Aktuelle Dermatologie 2022; 48(11): 486
DOI: 10.1055/a-1857-2925
Derma-Fokus

Therapie und Prognose des Merkelzellkarzinoms

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Nguyen ML. et al.
Merkel cell carcinoma: treatment and outcomes over a 10-year period at a high-volume academic center.

Int J Dermatol 2022;
61: 558-563
DOI: 10.1111/ijd.15759
 

Das Merkelzellkarzinom ist ein seltener und hoch aggressiver Tumor, der hauptsächlich die Haut befällt. Mangels belastbarer prospektiver Daten fehlen allerdings bislang evidenzbasierte Behandlungsleitlinien. Ein US-Forscherteam beleuchtete nun mithilfe einer retrospektiven Studie die Prognose der Tumorerkrankung und versuchte zu klären, welche Rolle diesbezüglich insbesondere die Radiatio spielt.


Hierzu analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten von 48 Personen, die zwischen 2006 und 2016 an der Universität von Oklahoma City im Alter zwischen 48 und 100 Jahren aufgrund eines Merkelzellkarzinoms behandelt worden waren. Von allen Patientinnen und Patienten lagen Informationen zu demografischen Parametern, zum TNM-Staging, zur Tumorlokalisation, zur chirurgischen und adjuvanten systemischen Therapie, zur Strahlentherapie sowie zum Zeitpunkt und zur Lokalisation von Tumorrezidiven vor. Informationen zur Überlebensprognose standen allerdings nur von 42 Personen zur Verfügung.

Ergebnisse

Da zum Zeitpunkt der Datenanalyse die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten am Leben waren, konnten die Forschenden kein medianes Gesamtüberleben berechnen. Gleiches galt für das Überleben der Personen mit einem Tumorstadium I gemäß American Joint Committee on Cancer (AJCC). Für das AJCC-Stadium II, III und IV errechnete sich ein medianes Gesamtüberleben von 37,3, 49,5 bzw. 14,5 Monate. 36 Personen (75%) hatten eine Radiatio (mit/ohne Operation und/ohne Chemotherapie) absolviert, 8 Personen (16,7%) hatten keine Strahlentherapie erhalten und in 4 Fällen (8,3%) blieb der Strahlentherapiestatus unklar. Auch für die Subgruppen der strahlentherapeutisch und der nicht strahlentherapeutisch behandelten Patientinnen und Patienten konnten die Forschenden kein medianes Überleben berechnen. Die sowohl strahlen- als auch chemotherapeutisch behandelten Patientinnen und Patienten überlebten im Median 49,5 Monate, das Überleben der ausschließlich bestrahlten Personen konnte ebenfalls nicht berechnet werden. Gleiches galt für die Personen mit Hochdosis-Radiatio (biologische Äquivalenzdosis ≥ 60Gy). Im Niedrigdosis-Kollektiv betrug das mediane Überleben 49,5 Monate. 34 Personen (70,8%) hatten sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen und von 24 lagen Informationen zu den Schnitträndern vor. Das mediane Überleben bei befallenen Schnitträndern – 5 Personen waren hiervon betroffen – betrug 14,9 Monate und bei tumorfreien Schnitträndern (n = 19) 37,3 Monate. 21 der 48 Tumorkranken (43,8%) erlitten im Median nach 9 Monaten ein Rezidiv. In der Mehrzahl der Fälle traten die Rezidive in der Nähe des Primärtumors, meist in der Kopf-Hals-Region, auf. In 6 Fällen (28,6%) beobachteten die Forschenden allerdings Fernmetastasen (Leber, Gehirn, Pankreas, Knochen). Eine Chemotherapie hatten 13 Patientinnen und Patienten (27,1%) absolviert. Da die Mehrzahl dieser Personen am Leben ist, ließ sich hier ebenfalls kein medianes Überleben berechnen.

Fazit

Angesichts der vielfach uneindeutigen Studienergebnisse bleiben noch viele Fragen offen, so das Fazit der Autorinnen und Autoren: Bspw. in Bezug auf den Nutzen der (neo)adjuvanten Chemotherapie, der Immuntherapie und der Radiatio. Randomisierte Untersuchungen müssen ihrer Ansicht nach folgen, um die Evidenz im Hinblick auf die Therapie des Merkelzellkarzinoms weiter zu festigen.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
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Article published online:
14 November 2022

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