Aktuelle Kardiologie 2021; 10(04): 339-344
DOI: 10.1055/a-1463-6395
Kurzübersicht

Myokardiale Dysfunktion und Herzinsuffizienz unter onkologischer Therapie – Prävention, Diagnose und Behandlung

Cardiotoxicity of Oncological Treatment – Prevention, Diagnosis and Treatment

Authors

  • Lena Hinrichs

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • Tienush Rassaf

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland

Zusammenfassung

Neben der zytotoxischen Chemo- und Strahlentherapie werden seit einigen Jahren auch zielgerichtete, molekulare Inhibitoren und Immuntherapien mit sehr gutem Erfolg in der Tumorbehandlung eingesetzt. Einige Therapeutika sind jedoch mit einer wesentlichen Kardiotoxizität assoziiert, die zu relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und das Überleben von Patienten mit malignen Erkrankungen beeinträchtigen kann. Das Auftreten einer Herzinsuffizienz stellt hierbei die häufigste und oft schwerwiegendste Komplikation dar. Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren haben ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Kardiotoxizität. Entscheidend für das Screening und die Diagnosestellung einer ventrikulären Dysfunktion ist daher die Erfassung von Risikokonstellationen, Vorerkrankungen, der Einsatz kardialer Bildgebung zur Früherkennung von Kardiotoxizität sowie die Einbeziehung kardialer Biomarker.

Abstract

Besides conventional chemotherapy and radiation, targeted molecular inhibitors and immune therapies are important components of modern, multimodal tumor treatment. Many of these approaches may exert cardiotoxic side effects, leading to relevant cardiovascular diseases, which may limit survival rates of cancer patients undergoing oncological treatment. Heart failure is the most common and severe cardiovascular side complication. Patients with cardiovascular risk factors are at increased risk of developing cardiotoxicity associated with cancer therapy. Assessment of cardiovascular risk factors and preexisting cardiovascular disease together with cardiac imaging for the detection of early signs of cardiotoxicity and the inclusion of cardiac biomarkers are therefore crucial for screening and diagnosis of ventricular dysfunction.

Was ist wichtig?
  • Die onkologische Kardiologie bildet eine interdisziplinäre Behandlungsstrategie für Tumorpatienten mit kardiotoxischen Therapien und kardiovaskulären Erkrankungen.

  • Kardiotoxizität onkologischer Therapien kann sich in Form einer Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße und -klappen sowie Herzrhythmusstörungen manifestieren.

  • Für eine individuelle Risikoerhebung vor einer geplanten onkologischen Behandlung sind die Einbeziehung kardiovaskulärer Risikofaktoren und die Vorbehandlung mit potenziell kardiotoxischen Therapien von Bedeutung.

  • Im Vergleich zur linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) ist die Analyse des globalen longitudinalen Strains (GLS) eine sensitivere und reproduzierbarere Methode für die frühzeitige Erkennung einer subklinischen linksventrikulären (LV) Dysfunktion.

  • Insbesondere erhöhte Troponinwerte scheinen mit erhöhten Sterblichkeitsraten und der Entwicklung einer LV-Dysfunktion bei Patienten mit Tumorerkrankung assoziiert zu sein.

  • Eine Therapie der toxischen Kardiomyopathie sollte analog zur klassischen Herzinsuffizienztherapie erfolgen.



Publication History

Article published online:
06 August 2021

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