresse

    Dr. med. Mehrdad Fallahi
    Urologisches Zentrum Euregio
    Standort Aachen I
    Urologische Praxisklinik am Franziskushospital
    Sanatoriumstr. 10
    52064 Aachen
    Fax: 0241-33988   

    Publication History

    Publication Date:
    02 June 2020 (online)

    © Georg Thieme Verlag KG
    Stuttgart · New York


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    Abb. 1 Vorbereitung der Operationsschüssel mit Cool-Packs
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    Abb. 2 Gefrorene Bauchtücher werden in der OP-Schüssel aufgeweicht, so dass sie sich der Kontur der Prostataloge anpassen können.
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    Abb. 3 a, b Die gefrorenen Bauchtücher werden in der Prostataloge platziert.
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    Abb. 4 Abschließende Inspektion der „trockenen“ Prostataloge.