Phlebologie 2023; 52(01): 48-51
DOI: 10.1055/a-1979-6987
Fortbildung in Bildern

Oberflächliche Venenthrombose der V. dorsalis penis superficialis – der penile Morbus Mondor – ein Fallbericht

Superficial Vein Thrombosis of the Superficial Dorsal Vein of the Penis – Mondors Disease of the Penis – a case report

Authors

  • Daniel Czesla

  • Marc van der Meirschen

  • Jasmin Woitalla-Bruning

 

Der Morbus Mondor bezeichnet ursprünglich eine oberflächliche Venenthrombose einer gesunden Vene entlang der anterolateralen thorakalen Brustwand. Mittlerweile werden auch oberflächliche Venenthrombosen anderer spezifischer Lokalisationen, beispielsweise am Penis, darunter subsumiert. Im folgenden Fallbericht stellen wir einen jungen Patienten mit einem nach einer beidseitigen inguinalen Crossektomie aufgetretenen penilen Morbus Mondor vor.


Abstract

The term Mondor’s disease describes a superficial thrombosis of a healthy vein along the anterolateral chest wall. However, the term now refers to superficial vein thrombosis at specific localizations of the body, such as the axilla and penis. The penile Mondor’s disease is most often characterized by a chord-like induration along a dorsal vein of the penis without erythema. Risk factors include urogenital infections, malignancies, hematological diseases together with trauma or surgery. This case study describes a case of penile Mondor’s disease occurring after bilateral, concurrent crossectomy. Two weeks after treatment with a combination of non-steroidal anti-inflammatory drugs, proton pump inhibitors and Fondaparinux symptoms as well as clinical findings were regressive.


Der Klinische Fall

Wir berichten über einen sonst gesunden 48-jährigen Patienten, der sich 3 Wochen nach beidseitiger inguinaler Crossektomie in unserer Klinik vorstellte. Er berichtete von Schmerzen und einem Druckgefühl im Penis sowohl im unerigierten als auch im erigierten Zustand. Die Eigen- und die Familienanamnese in Bezug auf thromboembolische Erkrankungen wurden verneint. Das präoperative Blutbild sowie die Gerinnung zeigten keine Auffälligkeiten.

Körperliche Untersuchung

Klinisch zeigte sich eine tastbare Verhärtung ohne umgebende Rötung im Verlauf der Vena dorsalis penis superficialis und einer Vene am lateralen rechten Hoden ([Abb. 1] und [Abb. 2]).

Zoom
Abb. 1 Klinischer Befund des penilen Morbus Mondor.
Zoom
Abb. 2 Klinischer Befund der V. dorsalis penis superficialis.

Sonografie

In der B-Bild-Sonografie stellte sich die Vena dorsalis penis superficialis echoarm mit feinen, echoreichen Anteilen und als nicht komprimierbar dar. Duplexsonografisch ließ sich kein Fluss detektieren ([Abb. 3]). Im Kompressionsultraschall zeigte sich beidseitig kein Anhalt für eine tiefe Beinvenenthrombose: tiefe Venen beidseits frei komprimierbar und mit atemmoduliertem Fluss ohne Refluxphänomen unter Vasalva.

Zoom
Abb. 3 Sonografischer Befund B-Bild: Vena dorsalis penis superficialis ohne Kompression (links) und mit Kompression (rechts).

Therapie

Wir entschieden uns für eine antiphlogistische und analgetische Therapie mittels Ibuprofen 600mg p.o. 3-mal täglich unter Magenschutz sowie Einleitung einer Antikoagulation mit Fondaparinux 2,5mg 0–0-1 s.c. über 2 Wochen. Auf eine Kompressionstherapie wurde u.a. aufgrund der Lokalisation verzichtet.


Verlauf

In der Kontrolluntersuchung nach 2 Wochen stellte sich der Patient beschwerdefrei vor. Der Gefäßverschluss der V. dorsalis penis superficialis war sonografisch nicht mehr nachweisbar. Da die Eigen- und die Familienanamnese des Patienten in Bezug auf thromboembolische Erkrankungen und Komplikationen unauffällig war, führten wir die Ursache des Gefäßverschlusses auf die einzeitig durchgeführte beidseitige inguinale Crossektomie zurück. Ein Thrombophiliescreening zum Ausschluss einer Gerinnungsstörung wurde dem Patienten angeboten, aber nicht in Anspruch genommen.



Hintergrund

Morbus Mondor

Der Morbus Mondor ist eine seltene Erkrankung und entsteht durch eine isolierte, strangförmige Thrombose einer gesunden, oberflächlichen Vene an spezifischen anatomischen Regionen [1]. Der Morbus Mondor wurde zuerst von dem französischen Chirurgen Henri Mondor im Jahr 1939 beschrieben [1] [2]. Die häufigste Manifestation zeigt sich entlang der anterolateralen thorakalen Brustwand. Weitere Lokalisationen der Erkrankung betreffen die oberflächlichen Venen der Leiste, der Axilla und des Penis. Sekundäre Auslöser der Erkrankung sind Traumata (Operationen), Infektionen, Malignome (vor allem Mammakarzinome) und Gerinnungsstörungen [2] [3] [4] [5] [6]. Die oberflächliche Venenthrombose des Penis wurde im Jahr 1958 von Helm und Hodge als Variante des Morbus Mondor beschrieben [2] [7]. Angaben zur Inzidenz des Morbus Mondor variieren zwischen 0,07 und 0,96% [1] [5]. Typisch für den Morbus Mondor ist ein harter, meist gerade verlaufender subkutan liegender Strang im Bereich der oberflächlichen thorakalen Venen oder in Venen der Axilla, in der Regel ohne makromorphologische Entzündungszeichen. Aufgrund des klinischen Befundes hat sich auch der beschreibende Begriff der „Eisendrahtphlebitis“ etabliert. Die Angaben zur Schmerzsymptomatik werden in der Literatur kontrovers angegeben: ein Spektrum vom leichten Spannungsgefühl bis hin zur ausgeprägten Schmerzsymptomatik wird beschrieben [3].


Der penile Morbus Mondor

Klinik

Klinisch imponiert der penile Morbus Mondor, ähnlich wie der Morbus Mondor an der anterolateralen Thoraxwand, als eine strangförmige Induration, meistens entlang einer oberflächlichen Vene auf der dorsalen Seite des Penis. Typisch für den Morbus Mondor ist meist das Fehlen einer Rötung der Haut um die betroffene Vene. In der Literatur werden häufig auch asymptomatische Fälle beschrieben [8] [9].

In seltenen Fällen können Symptome wie ein Erythem bzw. Ödem der Haut entlang der Vene sowie episodische oder anhaltende Schmerzen, welche sich durch Manipulation oder Erektion verstärken, vorkommen [2].

In den meisten Fällen klingt die Symptomatik innerhalb weniger Wochen ab. Ein kompletter Rückgang der Symptome ist meist innerhalb von 6–8 Wochen zu erwarten [1] [10] [11].


Ätiologie

Die Risikofaktoren für die Entwicklung der Erkrankung gruppieren sich entlang der Virchow-Trias: Endothelschäden durch intensiven Geschlechtsverkehr, Erektionshilfen wie z.B. Vakuumpumpen oder penile Traumata, eine Blutstase ausgelöst durch verlängerte Erektionszeiten (beispielsweise durch PDE5-Inhibitoren), langes Sitzen, Überdehnung der Blase oder durch Operationen sowie eine Hyperkoagulabilität wie z.B. durch eine urogenitale Infektion, eine Biopsie der Prostata, eine hämatologische Grunderkrankung oder ein Malignom [1] [2] [7] [12] [13].

Zwei Publikationen zeigen einen Zusammenhang zwischen dem penilen Morbus Mondor und Varizenoperationen auf. McLaren et al. fanden in einer prospektiven Studie mit 231 Patienten, die sich einer unilateralen oder einer bilateralen inguinalen Crossektomie unterzogen haben, 3 Fälle eines penilen Morbus Mondor. Bei allen 3 Patienten wurde die Crossektomie bilateral durchgeführt. Das oberflächliche Venensystem des Penis drainiert in den meisten Fällen vollständig separiert vom tiefen Venensystem des Penis in die Venae pudendae externae, in 20% der Fälle sogar lediglich unilateral. Die Autoren halten es daher für möglich, dass Ligaturen der Seitenäste im Rahmen der Crossektomie zu einer Unterbrechung des venösen Abflusses des oberflächlichen Penis mit konsekutiver Stase und Thrombose führen könnten (siehe [Abb. 4]). Obwohl die Autoren bereits eine Inzidenz des penilen Morbus Mondor bei beidseitigen inguinalen Crossektomien von mehr als 1% feststellten, gehen sie aufgrund fehlender routinemäßiger Follow-ups von einer höheren Dunkelziffer aus [7]. Zerweck et al. informierten in einem Fallbericht über einen penilen Morbus Mondor 2 Wochen nach einseitiger endovenöser Lasertherapie der Vena saphena magna (VSM). Eine Ultraschalluntersuchung zeigte einen thrombosierten Seitenast der VSM, der mit dem oberflächlichen Venensystems des Penis in Verbindung stand. Auch hier wurde als Ursache eine Stase vermutet [14].

Zoom
Abb. 4 Anatomie der Blutversorgung des Penis.

Therapie

Einheitliche Therapierichtlinien für den penilen Morbus Mondor existieren aufgrund fehlender Evidenz nicht. In der Mehrzahl der Fälle zeigt sich eine komplette Remission ohne therapeutische Maßnahmen [7]. Jedoch kann im akuten, symptomatischen Stadium der Erkrankung eine Behandlung mittels nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (NSAID) für eine Schmerzlinderung sorgen [1] [9] [12] [13]. Neuere Publikationen verweisen auf die Effektivität einer Behandlung analog einer oberflächlichen Venenthrombose mit Antikoagulanzien wie niedermolekularem Heparin oder Fondaparinux hin [1] [15]. Im subakuten Stadium werden erfolgreiche Therapieergebnisse mit topischem Heparin beschrieben [8] [9]. Eine operative Behandlung mittels Thrombektomie wird selten angestrebt, kann jedoch bei therapierefraktären symptomatischen Fällen ohne nachweislichen Fluss im Dopplerultraschall nach 6 Wochen erwogen werden [2] [6].

Generell sollten je nach Alter, Anamnese und Befund sekundäre Auslöser ausgeschlossen werden. Hierzu zählen ein Thrombophilie oder ein Malignom. Insbesondere bei weiblichen Patienten ist bei einem Verschluss einer thorakalen/epigastrischen Vene an ein Mammakarzinom zu denken.

Fazit

Der Morbus Mondor ist eine seltene Erkrankung, wenngleich die Dunkelziffer sicherlich hoch ist. Es sollte insbesondere bei klinisch symptomarmen Gefäßverschlüssen in den Arealen loci typici differenzialdiagnostisch an den Morbus Mondor gedacht werden. Als Ursache sollte je nach Anamnese und Alter an eine Thrombophilie oder an ein Malignom gedacht werden. Diese sollten ausgeschlossen werden. Die Therapie wird in der Literatur kontrovers diskutiert und bleibt je nach Auslöser, Alter, Lokalisation und Ausmaß – auch aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungsberichte – sicherlich eine individuelle Einzelfallentscheidung.





Dr. med. Daniel Czesla


Jahrgang 1993. 2012-2021 Studium der Humanmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 2017-2018 ERASMUS-Studienaufenthalt in Spanien. 2015-2022 Promotion in der Nephrologie. 2022-laufend Facharztausbildung Dermatologie am Tabea Krankenhaus Hamburg Blankenese.

Zoom

Marc van der Meirschen


Jahrgang 1989. 2009-2012 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Hamburg School of Business Administration. 2014-2020 Studium der Humanmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 2022-laufend Facharztausbildung Dermatologie am Tabea Krankenhaus Hamburg Blankenese.

Zoom

Dr. med. Jasmin Woitalla-Bruning


Jahrgang 1980. 2003-2009 Studium der Humanmedizin am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. 2010-2016 Facharztausbildung Dermatologie und Venerologie. 2011 Erreichung des akademischen Grades Doktor der Medizin. 2017 Oberärztin im Zentrum für Venen- und Dermatochirurgie (ZVD) im Tabea Krankenhaus in Hamburg. 2018 Zusatzbezeichnung Phlebologie. Seit 2019 Ltd. Oberärztin im ZVD in Hamburg. Schwerpunkte: Phlebologische Ultraschall- und Funktionsdiagnostik, Konventionelle operative Therapie von Krampfadern, Endoluminale Lasertherapie, Operative dermatologische Therapie, Dermatologische Onkologie.

Zoom

Interessenkonflikt

Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


Korrespondenzadresse

Marc van der Meirschen
Krankenhaus Tabea GmbH & Co. KG im Artemed-Klinikverbund
Kösterbergstraße 32
22587 Hamburg
Deutschland   

Publication History

Article published online:
10 February 2023

© 2023. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany


Zoom
Zoom
Zoom
Zoom
Abb. 1 Klinischer Befund des penilen Morbus Mondor.
Zoom
Abb. 2 Klinischer Befund der V. dorsalis penis superficialis.
Zoom
Abb. 3 Sonografischer Befund B-Bild: Vena dorsalis penis superficialis ohne Kompression (links) und mit Kompression (rechts).
Zoom
Abb. 4 Anatomie der Blutversorgung des Penis.