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DOI: 10.1055/a-1925-5607
Kontaktallergien im Kindesalter
Authors
Contact allergy in children with and without atopic dermatitis: An Italian multicentre study.
Contact Dermatitis 2022;
87: 265-272
DOI: 10.1111/cod.14130
Lange Zeit galten Kinder angesichts ihres noch unreifen Immunsystems sowie der seltenen Exposition gegenüber Allergenen als kaum anfällig für eine Kontaktdermatitis. Sensibilisierungen treten allerdings im Kindesalter offenbar häufiger auf als angenommen. Ob eine atopische Dermatitis das Risiko hierfür erhöht, untersuchte nun ein italienisches Forscherteam mithilfe einer retrospektiven Multicenterstudie.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten die Daten von 432 Kindern und Jugendlichen mit einer ekzematösen Dermatitis aus, die sich zwischen 2017 und 2018 im Alter zwischen 0 und 14 Jahren an 11 dermatologischen Referenzzentren einer Kontaktallergie-Diagnostik unterzogen hatten. Die Patchtestung erfolgte dabei mit der Basisserie für Kontaktallergene der italienischen Fachgesellschaft. Die Forschenden objektivierten die Prävalenz der Kontaktsensibilisierung und prüften, inwiefern diesbezüglich ein Zusammenhang mit einer begleitenden atopischen Dermatitis bestand.
Ergebnisse
Das Studienkollektiv umfasste 200 Jungen und 232 Mädchen im Durchschnittsalter von 10,4 Jahren. 125 Kinder und Jugendliche (28,9%) reagierten im Patchtest auf mindestens eines der getesteten Kontaktallergene positiv. Alle positiven Reaktionen traten zwischen Ablesetag 2 und 4 auf. Die Prävalenz der Kontaktsensibilisierung betrug bei den Jungen 25% und bei den Mädchen 32,3%. 88 der kontaktsensibilisierten Patientinnen und Patienten (70,4%) reagierten nur auf ein Allergen, 15 (12%) auf 2 und 22 (17,6%) auf 3 oder mehr Allergene. Die mit 37% höchste Sensibilisierungsprävalenz stellten die Forschenden in der Altersgruppe der 12- bis 14-Järigen fest, die niedrigste (20,7%) in der Altersgruppe der 3- bis 5-Jährigen. 258 der getesteten Kinder und Jugendlichen (59,7%) wiesen atopische Begleiterkrankungen auf und 103 (23,8%) litten an einer atopischen Dermatitis. 36,9% der Patientinnen und Patienten mit einer atopischen Dermatitis, aber nur 26,4% der Kinder und Jugendlichen ohne diese Hauterkrankung wiesen einen positiven Patchtest auf. Sowohl in der Gruppe mit als auch in der Gruppe ohne atopische Dermatitis lag die Prävalenz der Kontaktsensibilisierung bei den Mädchen höher als bei den Jungen. Als häufigste Kontaktallergene identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Nickelsulfat, Kobaltchlorid, Methylisothiazolinon, Duftstoffmix II, Kaliumdichromat, Duftstoffmix I sowie Methylchloroisothiazolinon/Methylisothiazolinon.
Bei einer therapieresistenten atopischen Dermatitis im Kindesalter, so der Rat der Autorinnen und Autoren, sollte immer die Möglichkeit einer Kontaktallergie in Betracht gezogen und mittels Patchtest abgeklärt werden. Typische Kontaktallergene sind dabei offenbar Metalle, Duftstoffe sowie Isothiazolinone. Weitere Studien müssen nun ihrer Ansicht nach die Epidemiologie und Ätiologie der Kontaktsensibilisierung bei Kindern und Jugendlichen beleuchten und gezielte Präventionsstrategien etablieren.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
09 December 2022
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