Aktuelle Dermatologie 2022; 48(12): 545
DOI: 10.1055/a-1925-5812
Derma-Fokus

Komorbiditäten bei lokalisierter und generalisierter Hyperhidrose

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Henning MAS. et al.
The temporal association of hyperhidrosis and its comorbidities – a nationwide hospital-based cohort study.

J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18351
 

Patientinnen und Patienten mit einer Hyperhidrose, also einer lokal oder generalisiert krankhaft gesteigerten Schweißproduktion, leiden häufig an weiteren Begleiterkrankungen. Ein dänisches Forscherteam ging nun der Frage nach, um welche Komorbiditäten es sich dabei hauptsächlich handelt und in welcher zeitlichen Relation sie zur Hyperhidrose-Diagnose stehen.


Mithilfe des nationalen dänischen Patientenregisters werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stationäre, ambulante sowie Notfall-Klinikkontakte von mehr als 7,1 Millionen Bürgerinnen und Bürgern der Jahre 1994–2018 aus. Gemäß der verschlüsselten Diagnosecodes litten 8758 (0,12%) Personen (64,8% Frauen; medianes Alter bei der Erstdiagnose 26,9 Jahre) an einer lokalisierten und 1102 (0,015%) Personen (59,9% Frauen; medianes Alter bei der Erstdiagnose 40,9 Jahre) an einer generalisierten Hyperhidrose. Bei insgesamt 3380 (0,047%) Personen (60,9% Frauen; medianes Alter bei der Erstdiagnose 33,2 Jahre) war eine nicht genauer spezifizierte Hyperhidrose diagnostiziert worden. Das Vergleichskollektiv bildeten altersgleiche Personen gleichen Geschlechts, die innerhalb derselben Woche eine Nicht-Hyperhidrose-Diagnose erhalten hatten. Anhand der medizinischen Dokumentationen prüften die Forschenden, an welchen Erkrankungen die Personen mit einer Hyperhidrose überproportional häufig litten und ob diese Komorbiditäten vor oder nach der Hyperhidrose diagnostiziert worden waren.

Ergebnisse

Die Patientinnen und Patienten mit einer lokalisierten Hyperhidrose litten überproportional häufig an (Unter-)Bauch- oder Rückenschmerzen, Weichgewebserkrankungen, Stressreaktionen, chronischen Tonsillenerkrankungen, Asthma, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, (Teno-)Synovitiden, einer nicht eitrigen Otitis media oder einer Epilepsie. Ein ähnliches Komorbiditätenmuster stellten die Forschenden bei den Patientinnen und Patienten mit einer generalisierten Hyperhidrose fest: Diese litten überproportional häufig an Rückenschmerzen, Angina pectoris, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen. Alle diese Begleiterkrankungen waren zeitlich vor der Hyperhidrose diagnostiziert worden, fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus.

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Abb. 1 Abb. 1 Die Hypothese einer aktuellen Studie besagt: Eine optimierte Therapie von Vorerkrankungen reduziert Hyperhidrose-Klinikbehandlungen. (Symbolbild. Quelle: K. Oborny/Thieme)
Fazit

Personen mit der Klinikdiagnose „Hyperhidrose“ leiden im Vorfeld überproportional häufig an Schmerzen, Stressbelastungen, respiratorischen und psychiatrischen Erkrankungen oder einer Epilepsie, so die Forschenden. Ihre Hypothese: Eine optimierte Therapie der Vorerkrankungen reduziert Hyperhidrose-Klinikbehandlungen. Da allerdings die meisten Hyperhidrose-Betroffenen ambulant betreut werden, sind die Studienergebnisse nicht unbedingt auf diese Personengruppe übertragbar, geben sie zu bedenken.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



Korrespondenzadresse

Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
Deutschland

Publication History

Article published online:
09 December 2022

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Abb. 1 Abb. 1 Die Hypothese einer aktuellen Studie besagt: Eine optimierte Therapie von Vorerkrankungen reduziert Hyperhidrose-Klinikbehandlungen. (Symbolbild. Quelle: K. Oborny/Thieme)