Schlüsselwörter
Prostatkarzinom - Strahlentherapie - Umweltbelastung - Fahrtkosten - Gesundheitssystem
CO2 Kohlendioxid
CT Computertomographie
DEGRO Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie
DRG
Diagnosis-related Groups (Diagnosebezogene Fallgruppe)
EBM Einheitlicher Bewertungsmaßstab (Gebührenordnung für ambulante
Behandlungen in Deutschland)
Gy Grau
IGRT
Image-guided radiotherapy (Bildgeführte Strahlentherapie)
IMRT Intensitätsmodulierte Strahlentherapie
IQR Interquartilsabstand
km Kilometer
MH Moderate Hypofraktionierung (z. B. 20 Fraktionen)
PCa Prostatakarzinom
rPE Radikale Prostatektomie
RT Radiotherapie
SD Standardabweichung
ED Einzeldosis [Gy]
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
GD Gesamtdosis [Gy]
UHF Ultrahypofraktionierung (d. h. 5 Fraktionen)
Einleitung
In Zeiten des Klimawandels, der Energiewende, einer alternden Bevölkerung und
explodierender Sozialausgaben rücken Ansätze zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und
Wirtschaftlichkeit von Gesundheitssystemen zunehmend in den Fokus der Diskussion.
Im
Hinblick auf unsere Arbeit als praktizierende Radioonkologen könnte das größte
Potenzial, einen Beitrag zu diesem Thema zu leisten, in der Bereitstellung
effizienter und kostengünstiger Behandlungsoptionen liegen. Dies ist insbesondere
bei häufigen Diagnosen, wie dem Prostatakarzinom (PCa), relevant. Das PCa ist eine
der am weitesten verbreiteten bösartigen Erkrankungen. In Deutschland werden
jährlich rund 66 000 Neuerkrankungen diagnostiziert [1], was das PCa landesweit zur häufigsten
Neubildung bei Männern macht. Bei lokalisierten Erkrankungen sind die
Strahlentherapie (RT) und die radikale Prostatektomie (rPE) das Rückgrat der
kurativen Behandlung [2]
[3]. Dabei unterscheiden sich die RT und rPE
nicht nur hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen, sondern auch hinsichtlich ihrer
ökologischen und ökonomischen Eigenschaften erheblich. Ein wesentlicher Aspekt ist
dabei die Behandlungsdauer. Während die rPE routinemäßig in einem einzigen Eingriff
durchgeführt wird und die Patienten in der Regel innerhalb einer Woche aus dem
Krankenhaus entlassen werden1,
erfordert das traditionelle RT-Schema für lokalisierte PCa (39×2 Gy=78 Gy) einen
(ambulante) Behandlungszeitraum mit täglicher Fahrt zur Behandlungsstätte von fast
8
Wochen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieser Ansatz sowohl bei der
Akzeptanz bei den Patienten als auch bei ökologischen und gesundheitsökonomischen
Aspekten schlecht abschneidet.
Fortschritte in der Strahlentherapie, wie z. B. die intensitätsmodulierte
Strahlentherapie (IMRT) und die bildgesteuerte Strahlentherapie (IGRT), haben eine
immer präzisere Dosisapplikation ermöglicht, während nahe gelegene Organe
bestmöglich geschont werden. Moderat hypofraktionierte Schemata mit etwas höheren
Einzelfraktionsdosen (EDs) von etwa 3 Gy und einer reduzierten Gesamtdosis von etwa
60 Gy [4]
[5]
[6]
[7] haben dadurch an
Popularität gewonnen. Bei einer auf etwa die Hälfte reduzierten
Gesamtbehandlungsdauer liefern diese Therapien onkologische Ergebnisse und
Toxizitätsprofile, die denen der traditionellen strahlentherapeutischen Ansätze
ähneln [7]. Die Nichtunterlegenheit der
moderaten Hypofraktionierung (MH) wurde in mehreren randomisierte, multizentrische
Phase-3-Studien nachgewiesen [4]
[6]. Es liegt auf der Hand, dass MH auch in
Bezug auf den ökologischen und gesundheitsökonomischen Nutzen einen deutlichen
Fortschritt darstellt. So wird MH inzwischen von verschiedenen Fachgesellschaften
für die Strahlentherapie als neuer Behandlungsstandard empfohlen [3]
[8]. Im Gegensatz dazu empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie den Einsatz von
MH nach wie vor nur unter Vorbehalt [2].
