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DOI: 10.1055/a-1766-4882
AD: Jüngere und männliche Patienten in der Pandemie besonders belastet
Authors
Perception of the coronavirus pandemic by patients with atopic dermatitis - Results from the TREATgermany registry.
J Dtsch Dermatol Ges 2022;
20: 45-57
DOI: 10.1111/ddg.14655
Seit 2020 sind weite Teile des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der Schutzmaßnahmen betroffen. TREATgermany, ein nicht interventionelles, prospektives Register für Patient/innen mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis (AD), etablierte im Frühjahr 2020 einen zusätzlichen Fragebogen, um Auswirkungen der Pandemie auf die Lebenssituation von Patienten mit AD zu untersuchen.
Der Fragebogen wurde den Patient/innen von April 2020 bis Dezember 2020 im Rahmen der regulären ärztlichen Registervisiten in den mehr als 40 Studienzentren von TREATgermany ausgehändigt. Er enthielt allgemeine Fragen zum Erleben der COVID-19-Pandemie und eine auf die Pandemie bezogene, modifizierte Version des „Inventars lebensverändernder Ereignisse“, berichtet die TREATgermany Studiengruppe. Die Erkrankungsschwere wird im Register anhand der Instrumente Eczema Area and Severity Index-Score (EASI-Score), Objective Scoring for Atopic Dermatitis (oSCORAD), Investigator’s Global Assessment (IGA), Patients’ Global Assessment (PGA), Patient-Oriented Eczema Measure (POEM)-Score und die Lebensqualität mit dem Dermatological Quality of Life Index (DLQI) erhoben. In den vorliegenden Datenanalysen wurden Assoziationen zwischen Erkrankungsschwere (EASI-Score, oSCORAD, IGA, PGA, POEM), Lebensqualität (DLQI) und persönlichen Belastungen mit Hilfe von t-Tests, Varianzanalysen und Korrelationen kontrolliert nach Geschlecht und Alter untersucht.
Ergebnisse
Die aktuelle Analyse umfasst 400 Register-Teilnehmer/innen, die im Erhebungszeitraum den Fragebogen ausgefüllt haben. Dies entspricht 57,9% der Patient/innen, die im Studienzeitraum Registerzentren zur Visite besucht hatten. Das mittlere Alter der Antwortenden war 43,1 Jahre (±14,5), 41% waren weiblich. Nur eine Person war zum Erhebungszeitpunkt an einer SARS-CoV-2-Infektion erkrankt. 50,2% (n=201) erhielten zum Zeitpunkt der Befragung eine systemische Therapie mit Dupilumab. Die Ergebnisse des modifizierten Inventars zu lebensverändernden Ereignissen wurden im Mittel 4,5±2,6 Monate nach Pandemiebeginn erhoben.
233 der 400 Patient/innen (58 %) berichteten über eine hohe Belastung durch die COVID-19-Pandemie unabhängig von einer tatsächlich durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion. Männer zeigten signifikant höhere Belastungswerte als Frauen (im Mittel 34,2±9,1 vs. 32,3±9,5 Punkte; p=0,03). Jüngere Befragte gaben signifikant höhere Belastungen an als ältere Befragte (im Mittel 34,5±8,4 vs. 32,5±10,0 Punkte, p=0,03).
Assoziationen von EASI-Score, oSCORAD, IGA oder POEM-Score und dem Belastungswert des Inventars lebensverändernder Ereignisse fanden die Autoren nicht. Registerpatient/innen mit höherer Einschränkung der dermatologischen Lebensqualität im DLQI und des PGA erlebten die Belastung durch die COVID-19-Pandemie weniger gravierend als Patienten, die sich bezogen auf die AD besser fühlten.
Die Befragten aus dem TREATgermany-Register erlebten die Belastungen der COVID-19-Pandemie 2020 unterschiedlich. Männer, jüngere Patient/innen und solche mit moderater Krankheitsschwere und guter Krankheitskontrolle scheinen vulnerabler zu sein als Frauen, Ältere und schwer von AD Betroffene. Die Autoren empfehlen, eine besondere Aufmerksamkeit auf die individuellen Schwierigkeiten von Patient/innen mit AD im Zuge der Pandemie zu legen.
Friederike Klein, München
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
14 April 2022
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Georg Thieme Verlag KG
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