Aktuelle Dermatologie 2021; 47(03): 82-83
DOI: 10.1055/a-1288-5009
Derma-Fokus

Tregs bremsen Psoriasis aus

Nussbaum L. et al.
Role of regulatory T cells in psoriasis pathogenesis and treatment.

Br J Dermatol 2020;
DOI: 10.1111/bjd.19380
 

In unserem Körper finden täglich tausende Immunreaktionen statt, auch unerwünschte. Regulatorische T-Zellen sind effektive Kontrolleure des Immunsystems und garantieren eine ausreichende Selbsttoleranz. Der Review fasst die vielfältige Bedeutung des T-Zell-Subtyps bei der Psoriasis und deren Behandlung zusammen.


Regulatorische T-Zellen (Tregs, früher Suppressor-T-Zellen) sind mit etwa 10 % eine Untergruppe der CD4-Helfer-Zellen. CD4+-CD25high-Foxp3+-Tregs regulieren eine effektive T-Zell-Aktivierung durch Zell-Zell-Interaktionen, die Produktion suppressiver Zytokine und eine direkte zytotoxische Aktivität. Die Abwesenheit von Tregs resultiert in einer schweren Autoimmunität. Haut-residente Tregs spielen eine große Rolle für die kutane Immunhomöostase. Die Zellen sind primär bei den Haarfollikeln lokalisiert und in Wunden angereichert.

Entzündliche Psoriasisläsionen entstehen durch die Infiltration mit inflammatorischen CD4+- und CD8+-Zellen, innate lymphoiden Zellen, Makrophagen, Mastzellen, Neutrophilen und Killerzellen. Pathogenetische Treiber sind Dysfunktionen der T-Zellen, darunter Tregs. Diese resultieren in einer unverhältnismäßigen Freisetzung verschiedener Zytokine (Interferon-γ, Tumornekrosefaktor-α, IL-23 und IL-17). Der Zusammenhang zwischen Treg-Anzahl und dem Schweregrad der Psoriasis wird kontrovers diskutiert. Verschiedene Studien belegten aber dysfunktionale Tregs. Ein proinflammatorisches Zytokinmilieu begünstigte die eingeschränkte suppressive Aktivität. Nussbaum et al. berichten über vermehrte microRNA-210, die die Foxp3-Expression hemmt, damit die Freisetzung suppressiver Zytokine reduziert und die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine steigert. Andere dysfunktionale Mechanismen sind u. a. eine aberrante Aktivierung des STAT3- und Adenosin-Signalwegs, ein ineffizientes Homing der Tregs und eine veränderte Chemotaxie. Über die Interaktion von Hautmikrobiom und Tregs sei wenig bekannt.

Th17-Zellen exprimieren IL-17A, IL-17F, IL-21 und IL-22, die für die Pathogenese der Psoriasis bedeutsam sind. Mehrere Studien ergaben ein Ungleichgewicht zwischen Th17-Zellen und Tregs. Auch phänotypische Veränderungen der Tregs sind bei der Psoriasis relevant. So ist z. B. die Histon-Deacetylase-1 in psoriatrischer Haut erhöht mit Auswirkungen auf die Treg-Plastizität. Die Wirkung bisheriger Therapien ist u. a. gut über Tregs und Th17-Zellen erklärbar. Die Autoren stellten Studien mit TNF-α-Inhibitoren, Folsäureanaloga, Vitamin D, Retinoiden, Phototherapie, Sotrastaurin, Anti-IL-17A und Anti-IL23 zusammen. In unterschiedlicher Stärke erhöhten die Behandlungen die Anzahl der Tregs, steigerten ihre Funktion und verbesserten die Balance von Th17-Zellen und Tregs.

Fazit

Die Autoren des Reviews stellen nicht nur die physiologische Bedeutung der Tregs, sondern auch deren pathogenetischen Einfluss bei der Psoriasis und als Therapieziel dar. Mögliche weitere Behandlungsoptionen seien IL-2, kurzkettige Fettsäuren, IL-6-Inhibitoren und die Treg-basierte Zelltherapie.

Dr. med. Susanne Krome, Melle



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Article published online:
10 March 2021

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