Da hinsichtlich der biologischen Strahlenwirkung für Prostatakrebszellen ein relativ
niedriges α/β-Verhältnis wird, könnten höhere Einzeldosen aus radiobiologischer
Sicht vorteilhaft sein [9]. In der
Zwischenzeit wurden mit überwiegend fortschrittlichen und hochpräzisen
Linearbeschleunigern SFDs von>> 4 Gy sicher verabreicht. Dieses sogenannte
„ultrahypofraktionierte“ Behandlungsschema ermöglicht eine Gesamtbehandlungszeit von
nur ein bis zwei Wochen. Die Ergebnisse von zwei großen, randomisierten
Phase-III-Studien [10]
[11]
[12] ebnete den Weg für die Akzeptanz der ultrahypofraktionierten (UHF) RT
als sichere und effektive Behandlungsoption für lokalisierte PCa mit niedrigem und
mittlerem Risiko. Nach den aktuellen Daten ist anzunehmen, dass UHF und MH in Bezug
auf onkologische Ergebnisse und Toxizität nicht unterlegen sind [3]
[8]
[13]. Allerdings stellt die
UHF hohe Anforderungen an die technische Ausstattung, die Genauigkeit und Expertise
des Behandlungsteams [10]
[11]
[14]
[15]
[16]. Wenn diese Anforderungen erfüllt
werden können, kann die ultrahyporaktionierte RT auch als Routinebehandlung über
klinische Studien hinaus empfohlen werden [3]
[13]
[14].
Ziel dieser Arbeit war es, den signifikanten Einfluss der Fraktionierung auf die
Transportkosten und den Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß in der ambulanten
Strahlentherapie zu demonstrieren. Da das PCa eine der häufigsten Entitäten ist, die
mittels RT behandelt werden, haben wir uns für diese beispielhafte Berechnung für
die Simulation einer definitiven RT im Freistaat Thüringen an unserer
Behandlungsstätte konzentriert.
Material & Methoden
Wir analysierten die Daten von 109 Patientinnen und Patienten mit Prostatakarzinom,
die zwischen Januar und Dezember 2022 eine ambulante RT am Universitätsklinikum Jena
erhielten. Die Entfernungen zwischen ihrem Wohnort und der Behandlungsstätte sowie
die entsprechenden Fahrzeiten wurden aus Google Maps über das R statistics
mapsapi-Paket (Version 4.3.2, R Core Team) unter Verwendung der Adressen der
Patienten ermittelt.
Für die Fahrten zur Behandlung wurde ein Transport in einem Mittelklassewagens
angenommen und typische C02-Emissionen aus der statista Datenbank mit Daten des
Deutschen Bundesamts für Statistik [17],
basierend auf den Registriernummern der Bundesamt für Kraftfahrt
(Kraftfahrzeugbundesamt), ermittelt. Es wurde davon ausgegangen, dass die Patienten
in einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert waren.
In Deutschland werden die Taxikosten für ambulante Strahlentherapien weitgehend von
den GKV übernommen. Daher wurden die Transportkosten auf der Grundlage eines
regionalen Vertrags über die Bereitstellung von Patiententransporten berechnet. Zu
den Vertragspartnern gehörten eine große Krankenkasse und lokale Taxiunternehmen
[18].
