Zusammenfassung
Hintergrund Die Mammadiagnostik stellt einen integralen Bestandteil der Radiologie dar und unterliegt
strengen Qualitätskontrollen. Dabei ist eine präzise Diagnostik durch multimodale
Befunderhebung mittels Mammografie, Sonografie und MRT unter Einschluss bildgestützter
Biopsie- und Markierungsverfahren oftmals entscheidend und muss durch Expert:innen
mit Kenntnissen und Fertigkeiten in allen diesen Verfahren zusammengeführt werden.
Aufgrund zahlreicher Veränderungen der Versorgungsstrukturen ist die Mammadiagnostik
jedoch zunehmend in Richtung großer, spezialisierter Zentren verlagert worden, wodurch
Engpässe im Rahmen der Weiterbildung in der Erlangung von Fallzahlen in der Breite
der Weiterbildungsstätten entstehen. Das vorgelegte Whitepaper fasst zunächst die
Rahmenbedingungen zusammen und stellt Positionen der beteiligten Fachgesellschaften
dar.
Methode Unter Leitung der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) wurden mit Beteiligung von
Vertreter:innen der AG Mammadiagnostik der DRG, des CAFRAD (Chefarztforum Radiologie),
der KLR (Konferenz der Lehrstuhlinhaber für Radiologie e. V.), des Forum Junge Radiologie
(FJR) der DRG und des Berufsverband der Deutschen Radiologen e. V. (BDR) Lösungsansätze
diskutiert und konsentiert, die in Zukunft für die Weiterbildung in der Mammadiagnostik
bedeutend sein werden.
Ergebnisse Neben der etablierten Weiterbildung an der primären Weiterbildungsstätte soll durch
flexible einrichtungs-, fachdisziplin- und sektorenüberschreitende Weiterbildungskooperationen
sowie Integration von Fallsammlungen und engerer Zusammenarbeit von Weiterbildungsstätten
mit Brustzentren und Mammografiescreening-Einheiten eine qualifizierte Weiterbildung
sichergestellt werden. Unverzichtbar ist, dass Kurse und Fallsammlungen in Kooperation
mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und in Einklang mit deren Standards
erstellt werden, insbesondere wenn die Bearbeitung solcher Fallsammlungen anteilig
auf die Weiterbildung angerechnet werden soll. Der Schwerpunkt der Weiterbildung muss
weiterhin in der Patientenversorgung erfolgen. Maximal ein Drittel der in der Muster-Weiterbildungsordnung
(M-WBO) geforderten Fälle sollen durch ein Training anhand einer zertifizierten Fallsammlung
möglich sein.
Schlussfolgerungen Um die Weiterbildung in der Mammadiagnostik weiterhin auf hohem fachlichem Niveau
zu gewährleisten, ist ein Paradigmenwechsel mit einer engeren Zusammenarbeit aller
Beteiligten sowie Offenheit von Landesärztekammern und Fachgesellschaften für neue
Weiterbildungskonzepte notwendig.
Kernaussagen:
-
Die Mammadiagnostik ist ein wichtiger Bestandteil der radiologischen Weiterbildung.
-
Strukturelle Änderungen haben insbesondere an kleineren Weiterbildungsstätten zu Problemen
bei der Erfüllung der Richtzahlen der WBO geführt. Eine verbesserte Integration dieser
neuen Strukturen und ihre Öffnung für Belange der Weiterbildung sind notwendige Schritte,
um eine qualitätsgesicherte Ausbildung radiologischen Nachwuchses sicherzustellen.
-
Die Integration von zertifizierten Fallsammlungen ermöglicht eine qualitätsgesicherte
Weiterbildung, bei onlinebasierten Formen auch überregional. Unter Beachtung des „Blended-learning-Prinzips“
sollte die ärztliche Weiterbildung mit max. einem Drittel der benötigten Fallzahlen
anhand einer zertifizierten Fallsammlung ergänzt werden können.
-
Rechtlich abgesicherte, kurz- und mittelfristige Hospitationen sollen die Weiterbildung
ergänzen.
Zitierweise
Abstract
Purpose Breast imaging represents an integral part of radiology and is subject to strict
quality controls. Regarding this, precise diagnostics including multimodal assessment
by mammography, sonography, and MRI, including image-guided biopsy and localization
procedures, is often decisive and must be performed by experts with profound knowledge
and skills in all of these procedures.
However, due to numerous restructurings, breast imaging has been shifted more and
more towards large, specialized centers, resulting in less patient exposition and
training opportunities for radiologists in smaller sites. The following whitepaper
summarizes the current circumstances and discusses opinions of the participating societies.
Materials Under the leadership of the German Roentgen Society (DRG) and with the participation
of the DRG's AG Mammadiagnostik, the CAFRAD (Chefarztforum Radiologie), the KLR (Konferenz
der Lehrstuhlinhaber für Radiologie e. V.), the DRGʼs Forum Junge Radiologie (FJR)
and the Berufsverband der Deutschen Radiologen e. V. (BDR), possible solutions were
discussed and consented for a structured training in breast radiology in the future.
Results In addition to the teaching provided at the primary workplace, qualified training
should be ensured through flexible, multi-institutional, interdisciplinary, and cross-sectoral
collaboration. Furthermore, the integration of online case collections and close cooperation
with certified breast cancer centers and mammography screening units is recommended.
It is indispensible that online courses and case collections adhere to the standards
of the national societies and include a maximum of one third of the required cases.
Conclusion In order to provide training in breast radiology at a high professional level, a
paradigm shift with closer cooperation of all participants is necessary. This includes
close collaboration of the breast imaging societies with the federal medical associations
to establish new teaching concepts like e-learning in the training schedule of radiologists.
Key words
breast imaging - e-learning - medical education - curriculum radiology - blended learning
- training in breast radiology