Redeker I.
et al.
Risk of herpes zoster (shingles) in patients with rheumatoid arthritis under
biologic, targeted synthetic and conventional synthetic DMARD treatment: data
from the German RABBIT register.
Ann Rheum Dis 2022;
81: 41-47
Die Forscher kamen zu dem Resultat, dass das Risiko einer Herpes zoster-Inzidenz bei
RA-Patienten unter synthetischen zielgerichteten DMARDs und Biologika Vergleich zu
konventionellen synthetischen DMARDs um das 3,6-fache erhöht war. Das
RABBIT-Register ist eine prospektive Kohorte von Patienten mit RA, die in die Studie
aufgenommen wurden, wenn diese eine neue Behandlung mit einem DMARD oder Biologika
nach mindestens einer vorherigen DMARD-Therapie begonnen. Zum Zeitpunkt des
Studieneinschlusses, nach 3 und 6 Monaten und anschließend alle 6 Monate
später erhoben die Experten im 10-jährigen Studienverlauf
Patientendaten zur Demographie, zum physischen und psychischen Zustand, zum
klinischen Status, zu Behandlungsdetails (z. B. Beginn/Abbruch von
DMARDs, Dosierung von Glukokortikoiden), zu zahlreichen Laborergebnissen,
patientenberichteten Ergebnissen und zu unerwünschten Ereignissen.
Für diese Analyse berücksichtigten die Forscher Patienten, die ab
2007 eingeschrieben wurden und mindestens ein Follow-up aufwiesen. Die DMARDs zur
Therapie der RA-Patienten gruppierten die Experten in verschiedene Gruppen: 1)
monoklonale Anti-TNF-Antikörper (Adalimumab, Certolizumab, Golimumab,
Infliximab), 2) lösliches TNF-Rezeptor-Fusionsprotein (Etanercept), 3)
T-Zell-Kostimulationsmodulator (Abatacept), 4) B-Zell-gerichtete Therapie
(Rituximab), 5) Interleukin (IL) 6-Inhibitoren (Tocilizumab, Sarilumab), 6)
JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Baricitinib, Upadacitinib) und konventionelle
synthetische DMARDs als Referenzgruppe.
Insgesamt schlossen die Wissenschaftler 13.991 RA-Patienten mit 62.958
Patientenjahren Beobachtungszeit in die Studie ein. Im Laufe der Studie kam es zu
559 Herpes zoster-Fällen. Die Inzidenzrate für Herpes zoster betrug
pro 1.000 Tage 9,3 Tage für monoklonale Anti-TNF-Antikörper, 8,6
Tage für lösliche TNF-Rezeptor-Fusionsproteine, 8,4 Tage für
T-Zell-Kostimulationsmodulatoren, 10,3 Tage für B-Zell-gerichtete Therapien,
8,8 Tage für IL-6-Inhibitoren, 21,5 Tage für JAK-Inhibitoren und 7,1
Tage für konventionelle synthetische DMARDs. Es wurden insgesamt 61
schwerwiegende Herpes zoster-Fälle bei 61 Patienten gemeldet. Bereinigt um
Alter, Geschlecht und der Einnahme von Glukokortikoiden und gewichtet mit inversen
Wahrscheinlichkeitsgewichten wiesen zielgerichtete DMARDs ein 3,66-faches,
monoklonale Anti-TNF-Antikörper ein 1,63-faches und gezielte
B-Zell-Therapien ein 1,57-faches, signifikant höheres Risiko im Vergleich zu
konventionellen DMARDs auf. Die Behandlung mit T-Zell-Kostimulationsmodulatoren
zeigte kein signifikant höheres Risiko im Vergleich zu konventionellen
DMARDs.
Das Risiko einer Herpes zoster-Infektion bei Patienten mit RA wird durch das
Alter und die Notwendigkeit einer immunsuppressiven Therapie erhöht,
insbesondere wenn Glukokortikoide und JAK-Inhibitoren eingesetzt werden. Die
Behandlung mittels Biologika zeigte generell ein signifikant höheres
Risiko im Vergleich zu konventionellen DMARDs, so die Autoren. Das
erhöhte Herpes-Risiko sollte bei der Auswahl der Therapie, insbesondere
bei älteren Personen unter Glukokortikoiden, berücksichtigt
werden.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen