Aktuelle Dermatologie 2022; 48(03): 68-69
DOI: 10.1055/a-1694-1923
Derma-Fokus

Dermatoskopie: Plattenepithelkarzinom oder irritierte seborrhoische Keratose?

Papageorgiou C. et al.
Accuracy of dermoscopic criteria for the differential diagnosis between irritated seborrheic keratosis and squamous cell carcinoma.

J Am Acad Dermatol 2021;
85: 1143-1150
DOI: 10.1016/j.jaad.2020.02.019
 

Die irritierte seborrhoische Keratose ist makroskopisch häufig kaum von malignen keratinisierenden Tumoren wie dem Plattenepithelkarzinom zu unterscheiden. Auch im Hinblick auf die dermatoskopische Morphologie ähneln sich die beiden Hautveränderungen. Ein Wissenschaftlerteam aus Griechenland, Rumänien, Chile und Nordmazedonien untersuchte nun, welche Dermatoskopiekriterien die Differenzialdiagnose erleichtern.


An der retrospektiven Studie beteiligten sich zwei Hautkrebs-Referenzzentren in Thessaloniki. Das Untersuchungsmaterial bildeten histopathologisch diagnostizierte irritierte seborrhoische Keratosen und Plattenepithelkarzinome, von welchen vor der Biopsie qualitativ hochwertige dermatoskopische Aufnahmen angefertigt worden waren. Drei Untersucherinnen und Untersucher mit Dermatoskopieerfahrung analysierten – ohne Kenntnis der histopathologischen Diagnose – unabhängig voneinander diese Bilder im Hinblick auf das Vorhandensein sowie den Ausprägungsgrad verschiedener prädefinierter Kriterien. Weitere drei Untersucherinnen und Untersucher verfuhren auf die selbe Weise mit einem externen Datenset aus 30 irritierten seborrhoischen Keratosen sowie 31 Plattenepithelkarzinomen. Nach 2 Wochen unterzogen sie diese Aufnahmen einer erneuten Analyse – dieses Mal allerdings in Kenntnis der Ergebnisse der uni- und multivariaten Analyse bezüglich der potenziellen dermatoskopischen Prädiktoren.

Ergebnisse

Insgesamt analysierten die Forscherinnen und Forscher 165 Tumore von 116 Männern und 49 Frauen. Bei 104 Tumoren handelte es sich um Plattenepithelkarzinome und bei 61 um irritierte seborrhoische Keratosen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten mit einem malignen bzw. benignen Befund betrug 76,2 bzw. 64,8 Jahre. In der multivariaten logistischen Regressionsanalyse kristallisierten sich folgende dermatoskopische Prädiktoren für ein Plattenepithelkarzinom heraus: gepunktete Gefäße (Odds Ratio 10,41; 95 %-KI 2,97–36,43), weiße strukturlose Areale (Odds Ratio 6,78; 95 %-KI 1,45–31,45) sowie weiße Kreise in der Follikelumgebung (Odds Ratio 23,45; 95 %-KI 2,29–246,1). In der univariaten Analyse erwiesen sich zudem linear verzweigte Gefäße (Odds Ratio 5,30; 95 %-KI 1,51–18,58), eine periphere Gefäßanordnung (Odds Ratio 2,80; 95 %-KI 1,10–7,12) sowie eine zentrale Schuppung (Odds Ratio 3,35; 95 %-KI 1,39–8,08) als Malignitätsindikatoren. Dermatoskopische Prädiktoren für eine irritierte seborrhoische Keratose waren dagegen Haarnadelgefäße, ein diffus reguläres Gefäßarrangement sowie weiße Halos in der Gefäßumgebung in mehr als 10 % der Läsionsfläche. Die Diagnosegenauigkeit der Untersucherinnen und Untersucher bei der Zweitbeurteilung des externen Datensets verbesserte sich deutlich, da sie hierbei die Erkenntnisse der uni- und multivariaten Analyse berücksichtigten.

Fazit

Irritierten seborrhoischen Keratosen fehlen meist die charakteristischen Dermatoskopiebefunde der seborrhoischen Keratose. Ihre atypische Morphologie ähnelt statt dessen stark der des Plattenepithelkarzinoms, so das Fazit der Autorinnen und Autoren. Dennoch gelang es ihnen, einige wesentliche Dermatoskopiekriterien zu identifizieren, welche die Differenzialdiagnostik der gut- und bösartigen Veränderungen erleichtern können. Größere Studien müssen nun diese Ergebnisse bestätigen.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell




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Article published online:
16 March 2022

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