Aktuelle Dermatologie 2022; 48(04): 124-125
DOI: 10.1055/a-1766-4922
Derma-Fokus

Primärtumor-Lokalisation bei MCC prognostisch relevant

Authors

    Contributor(s):
  • Friederike Klein

Cullison CR. et al.
Tumor primary site as a prognostic factor for Merkel cell carcinoma disease-specific death.

J Am Acad Dermatol 2021;
85: 1259-1266
DOI: 10.1016/j.jaad.2021.06.863
 

Es gab bereits Hinweise, dass ein unbekannter Primärtumor beim Merzelzellkarzinom (MCC) prognostisch günstig sein könnte, ein Primärtumor in der Kopf-Hals-Region ungünstig. Systematisch wurde die Bedeutung der Primärlokalisation beim MCC bislang noch nicht untersucht.


Deshalb analysierten Christopher R. Cullison von der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland, Ohio, und Kollegen die Assoziation von MCC-Primärlokalisation und Tod durch MCC retrospektiv anhand von Daten aus der US-amerikanischen Datenbank SEER (Survival, Epidemiology, and End Results database). Identifiziert wurden 9407 Patient/innen, die zwischen 1973 und 2016 die Diagnose MCC erhalten hatten. In dieser Kohorte wurden Gruppen nach der Primärtumor-Lokalisation und gleichzeitig bestehenden anderen Risikofaktoren gebildet, um den Beitrag des Orts des Primärtumors an der krankheitsspezifischen Mortalität zu untersuchen. Dazu wurde für jede Lokalisation die kumulative Inzidenz der MCC-spezifischen Mortalität (CMMI) nach 5 Jahren abgeschätzt.

Ergebnisse

Von den 9407 MCC-Patient/innen wiesen 6305 (67,0%) eine lokal begrenzte, 2397 (25,5%) eine regional metastasierte und 705 (7,5%) eine fernmetastasierte Erkrankung auf. Am häufigsten waren MCC des Gesichts (ohne Ohren, Augenlider und Lippen, 26,4%) und Oberkörpers (24,0%). Die Primärtumoren waren bei regional metastasiertem MCC in 23,0%, bei fernmetastasiertem MCC bei 26,1% unbekannt. 2015 Patient/innen (24,6%) verstarben am MCC, 2882 (35,2%) an anderen Ursachen, 3293 (40,2%) lebten bei Datenanalyse noch. Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag bei lokal begrenzten Tumoren bei 61 Monaten, bei regionaler Metastasierung bei 35 Monaten und bei Fernmetastasierung bei 11 Monaten.

Die Lokalisation des Primärtumors sagte die 5-Jahres-CMMI voraus, wobei es Unterschiede hinsichtlich des Stadiums bei Diagnose gab. Bei lokal begrenzten Tumoren hatten diejenigen an behaarter Kopfhaut und Hals die höchste 5-Jahres-CMMI (26,0%), gefolgt von Primärtumoren des Stamms (25,9%). Bei den metastasierten MCC ergab sich für die Lokalisation an der Lippe die höchste 5-Jahres-CMMI (56,7% regional, 82,1% fernmetasasiert). MCC-Primärtumoren am Augenlid hatten in allen Gruppen die niedrigste 5-Jahres-CIMM. Bei unbekanntem Primärtumor ergab sich bei regional metastasierter Erkrankung eine 5-Jahres-CIMM von 31,9% und bei Fernmetastasierung von 58,9%.

Fazit

Die Wahrscheinlichkeit, an einem MCC zu versterben, ist je nach Lokalisation des Primärtumors unterschiedlich, sodass die Autoren schließen, dass dieser Faktor prognostisch von Bedeutung ist. Sie räumen allerdings ein, dass die Daten teilweise unvollständig waren und die Tumorgröße für viele Patient/innen nicht bekannt war, sodass die Stadieneinteilung nicht korrekt vorgenommen werden konnte. Weitere Studien zur prognostischen Relevanz der Primärlokalisation bei MCC sind notwendig.


Friederike Klein, München



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Friederike Klein
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81241 München

Publication History

Article published online:
14 April 2022

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