Es wurden drei verschiedene Fraktionierungsschemata analysiert ([Abb. 1]): Ein normofraktioniertes (NF)
Schema mit 39 Fraktionen, das nach wie vor den Behandlungsstandard in Deutschland
widerspiegelt, ein moderat hypofraktioniertes (MH) Schema mit 20 Fraktionen [4] und ein ultrahypofraktioniertes (UHF)
Schema mit nur 5 Fraktionen [3]
[14]. Ein zusätzlicher Besuch für die
Bestrahlungsplanung mit Anfertigung einer Computertomographie (CT) wurde für alle
drei Szenarien angenommen.
Abb. 1 Überblick über die drei verschiedenen Fraktionierungsschemata
für die Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms. TAD–
adsorbierte Gesamtdosis, SFD – Einzelfraktionsdosis
Die epidemiologischen Daten stammen vom Bundesamt für Statistik [19] und vom Thüringer Landesamt für
Statistik [20]. Die Analysen wurden mit
SPSS Statistics 29 (IBM, Armonk / NY, USA) und Excel 2016 (Microsoft, Redmond / WA,
USA) durchgeführt, Grafiken wurden mit Keynote 13.2 (Apple, Cupertino / CA, USA)
erstellt.
Ergebnisse
Entfernungen und Fahrzeiten zwischen Wohnort und Behandlungsstätte
Es wurden 109 PCa-Patienten mit einem medianen Alter von 72 Jahren ausgewertet
([Tab. 1]). Dabei waren fast 81%
dieser Patienten älter als 65 Jahre. Die mediane Entfernung zwischen den
Wohnorten der Patienten und unserer Einrichtung
(daccess
one-way
) betrug 20,2 km. Es wurden
Fahrtstrecken zwischen 0,75 km und 93,92 km, mit einem Trend zu kürzeren
Entfernungen (75%-Quartil: 48,13 km) ermittelt. Die geschätzten Fahrzeiten
(taccess one-way) reichten von weniger als drei Minuten bis 65
Minuten (Median: 23 Minuten). [Tab.
2] und [Abb. 2a, b] zeigen
die Merkmale dieser Kohorte im Detail.
Abb. 2
a +b : Reisestrecken (a) und geschätzte Reisezeiten (b) für
109 Prostatakrebspatienten, die im Jahr 2022 am Universitätsklinikum
Jena ambulant bestrahlt wurden
Tab. 1 Altersverteilung [Jahre] der zugrundeliegenden
Kohorte von Patienten mit Prostatakrebs und davon Anzahl der
Patienten über 65 Jahre.
|
Alter [Jahre]
|
|
Median
|
72
|
|
Minimum
|
49
|
|
Maximum
|
89
|
|
Standardabweichung
|
7.49
|
|
Interquartil-Abstand (IQR) (25% – 75%)
|
66–77
|
|
Alter > 65
|
88 Patienten (80.7%)
|
Tab. 2 Fahrtstrecke und geschätzte Reisezeiten der 109
Prostatakrebspatienten, die im Jahr 2022 am Universitätsklinikum
Jena ambulant bestrahlt wurden.
|
Fahrstrecke (einfache Fahrt)
d
Weg
/ [km]
|
Fahrzeit (einfache Fahrt) t
Weg
/
[Minuten]
|
|
Median
|
20.20
|
23.10
|
|
Minimum
|
0.75
|
2.77
|
|
Maximum
|
93.92
|
65.00
|
|
Standardabweichung
|
24.56
|
17.10
|
|
Interquartilsabstand (IQR)
(25% – 75%)
|
7.42–48.13
|
13.08–45.51
|
Der Transport für RT verursacht relevante Kosten
Unter Berücksichtigung der medianen täglichen Reisestrecke und einer ambulanten
Behandlung, bei der eine tägliche An- und Abreise zur Behandlungsstätte
notwendig ist, ergibt sich im Verlauf der definitiven RT eine erhebliche
kumulative Fahrtstrecke. Dieser Abstand nimmt proportional mit der Anzahl der
Bestrahlungsfraktionen zu (Gleichung 1). Die daraus resultierenden Fahrstrecken
für die drei Fraktionierungsschemata sind in [Tab. 3] verglichen.
Tab. 3 Gesamtfahrstrecke, CO2-Emissionen und
Transportkosten gemäß der angewandten Fraktionierungsschemata (NF –
Normofraktionierung, MH – moderate Hypofraktionierung, UHF –
Ultrahypofraktionierung). Die Berechnungen wurden mit einer medianen
Entfernung von 20,2 km zwischen den Wohnorten der Patienten und
unserer Einrichtung durchgeführt. Die Anzahl der Fahrten wurde aus
der doppelten Anzahl der Fraktionen und zwei zusätzlichen Fahrten
für die Vorbereitungen zur Bestrahlungsplanung berechnet. Die Preise
der Taxifahrten wurden mit 2,43 € pro Kilometer (km) zuzüglich eines
Grundpreises von 4,10 € berechnet. Eine durchschnittliche
CO2-Emission von 84 g/km wurde angenommen (Daten aus
[17]).
|
Bestrahlungsfraktionen
|
39 (NF)
|
20 (MH)
|
5 (UHF)
|
|
Anzahl der Fahrten
|
80
|
42
|
12
|
|
Entfernungen [km]
|
1616
|
848
|
242
|
|
CO2-Emissionen [kg]
|
136
|
71
|
20.
|
|
Transportkosten [€]
|
4255
|
2234
|
638
|
Zur Veranschaulichung wurde die resultierende kumulative Fahrstrecke mit den
einfachen Entfernungen zwischen den beliebten europäischen Hauptstädten und
unserer Behandlungseinrichtung in Jena, das in der Mitte Deutschlands liegt,
abgeglichen ([Abb. 3]). Die
simulierte Entfernung, die ein Patient unserer Klinik im Rahmen von NF mit dem
Taxi zurücklegen muss, entspricht einer Fahrt von Jena nach Barcelona (1616 km).
Ein moderat hypofraktionierter Fahrplan (20 Fraktionen) würde diese Entfernung
auf 848 km reduzieren, was immer noch einer einfachen Fahrt nach Paris
entspricht. Im Gegensatz dazu verkürzt die UHF die erforderliche Fahrstrecke (5
Fraktionen) auf die Entfernung zwischen Jena und Berlin (242 km).
Abb. 3 Vergleich von Fahrten aus Jena zu europäischen Großstädten,
die hinsichtlich der zurückgelegten Strecke (einfache Strecke) und der
erwarteten CO2-Emissionen mit den drei verschiedenen
Fraktionierungsschemata vergleichbar sind.
dBehandlung = dWeg*2*nFraktionen
Gleichung 1 : Berechnung der Gesamtfahrstrecke
d
Behandlung
während der Strahlentherapie durch
Multiplikation der Anzahl der Fraktionen, n
Fraktionen
und der
doppelten einfachen Entfernung zwischen dem Wohnort des Patienten und der
Behandlungseinrichtung d
Weg
in eine Richtung.
Transportkosten für Langzeitbehandlungen wie Chemotherapie oder RT werden
prinzipiell auf Antrag von den deutschen GKV erstattet [21]. Die Preisgestaltung basiert auf
lokalen Verträgen und berücksichtigt die Fahrstrecke und die Anzahl der Fahrten.
Die daraus resultierenden Kosten werden nach der örtlich geltenden Regelung
berechnet [18], in unserer Abteilung
gemäß [Tab. 3]. Folglich steigen die
Transportkosten zu Lasten der GKV proportional mit der Anzahl der RT-Fraktionen
(Gleichung 1).
Zu Vergleichszwecken wurden die Behandlungskosten für eine NF RT des PCa in Euro
(€) nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) und dem 2024 gültigen
Umrechnungsfaktor von 0,1193 € pro Punkt berechnet [22]. Unter der Annahme einer
Routinebehandlung mit 39 RT-Fraktionen würden 5.349 € in Rechnung gestellt
werden. Folglich beliefen sich die gesamten Behandlungskosten für die GKV,
bestehend aus Behandlungskosten und Transportkosten, auf 9.604 € ([Tab. 4]). Dabei entfallen 44,3% der
gesamten Behandlungskosten für NF also alleinig auf den Patiententransport. Mit
anderen Worten, der Transport macht 79,5% der RT-Kosten aus.
Tab. 4 Behandlungskosten für die normofraktionierte
Strahlentherapie (NF RT, 39 Fraktionen) des Prostatakarzinoms nach
dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) (Daten aus [22]). Nach dem aktuell
(2024) geltenden Punktwert von 0,1193 € wurde ein Gesamtpreis von
5.349,25 € berechnet. Abkürzungen: Computertomographie (CT),
intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), Linearbeschleuniger
(LINAC)
|
Prozedurkennung nach EBM
|
Beschreibung
|
Punkte
|
Faktor
|
Gesamt
|
|
25211
|
Beratung / Körperliche Untersuchung
|
1 041
|
1
|
1 041
|
|
34360
|
Computertomographie (CT) für die Simulation
|
354
|
1
|
354
|
|
25342
|
Behandlungsplanung
|
4 744
|
1
|
4 744
|
|
25343
|
Zusatz für die IMRT-Behandlung
|
1 245
|
1
|
1 245
|
|
25321
|
RT-Behandlung, Behandlung am LINAC, pro Fraktion
|
960
|
39
|
37 440
|
|
Gesamtpunktzahl
|
|
|
|
44 824
|
|
Gesamtkosten
|
Umrechnungsfaktor: 0,1193 € pro 1 Punkt
|
|
|
5 349,25
|
Kohlendioxid-Emissionen
Gemäß [Abb. 4] wurde für die
Berechnungen ein durchschnittlicher CO2-Ausstoß von EReferenz =
84 g/km herangezogen [19]. Im
zeitlichen Verlauf ist durch einen zunehmende Anteil umweltfreundlicher Antriebe
im zugrunde liegenden Register die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro km
bereits um etwa 30% gesunken. Wir berechneten die CO2-Emissionen
(E
Behandlun
g) für die drei
Behandlungsschemata, gemäß Gleichung 2 wie in [Tab. 3] zusammengefasst. Die
Verwendung von NF führte zu einem CO2-Ausstoß von insgesamt 136 kg. Im Gegensatz
dazu könnte mit einem UHF-Zeitplan der gesamte CO2-Ausstoß um 85% (auf 20 kg)
reduziert werden.
Abb. 4 Durchschnittliche Kohlendioxidemissionen (CO2) von
Mittelklassewagen (rechte Achse, schwarze Linie) und entsprechende
Anteile der jeweiligen Motortypen (linke Achse, Balkendiagramm). Ein
zunehmender Einsatz umweltfreundlicher Motoren mit sinkenden
durchschnittlichen CO2-Emissionen ist zu beobachten. Die Daten wurden
aus einem deutschen KFZ-Steuer Register ermittelt [17].
EBehandlun9 = EReferenz* dBehandlung
Gleichung 2 Die gesamten CO2 -Emissionen aus
behandlungsbedingten Fahrten errechnen sich aus dem durchschnittlichen
CO2-Ausstoß eines Mittelklassewagens pro Kilometer
(E
Referenz
-Wert
)
und der
gesamten Reisestrecke für die Behandlung
d
Behandlung
.
Transportkosten
Laut dem örtlichen Vertrag zwischen der Krankenkasse und den Taxiunternehmen
[20] wurden die Fahrten mit einem
Satz von 2,43 € pro km zuzüglich eines Grundtarifs von 4,10 € abgerechnet. Somit
liegt die durchschnittliche Fahrstrecke (20,2 km) bei 53,19 €. Die
entsprechenden Gesamttransportkosten sind in [Tab. 3] dargestellt. Die Wahl von UHF
anstelle von NF würde zu einer drastischen Reduzierung der durchschnittlichen
Gesamttransportkosten von 4255 € auf 638 € (− 85%) führen.
Diskussion
Die Forschung, die sich mit der Nachhaltigkeit und den Kosten neuer medizinischer
Behandlungsansätze beschäftigt, fristet nach wie vor ein Schattendasein. Nach
unserem Kenntnisstand ist dies die erste Studie, die die Auswirkungen
unterschiedlicher Fraktionierungsschemata für die Strahlentherapie bei Prostatakrebs
auf die CO2-Emissionen und Transportkosten in Deutschland untersucht.
Obwohl der Großteil der thüringischen Bevölkerung in ländlichen Arealen lebt [20], betrug die durchschnittliche
Fahrstrecke von den Patientinnen und Patienten zu unserer Einrichtung nur 20 km, was
die gut ausgebaute medizinische Versorgung in dem kleinen Bundesland widerspiegelt.
Da die Anfahrtswege zur Behandlung die Gesamttherapiekosten proportional erhöhen
(Gleichung 1), werden unsere Ergebnisse stark von der lokalen soziodemographischen
Struktur sowie der lokalen Versorgungsstruktur (z. B. Dichte der
Strahlentherapieeinrichtungen) beeinflusst. Dieses regionale Beispiel ist also nicht
ohne weiteres übertragbar. Zu beachten ist, dass in anderen Ländern die
Entfernungen, die für die Strahlentherapie zurückgelegt werden müssen, wesentlich
größer sein können [23], sodass die zuvor
dargestellte Korrelationen noch bedeutender werden würde. Weiterhin von ökonomischer
Relevanz, jedoch außerhalb des Rahmens dieses Manuskripts, ist die Verkürzung von
krankheitsbedingen Ausfällen bzw. von Gehaltfortzahlungen oder Lohnersatzleistungen
durch die Reduktion der Gesamtbehandlungszeit. In der zugrundeliegenden Kohorte
würde dies schätzungsweise 20% der Patienten betreffen.
Es ist sicherlich naheliegend, dass eine ambulante Strahlentherapie mit weniger
Fraktionen zu geringeren CO2-Emissionen und Transportkosten führt. Dementsprechend
bestand das Ziel dieser Studie nicht darin, dieses Phänomen zu beweisen, sondern
sein lokales Ausmaß zu veranschaulichen. Eine Gleichwertigkeit bzw.
Nichtunterlegenheit einer moderaten Hypofraktionierung konnte für immer mehr
Indikationen erfolgreich nachgewiesen werden [24] und bietet generell ein enormes Potenzial zur Reduzierung von
Reisekosten und Emissionen. Dennoch gelten ultrahypofraktionierte Behandlungen in
vielen Indikationen nicht als aktueller Behandlungsstandard, mit Ausnahme von
stereotaktischen Behandlungen, wie z. B. der lokal ablativen RT bei Metastasen [25]
[26]
[27]. Trotz ihres deutlichen
Nutzens für die Umwelt und die Krankenkassen werden hypofraktionierte und
ultrahypofraktionierte RT-Schemata bei der Behandlung von Prostatakrebs in
Deutschland bisher nicht standardmäßig eingesetzt. Dies kann aus medizinischen
Gründen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen geschehen. Aus medizinischer Sicht
liegen mittlerweile hervorragende Daten zur onkologischen Wirksamkeit und
Verträglichkeit der MH-RT vor [4]
[6]. Auch der Wert von UHF wurde, zumindest
für bestimmte Untergruppen des lokalisierten Prostatakarzinoms mit
niedrigem/mittlerem und hohem Risiko [10]
[11]
[12]
[15]
[16]
[28], eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Dementsprechend sind beide Fraktionierungsschemata fest in den amerikanischen
Leitlinien verankert [3]
[8]. Die "Deutsche Gesellschaft für
Radioonkologie" (DEGRO) empfiehlt auch außerhalb klinischer Studien den Einsatz
beider Therapien [13]. Dennoch werden (zu
Recht) hohe technische Standards gefordert. Linearbeschleuniger (LINAC), die auf
stereotaktische Strahlentherapie spezialisiert sind, eignen sich hervorragend für
diesen Zweck und wurden in den beiden klinischen Studien, die den Weg für UHF
ebneten, umfassend eingesetzt [11]
[12]
[13]. Ein weiterer ermutigender Ansatz ist die sogenannte online-adaptive
RT. Mit dieser neuen Technik können tägliche Veränderungen der Anatomie,
insbesondere die unterschiedlichen Füllzustände von Blase und Darm, durch angepasste
Strahlentherapiepläne ausgeglichen werden [29]. Eine wesentliche Einschränkung dieser beispielhaften Berechnung ist
jedoch die hypothetische Anwendung der UHF-RT auf alle Patienten in dieser Kohorte.
Allerdings sind in den Studien zur UHF sowohl für niedrige/mittlere [11]
[30] und Tumoren mit hohem Risiko [16]
[31] gewisse
Ausschlusskriterien, wie z. B. bilaterale Hüftprothesen oder vorherige
transurethrale Resektion bei gutartiger Prostatahypertrophie im Protokoll der
PACE-Studie, definiert worden [32].
Darüber hinaus gibt es nur wenige Daten zur Anwendbarkeit bei alten und
gebrechlichen Patienten. In der Hypo-RT-Studie wurden beispielsweise keine Patienten
über 75 Jahre inkludiert [16], sodass in
unserer Stichprobe ein relevanter Teil der Patienten aus diesem Grund ausgeschlossen
worden wäre (medianes Alter: 72 Jahre). Doch gerade für diese betagten Patienten
könnten lange Fahrzeiten mit einer relevanten Belastung verbunden sein: In unserer
Simulation würde ein Viertel der Patienten eine Fahrzeit von mehr als 45 Minuten
benötigen, was angesichts möglicher akuter Radiotoxizität wie Pollakisurie oder
Durchfall belastend erscheint.
Neben medizinischen Bedenken stellt die aktuelle Vergütungsstruktur sicherlich ein
weiteres großes Hindernis bei der Einführung der (ultra-)hypofraktionierten RT für
PCa dar. In Deutschland erfolgt die Vergütung der amulanten RT in der Regel
"pro Fraktion". Daher werden immer noch Anreize für eine hohe Anzahl von
Fraktionen bei niedrigen Dosen geschaffen, während der Einsatz moderner Techniken,
wie z. B. der (ultra-)hypofraktionierten RT, verhältnismäßig bestraft wird.
Angesichts der hohen Kosten moderner Technik kann dies für ein RT-Zentrum schnell
zu
einer Frage des wirtschaftlichen Überlebens werden. Trotz eines offensichtlichen
internationalen Paradigmenwechsels hin zu weniger Fraktionen und kürzeren
Gesamtbehandlungszeiten wird der Mehrheit der PCa-Patienten daher wahrscheinlich
weiterhin der Zugang zu den neuen Behandlungsansätzen in Deutschland verwehrt
bleiben. Derzeit sollten neben uns behandelnden Ärzten auch die Kostenträger und
Selbstverwaltungsorgane des deutschen Gesundheitswesens so schnell wie möglich
entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. So könnte die GKV in einem ersten Schritt
entsprechende Selektivverträge mit den Dienstleistern abschließen. Darüber hinaus
muss die deutsche S3-Leitlinie dringend überarbeitet werden, da sie weder die
neuesten Studienergebnisse noch die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für
Radioonkologie (DEGRO) zur (ultra-)hypofraktionierten Strahlentherapie
berücksichtigt [13]. Insbesondere von
nicht-ärztlichen Entscheidungsträgern wird der der S3 Leitlinie fälschlicherweise
oft ein normativer Charakter zugeschrieben, was sinnvolle und notwendige
Entscheidungen zurückhalten können. Dennoch ist gerade vor dem Hintergrund einer
überalternden Bevölkerung und damit steigender Kosten für die Krankenkassen eine
Optimierung der Erstattungsstrukturen für Behandlungen von entscheidender Bedeutung.
Zusätzliche Patienten können behandelt werden, ohne das Budget der Krankenkassen zu
überschreiten, indem die Anzahl der Behandlungssitzungen reduziert wird.
Wir sind daher der Meinung, dass die Fahrtstrecken gleich einer Reise nach Barcelona
auf derartige Anlässe beschränkt werden sollten und angesichts der jüngsten
Datenlage nicht generell von unseren Patienten in einer Routinetherapie verlangt
werden sollten.
Die (ultra-)hypofraktionierte Strahlentherapie bei Prostatakrebs hat ein großes
Potenzial, die Umwelt zu schonen und die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Unter
diesem Gesichtspunkt und in Hinblick auf die onkologische Vergleichbarkeit mit der
Normofraktionierung sollte die Hypofraktionierung als neuer Versorgungsstandard
angesehen werden. Die neuen Kurzzeitkonzepte stellen jedoch hohe Anforderungen an
die Genauigkeit der Dosisapplikation, was einen erhöhten (technischen und
personellen) Aufwand verursacht. Um eine allgemeine Akzeptanz und Anwendung zu
ermöglichen, müssen im deutschen Gesundheitswesen angemessene Preis- und
Vergütungsstrukturen etabliert werden, die einen gleichwertigen Zugang zu dieser
innovativen Behandlungsoption für alle Patienten entsprechend der medizinischen
Indikation gewährleisten.
Ethikgenehmigung und Zustimmung zur Teilnahme
Ethikgenehmigung und Zustimmung zur Teilnahme
Die Studie wurde in Übereinstimmung mit der Deklaration von Helsinki durchgeführt
und
von der Ethikkommission des Universitätsklinikums Jena genehmigt (2024-3279-Daten).
Auf die Einwilligung des einzelnen Patienten wurde aufgrund des retrospektiven
Charakters dieser Analyse verzichtet.
Verfügbarkeit von Daten
Die in dieser Arbeit verwendeten und analysierten Datensätze können auf begründete
Anfrage vom korrespondierenden Autor bereitgestellt werden.
Finanzierung
Diese Arbeit wurde ohne externe Finanzierung realisiert. Außerhalb dieser Arbeit wird
G.W. durch das "Clinician Scientist"-Programm des Interdisziplinären
Zentrums für Klinische Forschung des Universitätsklinikums Jena (Förder-Nr.: CSP-11)
unterstützt. Die Förderung spielte bei der Konzeption, bei der Erhebung, Analyse
oder Interpretation von Daten; beim Verfassen des Manuskripts; oder bei der
Entscheidung, die Ergebnisse zu veröffentlichen keine Rolle.
Beiträge der Autoren
Konzeptualisierung, G.W. und M.G.; Methodik, G.W., M.G., C.S., D.M.; Software, S.W.;
Validierung, K.P.; Formale Analyse, G.W.; Ermittlungen, S.W., G.W. und M.G.;
Ressourcen, S.W. und G.W.; Datenverarbeitung, G.W. und M.G.; Schreiben –
Manuskripterstellung, G.W.; Schreiben – Überprüfung und Bearbeitung, alle Autoren.;
Visualisierung, G.W.; Aufsicht, K.P.; Projektverwaltung, G.W.; Fördermittel, n/a.
Alle Autorinnen und Autoren haben die finale Fassung des Manuskripts geprüft und
sind damit einverstanden.