Phlebologie 2023; 52(01): 6-8
DOI: 10.1055/a-2003-7526
Literatur weltweit

Kompressionstherapie bei Ulcus cruris – Kontraindikation Diabetes?

Authors

    Contributor(s):
  • Stephanie Gräwert

Mosti G, Cavezzi A, Bastiani L. et al.
Compression Therapy Is Not Contraindicated in Diabetic Patients with Venous or Mixed Leg Ulcer.

J Clin Med 2020;
9: 3709
DOI: 10.3390/jcm9113709
 

Die Kompressionstherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Beingeschwüren. Viele Ärzte sehen allerdings eine Diabeteserkrankung als Ausschlusskriterium für eine solche Therapie, dabei gibt es bisher praktisch keine Studien, die diese Annahme stützen würden.


Vor einigen Jahren haben Mosti und seine Kollegen eine Studie zur Heilungsdauer hartnäckiger Ulzera durchgeführt und die Daten der 180 Studienteilnehmer nun nochmals ausgewertet, um herauszufinden, wie sich die Kompressionstherapie bei Diabetikern auf die Heilung venöser und gemischter Ulzera auswirkt. Alle Patienten wurden ambulant behandelt; im Schnitt 1-mal pro Woche wurden die Ulzera gereinigt und mit einem Polyurethan-Schaumverband abgedeckt. Bei lokal infizierten Ulzera wurde noch zusätzlich Cadexomer-Pulver aufgetragen. Eine Antibiotikagabe war in keinem Fall notwendig.

Für die Kompressionstherapie wurden bei venösen Ulzera elastische Bandagen und eine Baumwollunterlage verwendet. Bei gemischten Ulzera kamen Cellona-Watte und Mollelast-Binden zum Einsatz. Die Bandagen wurden von den behandelnden Ärzten oder geschultem Pflegepersonal angelegt und in der Regel 1-mal in der Woche gewechselt. In den ersten 4 Wochen wurde der Kompressionsdruck gemessen. Im Mittel lagen die Werte nach Anlage des Kompressionsverbandes bei Patienten mit venösen Ulzera bei 65mmHg in liegender und 85mmHg in stehender Position (gemischte Ulzera 40 bzw. 58mmHg), sowohl in der Diabetikergruppe als auch bei den Patienten ohne Blutzuckererkrankung.

Bei den venösen Ulzera dauerte der Heilungsprozess in der Diabetikergruppe im Vergleich mit den Nichtdiabetikern etwas länger (im Mittel: 25 vs. 28 Wochen). Ähnlich verhielt es sich bei den gemischten Ulzera (27 vs. 29 Wochen). Statistisch signifikant war der Unterschied zwischen den beiden Patientengruppen nicht. Je kleiner das Ulkus, desto schneller verlief die Heilung. Alter, Nikotinabusus, ein BMI über 30kg/m² und Bluthochdruck hatten keinen Einfluss auf die Heilungsdauer, dafür aber das Geschlecht, denn bei Frauen dauerte die Heilung gemischter Ulzera länger als bei Männern.

Keiner der Patienten berichtete über kompressionsbedingte Schmerzen, lediglich Patienten mit venösen Ulzera verspürten teilweise ein Engegefühl, das aber bis zur Entfernung der Bandage in der Regel rückläufig war. Die Ulkus-bedingten Schmerzen gingen im Verlauf der Behandlung schrittweise zurück. Nach 4 (venöse Ulzera) bzw. 8–12 Wochen (gemischte Ulzera) lag der Wert auf der visuellen Analogskala bei 0, sowohl bei den Diabetikern als auch bei Patienten ohne Diabetes.

Fazit

Die Kompressionstherapie kann auch bei Diabetikern sicher und effektiv angewandt werden, auch wenn der Heilungsprozess bei ihnen etwas länger dauert als bei Nichtdiabetikern. Somit dürfte eine Blutzuckererkrankung keine Kontraindikation für die Kompressionstherapie mehr darstellen, selbst wenn die Patienten neben der chronisch-venösen Insuffizienz zusätzlich unter einer arteriellen Verschlusskrankheit leiden.

Stephanie Gräwert, Leipzig



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Article published online:
10 February 2023

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