Guinot M.
et al.
Effects of repetitive transcranial magnetic stimulation and
multicomponent therapy in patients with fibromyalgia: a randomized
controlled trial.
Arthritis care & research 2021;
73: 449-458
DOI:
10.1002/acr.24118
Die Multikomponententherapie (MT) bei FM beinhaltet Patientenaufklärung,
kognitive Verhaltenstherapie und/oder Bewegungstherapie (v. a.
Schwimmtherapie und aerobe Rekonditionierung). Die MT führt zu einer
verbesserten Lebensqualität und zu einer leichten bis moderaten Verbesserung
der Fibromyalgie-Symptome. Die auf der Kopfhaut applizierte rTMS erzeugt ein
elektromagnetisches Feld, das die Erregbarkeit von kortikalen und tiefen Hirnarealen
moduliert. Sie wird bereits bei verschiedenen neurologischen und psychiatrischen
Erkrankungen eingesetzt und ist für die Behandlung von Depressionen
zugelassen. Die Forscherinnen und Forscher der Studie vermuteten, dass eine
Modulation absteigender Nervenbahnen und des rechten limbischen Areals analgetische
Effekte bei FM haben könnte. Neuere Metaanalysen beschreiben bereits, dass
die rTMS Schmerzen bei Patienten mit chronischem Schmerzsyndrom oder FM signifikant
reduzieren kann.
Die französischen Forscher untersuchten den Effekt der rTMS auf Schmerzen bei
FM-Patienten, die parallel eine MT durchführten. 39 FM-Patienten mit
Schmerzwerten auf einer visuellen Analogskala (VAS) von≥40 mm wurden
in die Studie eingeschlossen. Die Patienten durchliefen ein MT-Programm über
einen Zeitraum von 12 Wochen (3 Sitzungen pro Woche, Kombination aus
Aerobic-Training, Wassergymnastik und Entspannung). Darüber hinaus wurden
die Patienten zufällig randomisiert zu:
-
MT und aktive rTMS (hochfrequent, primärer motorischer Kortex M1)
über einen Zeitraum von 12 Wochen (1–2 Sitzungen pro Woche;
n=18; mittleres Alter=46,5; 100% weiblich) oder
-
MT und Schein-rTMS (Simulation ohne elektromagnetisches Feld; n=19; mittleres
Alter=42,8; 79% weiblich).
Ergebnismessungen wurden zu Beginn, in Woche 14 und 6 Monate (Woche 40) nach
Abschluss des Programms durchgeführt. Von primärem Interesse war die
Schmerzreduktion, gemessen anhand des wöchentlichen Mittelwertes der
selbstberichteten Schmerzstärke. Von sekundärem Interesse waren
kardiorespiratorische Fitness, kardiale autonome Adaptionen und FM-Ergebnisse
(gemessen mit Skalen für FM-Werte, Depression, Schlafeffizienz und
Schmerzkatastrophisierung).
Ergebnisse
-
Die Reduktion des Wochenmittelwerts der täglich berichteten Schmerzen
unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.
-
Die Schmerz-VAS-Werte sowie die kardiorespiratorische Fitness,
Lebensqualität, Depression und Katastrophisierung verbesserten sich
in Woche 14 signifikant bei beiden Gruppen und blieben bis Woche 40 stabil.
Die MT allein war demnach ausreichend, um Schmerzen zu modulieren und die
Lebensqualität zu verbessern.
-
Kardiale autonome Adaption und Schlafeffizienz veränderten sich in
keiner der beiden Gruppen statistisch signifikant.
Laut Autoren zeigen die Daten, dass die repetitive transkranielle
Magnetstimulation in Verbindung mit MT keine größere
Schmerzreduktion als MT allein bei Patienten mit schwerer Fibromyalgie bewirkt.
Eine aktualisierte Metaanalyse spreche ebenso gegen eine Wirkung der rTMS
hinsichtlich Schmerzen und Lebensqualität. Einschränkung sei,
dass ein Placeboeffekt der hier angewendeten rTMS-Simulation nicht
ausgeschlossen werden könne. Außerdem mangle es der Studie an
statistischer Power.
Annkatrin Wagner, Stuttgart